StartseiteKontaktNewsletterImpressum YouTube Facebook Twitter RSS

Umsatz

Deutscher Musikmarkt wächst insgesamt um 1,2 Prozent

Digitale Umsätze steigen um 11,7 Prozent, Streaming sogar um 91 Prozent
Die CD zeigt Stärke und verbucht zwei Drittel aller Musikumsätze in Deutschland

Seit 15 Jahren erstmals wieder Wachstum im deutschen Musikmarkt. Umsätze aus digitalen Geschäftsfeldern steigen weiter und machen rund 23 Prozent der Musikeinnahmen aus. Downloads auf stabilem Niveau, Musikstreaming verdoppelt seinen Marktanteil auf fünf Prozent. Mit 77 Prozent der gesamten Musikumsätze behauptet der physische Tonträgermarkt seine Stärke und bleibt die wichtigste Säule des Musikvertriebs in Deutschland.


Deutscher Musikmarkt dreht ins Plus

Der deutsche Musikmarkt konnte nach 15 rückläufigen Jahren in 2013 erstmals wieder ein leichtes Wachstum verbuchen. Der Umsatz aus dem Verkauf physischer Tonträger und Downloads sowie den Einnahmen aus dem Musikstreaming kletterte insgesamt um 1,2 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro (Abb. 1). Anders als in vielen anderen Ländern zeigte sich der Markt für haptische Tonträger dabei relativ stabil: Trotz eines leichten Umsatzrückgangs (-1,5 Prozent) bleibt er mit einem Marktanteil von 77,4 Prozent (Abb. 4) die zentrale Säule des Musikgeschäfts in Deutschland. Flankiert wird der starke physische Markt durch zweistelliges Wachstum in den digitalen Geschäftsfeldern (+11,7 Prozent), die die physischen Rückgänge kompensieren können und den Markt insgesamt in die Wachstumszone bringen.

Neben den Musikverkäufen entwickelten sich auch die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten (GVL) stabil. Sie stiegen um 2,7 Prozent auf 148 Mio. Euro an, rangieren aufgrund der gescheiterten Verhandlungen zwischen den Verwertungsgesellschaften und der Geräteindustrie aber nach wie vor unter dem realen Niveau. Rückläufig entwickelten sich die Erlöse aus der Synchronisation, also Lizenzeinnahmen, die aus der Verwendung von Musik in Werbung, TV, Filmen oder Games generiert werden. Sie gingen um 25,2 Prozent zurück auf fünf Millionen Euro.

Zum Download der druckfähigen Grafik klicken Sie bitte hier


Abb 1: Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten1

Zum Download der druckfähigen Grafik klicken Sie bitte hier


Abb 2: Umsatzentwicklung der physischen Tonträger1

Die CD zeigt Stärke

Zum Download der druckfähigen Grafik klicken Sie bitte hier


Abb 3: Umsatzentwicklung digitaler Musikverkäufe1

Mit einem Volumen von 1,124 Milliarden Euro werden über drei Viertel aller Musik- umsätze in Deutschland mit physischen Produkten generiert, allen voran die CD, die rund 90 Prozent der physischen Umsätze und knapp 70 Prozent der Gesamtumsätze mit Musikaufnahmen in Deutschland verantwortet (Abb. 2). Mit einem Rückgang um 1,3 Prozent verzeichnet die Compact Disc, die nach wie vor mehr als eine Milliarde Euro in Deutschland einspielt, den geringsten Umsatzrückgang seit 13 Jahren. Neben der klassischen CD sind dabei zunehmend hochwertige Mehrfachboxen und Fan-Editionen gefragt, die als haptische Ergänzung zum digitalen Musikkonsum auch künftig die Stärke der CD ausspielen können. Darüber hinaus ebnen neue hochauflösende Formate wie die Pure Audio Blu-ray, die sich vor allem an die klangbewussten Musikfans richtet, der Silberscheibe den Weg in die Zukunft. Ein Nischenmarkt, der umsatztechnisch der-zeit zwar noch kaum eine Rolle spielt, die Angebotspalette aber um eine spannende Facette erweitert.

Dass Musik zum Anfassen weiterhin gefragt ist, zeigt auch das anhaltende Mini- Comeback der Schallplatte, die ihren Wachstumskurs im vergangenen Jahr weiter fortsetzen und sogar noch steigern konnte. Nach 40-prozentigem Wachstum in 2012 stiegen die Vinyl-Umsätze im Jahr 2013 sogar um 47,2 Prozent auf insgesamt 29 Millionen Euro an. Nach dem Tiefpunkt im Jahr 2006 macht das „schwarze Gold“ somit wieder zwei Prozent des Gesamtmarktes aus, bleibt gemessen an den Umsätzen aber weiterhin ein Nischenprodukt für leidenschaftliche Sammler und Fans.

Das vierte Jahr in Folge musste der Markt für Musikvideos deutliche Einbußen hinnehmen, er ging 2013 um 9,1 Prozent auf 80 Millionen Euro zurück. Stärkste Titel waren hier „Die Ärzte Live – Die Nacht der Dämonen“, „The Rolling Stones – Sweet Summer Sun“ und „Helene Fischer – Für einen Tag LIVE 2012“.

Nach ihrem 50. Geburtstag in 2013 verabschiedet sich die Musikkassette langsam aus dem Markt. Sie spielte nach einem erneuten drastischen Rückgang (-36,7 Prozent) im vergangenen Jahr nur noch 1,6 Millionen Euro ein und hat damit – wie auch die physische Single – im Musikmarkt kaum noch eine Relevanz.

Digital wächst weiter

Die Einnahmen aus digitalen Geschäftsfeldern legten 2013 um 11,7 Prozent auf 328 Millionen Euro zu (Abb. 3). Damit werden heute 22,6 Prozent aller in Deutschland generierten Musikumsätze digital erwirtschaftet.

Ging die Anzahl der Downloadkäufer 2013 um ein Prozent leicht zurück auf 8,3 Millionen (BVMI/GfK Panel Services), zeigten sich die Downloadumsätze mit einem leichten Wachstum von 0,8 Prozent insgesamt stabil. Sie machen heute 78,5 Prozent der digitalen Umsätze bzw. 17,7 Prozent aller Musikeinnahmen in Deutschland aus. Dabei zeigt sich, wie auch in anderen Ländern, eine unterschiedliche Entwicklung der Single- und Album-Downloads. Während der Umsatz mit digitalen Alben 2013 um 4,8 Prozent zunahm, ging es zeitgleich für die Single-Downloads um 4,4 Prozent zurück.

Damit lösen sich auch die oft gehörten Befürchtungen des „Cherry Pickings“ durch Einzeldownloads weiter auf und bestätigen die Attraktivität des Albums als zusammenhängendes Werk eines Künstlers auch im digitalen Bereich. So werden mit Alben mittlerweile 58,7 Prozent aller Downloadumsätze generiert.

Erneut abwärts ging es für die Mobile Realtones (Klingeltöne), die mit einem Anteil von weniger als einem Prozent praktisch keine Bedeutung im Markt mehr besitzen.

Streamingumsätze nahezu verdoppelt

Auch wenn erste abonnementbasierte Streaming-Dienste wie Napster bereits seit 2005 im deutschen Markt präsent sind, hat diese neue Form der Musiknutzung erst im vergangenen Jahr in Deutschland richtig Fahrt aufgenommen. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren gingen zahlreiche Services in Deutschland neu an den Start, sodass heute insgesamt 17 Anbieter vertreten sind. Das spiegelt sich nicht nur in der medialen Aufmerksamkeit, sondern auch in den Umsätzen wider. So konnten die Umsätze aus bezahlten Streaming-Abonnements und werbefinanzierten Streaming-Services um insgesamt 91,2 Prozent auf 68 Millionen Euro gesteigert werden.

Wichtigster Umsatztreiber in diesem Segment sind die Premium- bzw. Freemium-Dienste, während werbefinanzierte Gratisvarianten im Videobereich in Deutschland eine nachgeordnete Rolle spielen, da immer noch keine Einigung zwischen dem reichweitenstarken YouTube und der GEMA in Sicht ist.

Zum Download der druckfähigen Grafik klicken Sie bitte hier


Abb. 4: Umsatzanteile 2013 aus dem Musikverkauf1 physisch/digital

Zusätzliche Hemmnisse für ein noch schnelleres Wachstum des Streamings in Deutschland sind die schleppende Ausweitung schneller Breitbandlösungen, die nicht ausreichende technische Anbindung an Home-Entertainment-Anlagen, die zaghafte Akzeptanz der Kreditkartenbezahlung, das geringe Datenvolumen vieler Mobilfunkkunden, der hohe Batterieverbrauch, Hürden bei der Softwareinstallierung und die generelle Online-Zurückhaltung mit Blick auf Themen wie den Datenschutz, um nur einige zu nennen.

Gemessen an den Gesamtumsätzen in Deutschland konnte der Anteil des Streamings von 2,5 Prozent in 2012 auf 4,7 Prozent in 2013 nahezu verdoppelt werden. Dabei offenbart die nach wie vor geringe Umsatzbedeutung zum einen, dass wir vorrangig über ein Zusatzgeschäft für Künstler und Musikfirmen sprechen, zum anderen aber auch, dass das Streaming noch nicht in der breiten Bevölkerung in Deutschland angekommen ist. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie im Auftrag des BVMI, die zu dem Ergebnis kommt, dass gerade 14 Prozent der Deutschen auf werbefinanzierte bzw. zehn Prozent auf Premiumdienste zurückgreifen – wobei hier unter anderem die zahlreichen Schnupperangebote, mit denen die Anbieter neue Kunden ansprechen, berücksichtigt werden müssen (siehe Abb. 13 und 14). Gerade die jüngsten Kooperationen zwischen Streaming-Anbietern und Telekommunikationsunternehmen, Webdiensten und Vertretern der klassischen Medienbranche werden dem Streaming zu weiterer Bekanntheit verhelfen und dazu beitragen, dass es sich auch in Deutschland fest etablieren kann. Wie groß das Potenzial des Streamings ist, verdeutlicht ein Blick ins Ausland, allen voran die skandinavischen Länder. So macht das Streaming in Schweden bereits 66 Prozent aller Musikumsätze aus. Gleichwohl sind bei dem Vergleich der Märkte nationale Besonderheiten stets zu beachten.

Mit dem Wechsel vom Besitz hin zu zugangsbasierten Nutzungsformen leiten die Streaming-Dienste nicht nur einen Paradigmenwechsel in der Musikbranche ein, sondern verdeutlichen zugleich die Diversifizierungsstrategie der Musikfirmen als Antwort auf die zunehmend individualisierten Formen der Mediennutzung: Der Kunde wird dort abgeholt, wo und wie er seine Musik hören und nutzen möchte, sei es analog auf Vinyl, in der Cloud oder in den sozialen Netzwerken. Wo sich der Fan aufhält, findet er ein passendes legales Angebot. Ein Angebot, mit dem vor allem auch die digital affinen Jugendlichen angesprochen werden, die vielleicht schon ohne die CD, aber wieder mit Vinyl aufwachsen oder sich bislang vorrangig illegal mit Musik versorgt haben. Gerade für diese Konsumenten ist es wichtig, mit dem richtigen Angebot und attraktiven Nutzerwelten Brücken zum legalen Musikkonsum zu bauen – und damit nicht zuletzt bisherige Nichtzahler zu zahlenden Kunden zu machen.

Dass sich in dieser neuen Vielfalt sowohl die Nutzer als auch die Firmen und Künstler erst noch orientieren und ihren eigenen Mix aus online und offline, Besitz und Nutzung finden müssen, überrascht nicht und deutet auf eine Entwicklung hin, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

Zum Download der druckfähigen Grafik klicken Sie bitte hier


Abb. 5: Umsatzentwicklung1 in den Teilmärkten Physisch /Downloads2

Der feine Unterschied: Die Pure Audio Blu-Ray

Die „Pure Audio Blu-ray“ wurde von den msm-studios in München entwickelt. Sie nutzt die enorme Speicherkapazität und Bandbreite der Blu-ray für hochauflösende Musik sowohl in stereo als auch in surround. Dabei ist sie so einfach zu bedienen wie eine CD. Alle Funktionen (Titelanwahl, Tonformat etc.) können direkt über die Fernbedienung des Players gesteuert werden, ohne dass der Bildschirm eingeschaltet werden muss. Alternativ dazu kann die Bedienung über Bildschirmmenüs erfolgen. Der aktuelle Titel wird am Bildschirm angezeigt und es steht eine Übersicht der Tracks zur Verfügung.

2012 brachte mit der Decca erstmals ein Major Label eine Pure Audio Blu-ray heraus, nutzte sie aber nicht für ultimativ hohe Auflösung,sondern für extrem lange Spielzeit. Sir Georg Soltis „Ring des Nibelungen“ wurde remastert und in 24 Bit / 48 kHz Linear-PCM auf eine einzige Blu-ray gepresst. Bis heute sind es vor allem Jazz- und Klassikspezialisten, die auf das neue Format mit Sound in Studioqualität setzen, aber auch „Klassiker“ der Popgeschichte wie Lionel Richie, Supertramp, Amy Winehouse, Nirvana oder die Rolling Stones wurden bereits auf dem neuen Medium herausgebracht. Neil Young bringt seine neuen Alben heute sogar immer gleich parallel auch auf Audio Blu-ray heraus. Ob sich die Pure Audio Blu-ray durchsetzen kann, wird neben einer steigenden Bekanntheit maßgeblich davon abhängen, inwieweit noch mehr Künstler die Chancen dieses neuen Formats in Zukunft für sich nutzen werden.

Pop an der Spitze, Klassik wächst

Auch wenn die Album Top 10 des Jahres 2013 vor allem vom Schlager bestimmt waren, bleibt das gesamte Musikgeschehen in erster Linie durch die Popmusik geprägt.

Ein Blick in die Teilmärkte (Abb. 5) zeigt, dass sich sowohl die nationale Popmusik (-1,8 Prozent) als auch der internationale Pop (-3,5 Prozent) leicht rückläufig entwickelt haben. Gerade bei den internationalen Produktionen fällt mit 29 Prozent ein besonders hoher Download- Anteil auf, bedingt auch durch die Stärke der internationalen Künstler bei den Singles, während bei nationalen Künstlern häufiger noch zur Silberscheibe im Albumformat gegriffen wird.

Mit Rückenwind durch das Verdi- und Wagnerjahr ging es darüber hinaus erstmals seit drei Jahren auch für die Klassik wieder bergauf, die um 6,4 Prozent auf insgesamt 90 Millionen Euro zulegen konnte. Auffallend ist hier der geringe Download-Anteil der auch 2013 noch bei fünf Prozent liegt und darauf hindeutet, dass die Klassik die großen digitalen Herausforderungen nach wie vor noch vor sich hat. 

Die größten Zuwächse konnten 2013 Kinderprodukte (+6,5 Prozent) und Hörbücher (+7,2 Prozent) verbuchen. Runter ging es dagegen für die TV-Compilations, die im vergangenen Jahr 4,2 Prozent weniger Umsatz erzielen konnten.

Streaminganteil 2018 bei 35 Prozent

Eine aktuelle Markteinschätzung der GfK (Abb. 6) prognostiziert dem deutschen Markt für das Jahr 2014 wieder eine schwarze Null, bevor es ab 2015 dann mit jeweils zwei bis drei Prozent bergauf gehen soll – das vorbehaltlich einer relativ stabilen Handelslandschaft sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen, die endlich Klärung brauchen und den legalen Anbietern von Musik im Internet einen fairen Wettbewerb erlauben müssen.

Macht das Streaming aktuell nur fünf Prozent der Umsätze im Musikmarkt aus, soll dieser Anteil in 2018 bereits bei 35 Prozent liegen und sich damit dem internationalen Umfeld deutlich annähern. Im Bereich des werbefinanzierten Streamings wird auf Basis einer konservativen Schätzung davon ausgegangen, dass vorerst keine Einigung zwischen YouTube und GEMA erreicht werden kann. Bei einem leicht steigenden Markt soll der Download zwar weiter wachsen, relativ betrachtet mit einem Anteil von 14 Prozent aber etwas an Relevanz im Markt einbüßen. Der physische Markt soll in fünf Jahren erstmals unter die 50-Prozent-Marke rutschen, bleibt aber auch mittelfristig eine stabile Säule des deutschen Musikmarktes.

Britta Lüerßen
Leiterin Marktforschung & Entwicklung

Telefon:
030 59 00 38-21

lueerssen(at)musikindustrie.de