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Insgesamt 76 Millionen Alben wurden 2017 verkauft, 66 Millionen davon auf CD oder Vinyl. Musik-Streams durchbrechen die 50-Milliarden-Marke. Downloads verlieren um mehr als 20 Prozent. Das beschworene MC-Revival zeigt sich nicht in der Marktstatistik.

 

Im vergangenen Jahr ist Musik über 70,4 Millionen Mal in einem Geschäft gekauft oder als bestellte Ware in Briefkästen geworfen worden (Abb. 7). Im Jahr zuvor war die Zahl um rund 11 Millionen höher. Die Fälle, in denen Musik also auf einem physischen Tonträger ihren Weg zu den Fans gefunden hat, sind damit um rund 14 Prozent zurückgegangen.

 

Rechnet man hier physische Singles und Musikvideos auf DVD heraus, ergibt sich eine Summe von insgesamt 66,3 Millionen verkaufter physischer Longplayer bzw. Alben, 63 Millionen Exemplare davon auf CD (−14,9 % gegenüber 2016) und 3,3 Millionen auf Schallplatte (+5,6 %). Zählt man die Downloads hinzu (9,8 Mio. Alben, Abb. 8), wurden 2017 insgesamt 76 Millionen Alben abgesetzt.

Abb. 7: Musikabsatz physisch in der Bundesrepublik Deutschland

Gewinner im physischen Segment ist wiederum die Vinyl- LP: 2017 wurden 3,3 Millionen Einheiten verkauft und damit 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2008 hat sich die Zahl der verkauften Vinyl-LPs mehr als versechsfacht. Allerdings hat sich der Vinyl-Boom gegenüber den Vorjahren (2015: +20,9 %, 2016: +46,3 %) deutlich beruhigt. 

 

Wie die Zahl der physischen Longplayer ist auch die Zahl der Singles „zum Anfassen“ im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen: Statt etwa 0,9 Millionen Einheiten wie im Jahr 2016 wurden noch rund 0,6 Millionen abgesetzt, um mehr als ein Viertel weniger (−26,4 %) als im Vorjahr. 2008 waren es noch 6,7 Millionen Stück gewesen, also etwa das Zehnfache. Diese Entwicklung hängt nicht damit zusammen, dass Singles an sich weniger gefragt sind, im Gegenteil – das Thema verlagert sich jedoch sukzessive in den Bereich Audio-Streaming.  

 

Die Serie „Stranger Things“ über die 1980er-Jahre hat Medienberichten1 zufolge in den USA für einen Musikkassetten- Hype gesorgt. In Deutschland allerdings schlägt sich das nicht in den Marktdaten nieder: Wurden vor zehn Jahren, also 2008, noch 4,5 Millionen Stück verkauft, so sind die Zahlen seitdem jedes Jahr weiter rückläufig, das war auch 2017 mit einem Minus von 7,1 Prozent auf nun 125.000 Stück nicht anders. 

 

Vgl. z. B. Chip Online vom 24.1.2017, http://www.chip.de/news/Absurder-Trend-Amerikaner-kaufen-ploetzlich-wieder-Kassetten_107833165.html

Abb. 8: Musikabsatz Downloads in der Bundesrepublik Deutschland

Auch in Zeiten von YouTube & Co. haben sich Musikfans im vergangenen Jahr darüber hinaus rund 3,5 Millionen Mal dafür entschieden, die Musik ihrer Stars auf DVD oder Blu-ray zu kaufen.     

 

Nach ihrem stärksten Jahr 2012 gehen Downloads jedes Jahr weiter zurück. Insgesamt 62,4 Millionen Songs und Alben wurden 2017 noch legal heruntergeladen und bezahlt (Abb. 8). Das ist etwa ein Fünftel weniger (−20,6 %) als im Jahr 2016, sowohl bei den Single-Downloads (−20,5 %) als auch bei den Alben (−20,1 %).

IN NUR EINEM JAHR 20 MILLIARDEN STREAMS MEHR

Ganz anders sieht es im Bereich Audio-Streaming aus. Die Zahl der bezahlten oder werbefinanzierten Musik- Streams von Audio-Streaming-Plattformen hat im vergangenen Jahr die Marke von 50 Milliarden durchbrochen (56,4 Mrd., Abb. 9). Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der Audio-Streams damit mehr als verdoppelt (2015: 21,2 Mrd.) und innerhalb von fünf Jahren, seit 2013, fast verzehnfacht. Damit hält die ungeheure Dynamik im Bereich Audio-Streaming weiter an. Für die Musikbranche erfreulich ist hier insbesondere, dass sich der Anteil von Premium-Abonnements, also bezahltem Streaming, dabei weiter deutlich erhöht hat: Lag der Anteil kostenpflichtiger Streamer an der Bevölkerung im Jahr 2016 noch bei 8 Prozent, betrug er 2017 bereits 13,5 Prozent (s. Abb. 19, Kapitel „Musikkäufer“).

ÜBER 100.000 NEUE SINGLES, CA. 2,2 MIllionen POP-ALBEN

Abb. 9: Musikstreaming seit 2013 Premium / werbefinanziert

Auf dem deutschen Musikmarkt waren der PHONONET-Datenbank zufolge rund 289.000 verschiedene physische Tonträger erhältlich (Abb. 10). Ein Großteil davon, rund 204.000 Werke, sind Pop-Alben. Statistisch bedeutet dies hier: alle Genres, die keine klassische Musik sind. Klassik-Fans bot sich wiederum eine Auswahl von mehr als 78.000 unterschiedlichen physischen Tonträgern, rund 22.000 mehr als vor zehn Jahren. Erstmals waren dagegen weniger als 6.000 verschiedene Pop-Titel als physische Singles erhältlich (Abb. 10 und 10 A). Damit reagieren die Musikfirmen auf die bereits erwähnte sinkende Nachfrage in diesem Segment, die mit der erwähnten Verlagerung in den digitalen Bereich zusammenhängt. Die Zahl neu veröffentlichter digitaler Pop-Singles ist 2017 denn auch erheblich gestiegen: Hier gab es 2017 mehr als 130.000 Releases, rund 34.000 mehr als 2016. 

 

Beim Blick auf die Neuveröffentlichungen bei den Alben zeigen sich die Zahlen sowohl im Bereich Pop als auch in der Klassik weitgehend konstant gegenüber den Vorjahren (Abb. 10 A). Der direkte Vergleich von Pop und Klassik ergibt dabei: Gegenüber rund 16.000 neuen Pop-Alben werden seit 2015 jährlich etwa 4.000 neue Klassik-Alben veröffentlicht, sodass auf ein neues Klassik-Album etwa vier Pop-Veröffentlichungen kommen (Abb. 10 A). 

 

Damit ist auf dem deutschen Musikmarkt ein breites Musikangebot verfügbar – sowohl digital als auch bei physischen Tonträgern: Rund 289.000 auf CD & Co. gepresste Pop- und Klassik-Alben werden ergänzt durch rund 2,2 Millionen digitale Alben (Abb. 10). Bei den digital erhältlichen Pop-Singles handelt es sich mit rund 1,3 Millionen Werken sogar um mehr als das 200-Fache des physisch vorhandenen Repertoires. Und all diese Titel sind wiederum zu großen Teilen in dem rund 40 Millionen Tracks umfassenden Angebot der Audio-Streming-Dienste zugänglich. Damit steht den Fans und Nutzern heute so viel Musik zur Verfügung wie nie zuvor. 

 

 

Abb. 10: Gesamtangebot und Neuerscheinungen von Pop- und Klassiktonträgern 2008 / 2017