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24.09.2015

Digitaler Wandel: Kreativwirtschaft Treiber für andere Branchen


Prof. Dieter Gorny

Am Freitag fand in Berlin die  High-Level Konferenz "Digitaler Wandel in Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität - Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten in Europa" statt, ein Treffen von 300 Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Politik. Gastgeber war der Bundeswirtschaftsminister. Das Thema: die rechtlichen, ökonomischen und gesellschaftlichen Implikationen des digitalen Wandels. Im Fokus: drei Branchen, die bereits besonders von der Digitalisierung betroffen sind. Das sind neben der Kreativwirtschaft die Mobilitätswirtschaft und der Handel. Eröffnet wurde die Konferenz durch Bundeswirtschaftsminister Gabriel und EU-Parlamentspräsident Schulz, im Anschluss gab es vier äußerst bemerkenswerte Impulsvorträge aus den drei Fokus-Branchen: Edgar Berger (Chairman & CEO International Sony Music Entertainment) und Paul-Bernhard Kallen (CEO Hubert Burda Media) sprachen für die Kreativwirtschaft, Alain Caparros (CEO Rewe Group) für den Handel und Prof. Rupert Stadler (Audi AG) für die Mobilitätsbranche. Intensive Podiumsdiskussionen folgten am Nachmittag.
 
Diese Konferenz ist eine weitere, wichtige Diskurs-Plattform, die aus unserer Überzeugung zentral sind, um die Digitalisierung aus den Branchen heraus darzustellen und nicht bloß als Annex technischer Entwicklung. In der letzten Zeit hat sich einiges getan; dass digitale Inhalte wie Musik, Filme, Bücher, Games oder journalistische Beiträge kulturell wie ökonomisch eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft darstellen, haben wir, nicht zuletzt durch die unermüdliche Arbeit der Content Allianz, in der Zwischenzeit zunehmend in den Fokus rücken können – und ist sicher auch sowohl stärker politisch erkannt als auch zunehmend gesellschaftlich bewusst. Die bisherige Schräglage – digitale Ökonomie war gleich IT, Telekommunikationsunternehmen und Glasfaserkabel, während das Bewusstsein für den Wert kreativer Leistungen und deren Wertschöpfungsketten in diesem Zusammenhang praktisch nicht existierte – scheint sich etwas zu relativieren.  
 
Die Kreativwirtschaft ist mit ihren Produkten so sehr Treiber für andere Branchen und deren Produkte und interagiert mit ihnen derart, dass man sich nicht mehr nur mit den „Content-Branchen“ beschäftigen kann, wenn man über die Entwicklung und die Bedarfe der Kreativwirtschaft spricht. Die Digitalisierung verwandelt jedes Geschäft am Ende in Nullen und Einsen und verzahnt dadurch zuvor getrennte Branchen und Bereiche eng miteinander. Digitale Ökonomie heißt: vernetzt, interdisziplinär und in alle Richtungen denkend. Das sollte uns lehren, dass wir Antworten auf die Herausforderungen, vor denen wir stehen, am besten branchenübergreifend entwickeln. Das haben auch die Themen, mit denen sich Handel und Autoindustrie derzeit beschäftigen, ein weiteres Mal bestätigt. Die Learnings und die erfolgreiche Adaption des Geschäftsmodells der Musikbranche für das digitale Zeitalter, der Wandel vom Off- zum Online-Handel, autonome Fahrzeuge und pilotiertes Fahren, die Notwendigkeit eines Ethik-Diskurses mit Blick auf die Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz - das Themenportfolio scheint geradezu ungeheuerlich. Und doch wird von jeder Branche nicht weniger verlangt als: vor diesem immensen Themenpanorama nicht die Augen zu verschließen.
 
Dieser Gipfel war also durchaus richtungsweisend. In seiner besonderen Branchen-, Themen- und Personen-Konstellation. Durch einen Konferenzauftakt auf höchster politischer Ebene, was schon für sich genommen ein klares Signal an die vertretenen Branchen war. Und nicht zuletzt hat auch das, was sowohl von Sigmar Gabriel als auch von Martin Schulz adressiert wurde, gezeigt: Die ökonomische Funktionsweise und Relevanz der Kreativbranchen werden verstanden und sind dadurch auf der politischen Agenda. So spricht sich Gabriel als Wirtschaftsminister klar für den Schutz geistigen Eigentums aus und fordert, dass "die fundamentalen Werte und Grundrechte der analogen Welt auch in einer digitalen Welt gelten. Ich denke hier vor allem an die Entfaltung individueller Talente, an den freien Wettbewerb, an das Recht, für gute Arbeit guten Lohn zu erhalten, an das Recht auf Privatheit, oder an den Schutz geistigen Eigentums - gleichgültig, ob das Musik, Bücher oder Patente sind." Insbesondere mit Blick auf Big Data verlangt er eine digitale Ordnungspolitik: "Die Ordnungspolitik hat nicht sozusagen ihre Bedeutung verloren, weil wir jetzt im digitalen Zeitalter leben. Das gilt für den Markt der Suchmaschinen oder der mobilen Betriebssysteme ebenso wie für andere Bereiche der digitalen Wertschöpfungskette." Ein wichtiger Schritt ist für ihn hier die Strategie für einen digitalen europäischen Binnenmarkt. Und auch Martin Schulz hat sehr klar gemacht, dass „im copy&paste-Zeitalter“ jeder begreifen müsse, "dass der schöpferische Gedanke, das geistige Eigentum, die Grundlage jeglicher Wertschöpfung ist."
 

Bleibt zu hoffen, dass diese Bekenntnisse auch dann präsent sind, wenn auf nationaler und auf europäischer Ebene ordnungspolitische Weichen gestellt werden! Sei es mit Blick auf den aktuellen Urhebervertragsrechtsentwurf in Deutschland,  sei es in der Diskussion um ein europäisches Urheberrecht oder die Rolle von Plattformen. Martin Schulz' Bitte zum Schluss jedenfalls - "Schubsen Sie uns, bedrängen Sie uns und nerven Sie, damit wir endlich wieder europäisch handlungsfähig werden und damit wir das Notwendige tun" - werden wir mit Blick auf die Kreativwirtschaft und insbesondere die Musikindustrie in jedem Fall weiterhin gern nachkommen!
 


Sigrid Herrenbrück
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 

Telefon: 
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herrenbrueck(at)musikindustrie.de