Absatz

Der Verkauf von Alben geht von 105 Millionen auf 93 Millionen Stück zurück, davon 74 Millionen CDs und 12 Millionen Downloads. Der Vinyl-Absatz wächst mit 46,2 Prozent noch stärker als der Umsatz und die Zahl der gestreamten Songs von 21,2 Milliarden 2015 auf 36,4 Milliarden 2016.

Und trotzdem: Noch ist die (Musik-)Welt eine Scheibe!

Auch 2016 war die Compact Disc das am meisten verkaufte Musikmedium in Deutschland. Insgesamt 73,8 Millionen Stück (Abb. 7) wurden online und offline abgesetzt. Das waren bei einem Minus von 11,8 Prozent allerdings deutlich weniger als im Vorjahr, was zugleich auch für das Album Verluste bedeutete. Denn der anhaltende Vinyl-Boom verhalf der Schallplatte zwar zu einem erneuten Absatzplus von 46,3 Prozent mit einem Anstieg verkaufter Alben von 2,1 auf 3,1 Millionen. Doch gab der Absatz von Download-Alben wieder erheblich nach: Mit nur noch 12,2 Millionen verkauften Einheiten (Abb. 8) fielen die Verkäufe hier um 33,9 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Werden noch Musikkassette und DVD-Audio (jeweils 100.000) sowie Musikvideos auf DVD und Blu-ray (3,8 Millionen) hinzugenommen, wurden im vergangenen Jahr insgesamt 93,1 Millionen Alben verkauft, im Jahr 2015 waren es noch 104,5 Millionen gewesen.

 

Besonders attraktiv waren nationale und internationale Pop-Alben, die mit 30,43 Millionen bzw. 30,02 Millionen Stück in annähernd gleicher Zahl Absatz fanden. Pop National verlor allerdings gegenüber 2015 (41,59 Mio. verkaufte Alben) mit einem Minus von 26,8 Prozent deutlich, während Pop International praktisch unverändert blieb (+0,2 %). Ähnlich stark rückläufig (–16,9 %) waren nur die TV-Compilations. Auch Klassik-Alben gaben nach, jedoch mit 9,4 Prozent nur im einstelligen Bereich – insgesamt wurden 4,76 Millionen Einheiten verkauft. Ebenso ging der Absatz von Kinderprodukten trotz der kräftigen Zuwächse von 16,7 Prozent beim Umsatz (Abb. 5) um 5,8 Prozent auf 15,54 Millionen Stück zurück. Die Zahl verkaufter Hörbücher hingegen entwickelte sich mit einem Plus von 7,2 Prozent analog zur Umsatzentwicklung (+11,3 %, Abb. 5) deutlich nach oben.

Abb. 7: Musikabsatz physisch in der Bundesrepublik Deutschland

Wie die Alben waren auch die physischen Singles und ihre MP3-Pendants rückläufig: Erstere kam auf 900.000 verkaufte Einheiten, ein Minus von 11,7 Prozent gegenüber 2015. Heruntergeladen wurden Singles 66,1 Millionen Mal, ebenfalls nicht so oft wie im Vorjahr (–14,9 %).

 

Unter dem Strich verzeichneten sowohl der physische als auch der Download-Markt einen Absatzrückgang: Die verkauften Musikvideos (3,8 Mio.) eingeschlossen, wurden hier insgesamt 81,8 Millionen abgesetzte Einheiten erreicht. Das sind 9,4 Millionen bzw. 10,3 Prozent weniger als 2015. Die Downloads kamen auf zusammen 78,3 Millionen (Singles und Alben), 18,6 Prozent weniger als im Vorjahr und ungefähr so viel wie 2010 (74,1 Mio.). Werden bei den Downloads auch die Klingeltöne eingerechnet, verringert sich das Minus auf 18,3 Prozent, denn hier gab es interessanterweise erstmals wieder einen Zuwachs von 15,8 Prozent.

Abb. 8: Musikabsatz Downloads in der Bundesrepublik Deutschland

36,4 Milliarden Songs in einem Jahr – Streaming mit neuem Allzeithoch

Zuwächse im Digitalgeschäft verzeichnete neben den Klingeltönen aber vor allem das Audio-Streaming: Über 36,4 Milliarden Songs wurden 2016 in Deutschland gestreamt, ein neues Allzeithoch und gegenüber 2015 (21,2 Mrd. Titel) eine Steigerung um 71,7 Prozent. Auch die Vergleichswoche am Jahresende (Abb. 9) spiegelt diese Dynamik wider: 2012 wurden in diesen sieben Tagen 99 Millionen Songs gestreamt, 2016 waren es 906 Millionen Songs – nahezu eine Verzehnfachung innerhalb von vier Jahren. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Audio-Streaming die Downloads 2016 als zweistärkstes Umsatzformat nach der CD abgelöst und damit die Marktordnung entscheidend verändert hat.

Gesamtangebot und Neuerscheinungen von Pop- und Klassik-Tonträgern

Insgesamt 294.879 physische Tonträger waren 2016 in der PHONONET-Artikelstammtdatenbank erfasst (Abb. 10). Davon gehörte der größte Teil (209.732) in die übergeordnete Kategorie  der Pop-Alben (Audio und Video), wobei der Begriff „Pop“ hier nicht als Repertoire-Bezeichnung  im eigentlichen Sinn zu verstehen ist, sondern alle Genres umfasst, die nicht Klassik sind, also neben Pop auch Rock, Hip-Hop, Schlager et cetera. Die Klassik-Alben kamen in Summe auf 78.807 gelistete Tonträger. Während die Zahl in beiden Segmenten gegenüber dem Vergleichsjahr 2007, also vor zehn Jahren deutlich gestiegen ist, bestätigt der Blick auf die physischen Pop-Singles den auch in den Umsatz- und Absatzzahlen sichtbaren Rückgang des Formats hier in besonders deutlicher Weise: Waren im Jahr 2007 noch insgesamt 9.150 Artikel gelistet, waren es im Jahr 2016 nur noch 6.340 – insgesamt! 

Abb. 9: Musikstreaming seit Mai 2012 Premium / werbefinanziert

Die Summe der digitalen Pop-Singles wiederum, die in der digitalen Datenbank DigiAS gelistet werden, ist mit rund 1,1 Millionen die zweitstärkste Kategorie in den beiden PHONONET-Datenbanken, nur übertroffen von den digitalen Pop-Alben, die bei rund 2,1 Millionen liegen und damit knapp zehnmal höher als die physischen Pop-Alben. Bei der Klassik ist der Unterschied zwischen digitalen und physischen Alben dagegen weniger hoch: mit rund 157.000 sind es nur gut doppelt so viele digitale wie physische Tonträger.

 

Wieder anders stellt es sich im Bereich der Neuerscheinungen dar: Wie das digitale Pop-Album im Gesamtangebot, ist die digitale Pop-Single bei den Neuerscheinungen die Königskategorie: rund 100.000 neue Pop-Singles von Pop und Rock bis zu Hip-Hop und Dance wurden 2016 veröffentlicht. Eine stattliche runde Summe, doch sind damit im vergangenen Jahr rund 7.600  Singles weniger veröffentlicht worden als vor zehn Jahren und nur ungefähr  halb so viel wie etwa in den Jahren 2012 bis 2014, in denen die Zahl der Neuerscheinungen ihre Höchststand mit rund 225.000 im Jahr 2013 erreichte (Abb. 10A). Mit der Reduzierung neu erscheinender digitaler Singles reagieren die Musikfirmen auf den seit einigen Jahren rückläufigen Umsatz in Single-Download-Markt. 

Abb. 10: Gesamtangebot und Neuerscheinungen von Pop- und Klassiktonträgern 2007 / 2016