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Umsatz

Der deutsche Musikmarkt zeigt sich weiterhin erfreulich stabil: Zum zweiten Mal in Folge kann die Branche leichtes Wachstum verbuchen. Den Löwenanteil am Gesamtumsatz macht mit rund 75 Prozent nach wie vor das Geschäft mit physischen Tonträgern aus. Daneben legen die digitalen Geschäftsfelder zweistellig zu und sorgen nun für rund ein Viertel der Einnahmen. In der Nische wächst Vinyl weiter um rund 33 Prozent, während sich physische Single und MC aus dem Markt verabschieden.

Deutscher Musikmarkt erneut mit leichtem Wachstum

Weiterhin Stabilität im deutschen Musikmarkt: Zum zweiten Mal in Folge legten 2014 die Umsätze zu. Demnach erzielte die Branche mit den Verkäufen von CDs, Vinyl, Downloads und den Erlösen aus den Streaming-Angeboten im vergangenen Jahr insgesamt rund 1,48 Milliarden Euro – gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1,8 Prozent (Abb. 1).  Erneut bestätigte 2014 eine Besonderheit des deutschen Marktes: Während in fast allen anderen Ländern der Welt das physische Geschäft binnen weniger Jahre rasant abgenommen hat, vollzieht sich dieser Prozess hierzulande erheblich langsamer: Mit einem Minus von nur 1,5 Prozent gegenüber 2013 sorgten CDs, Schallplatten und Co. im vergangenen Jahr noch immer für rund 75 Prozent der Umsätze. So stark ist der physische Markt sonst nur noch in Japan. Daneben hat durch die enorme Dynamik im Streaming-Bereich das digitale Geschäft zweistellig (+13,1?%) dazugewonnen, was die minimale Schrumpfung des physischen Marktes mehr als kompensieren konnte.

Nach einem rückläufigen Vorjahr sind 2014 aber auch die Einnahmen aus Synchronisation erheblich gestiegen:

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Abb 1: Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten1

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Abb 2: Umsatzentwicklung der physischen Tonträger1

Die Lizenzeinnahmen der Firmen aus der Verwendung von Musik in Film und Fernsehen, Computerspielen oder Werbung beliefen sich auf sieben Millionen Euro, ein Plus von 30,4 Prozent! Und auch die GVL-Ausschüttungen sind gegenüber dem Vorjahr mit einer Steigerung von 5,8 Prozent auf nun 157 Millionen Euro deutlich nach oben gegangen. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass bisher keine Einigung in Sicht ist zwischen Verwertungsgesellschaften und Geräteherstellern in puncto Hinterlegungspflicht einer Urheberrechtsabgabe auf IT-Geräte und Speichermedien, durch die das legale Kopieren von Musikstücken und anderen kreativen Inhalten für den privaten Gebrauch abgegolten werden soll. Dennoch: Würde man die Einnahmen aus Synchronisation und GVL-Leistungsschutzrechten zum Markt hinzuzählen, käme man insgesamt sogar auf ein Plus von 2,3 Prozent (im Vergleich zu plus 1,8 Prozent aus den reinen Musikverkäufen).


Kompakt und gut: die CD bleibt marktbeherrschend in Deutschland

Totgesagte leben länger: Rund 1,107 Milliarden Euro haben die Firmen 2014 mit CDs, Schallplatten, Kassetten, Singles und Videos auf DVD, VHS und Blu-ray umgesetzt. Und für das Gros dieser Einnahmen zeichnet die CD verantwortlich, die 1981 bei der IFA in Berlin erstmals öffentlich vorgestellt, dreißig Jahre nach ihrem weltweiten Marktdurchbruch 1984 noch immer der ökonomische Backbone des deutschen Musikmarktes ist. Mit einem Anteil von 88,7 Prozent an den physischen Umsätzen und 66,4 Prozent am Gesamtmarktumsatz stammten 2014 zwei Drittel aller Umsätze im deutschen Musikmarkt allein aus CD- Verkäufen. Das Ende der Compact Disc, von einigen immer wieder vorhergesagt, es ist in Deutschland nicht in Sicht. 

Zweitwichtigstes Format im physischen Bereich bleiben Videos auf DVD, VHS und Blu-ray, die hier im vergangenen Jahr 6,9 Prozent des Umsatzes generierten. Allerdings ist die Nachfrage gegenüber 2013 erneut gesunken: 76 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr mit Musikvideos unter anderem von den Böhsen Onkelz („Nichts ist für die Ewigkeit/Live am Hockenheimring 2014“), Helene Fischer („Farbenspiel“) und den Toten Hosen („Live: Der Krach der Republik“) umgesetzt, das sind 5,2 Prozent weniger als 2013. 

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Abb 3: Umsatzentwicklung digitaler Musikverkäufe1

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Geänderte Darstellung der digitalen Musikverkäufe

Die in jüngerer Zeit neu entflammte Liebe zum Vinyl wiederum war auch 2014 deutlich zu spüren und in Zahlen zu messen – wenn auch der Zuwachs 2014 gegenüber 2013 nicht ganz so rasant ausfiel wie von 2012 auf 2013: 38 Millionen Euro erlöste die gute alte Schallplatte 2014. Ein Plus von 33,4 Prozent. Trotz des großen Umsatzsprungs aber bleibt der Höhenflug der Schall- platte ein relativer: Der Anteil der Vinyl-Verkäufe am physischen Markt lag 2014 bei dreieinhalb, am Gesamtmarkt bei 2,6 Prozent.

Weiter Abschied nehmen heißt es aber für die physische Single und die MC. Konnten mit Singles im vergangenen Jahr immerhin noch sechs Millionen Euro umgesetzt werden – ein Rückgang um „nur“ rund 17 Prozent –, ist die Musikkassette im Markt kaum noch wahrnehmbar. 1963 in Berlin präsentiert, wie auch später die CD, erreichte sie ihren höchsten Umsatz 1991 (524,5 Millionen Euro). 23 Jahre später sind es nur noch eine Million Euro, gegenüber dem Vorjahr 2013 ein Minus von 31,4 Prozent.  


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Abb. 4: Umsatzanteile 2014 aus dem Musikverkauf1 Physisch /Digital

Digital – immer noch nicht überall

Der digitale Markt ist im vergangenen Jahr noch stärker gewachsen als im Jahr davor: Von Januar bis Dezember 2014 legte das Geschäft hier um 13,1 Prozent (2013: +11,7?%) zu und konnte eine Umsatzsumme von insgesamt 371 Millionen Euro verbuchen. Anteil am Gesamtmarkt: 25 Prozent.  

Dabei entwickelte sich die „Mutter des Digitalgeschäfts“, der Downloadbereich, tendenziell rückläufig: Während die Download-Alben mit einem Minus von nur 1,2?Prozent noch recht stabil blieben, gingen die Download-Singles mit 7,4 Prozent deutlich zurück. Dennoch machen Downloads mit 66,6 Prozent noch immer zwei Drittel des Digitalgeschäfts aus.  Nachdem Downloads digitaler Alben 2013 um 4,8 Prozent zugenommen hatten, blieben sie mit einem leichten Rückgang 2014 relativ stabil. Die Single-Downloads dagegen, bereits 2013 mit 4,4 Prozent im Minus, verloren 2014 ein weiteres Mal spürbar. Das zeigt, dass das Album als konzeptionelle musikalische Einheit auch im digitalen Zeitalter noch immer treue Fans hat.

Der Anteil des Musikstreamings über die Audio-Streaming-Plattformen wie Spotify, Napster, Deezer und Co. – in Abbildung 3 in der Kategorie „Streaming Subscription“ zusammengefasst – ist mit 29,1 Prozent zwar (noch) deutlich geringer, dafür aber extrem dynamisch und Motor aller Zuwächse im Digitalgeschäft: Die Umsätze schossen im vergangenen Jahr um 78,6 Prozent nach oben auf eine Umsatzsumme von 108 Millionen Euro.

Zum Wachstum im Digitalbereich haben aber auch die „Sonstigen“ Einnahmen, etwa aus werbefinanzierten Video-Streaming-Services, Cloud-Services und anderen pauschalen Einmalvergütungen, beigetragen, die von acht Millionen Euro in 2013 auf 14 Millionen Euro in 2014 gestiegen sind. 

Aktuell ist der deutsche Markt – im Gegensatz zu anderen Ländern – also weit entfernt von Einschätzungen, die ein Verhältnis von 90 zu 10 zwischen digitalem und physischem Markt prognostizieren – zugunsten des Digitalmarktes. Im Gegenteil: Die GfK-Musikmarkt-Prognose der letzten Jahre musste durch die Ergebnisse der Streaming-Studie, die die GfK im Auftrag des BVMI durchgeführt hat, in diesem Bereich sogar nach unten korrigiert werden. Danach wird für das Jahr 2019 nun ein Streaming-Anteil von 24 Prozent an den Gesamtumsätzen erwartet, das physische Geschäft wird immer noch 61 Prozent beitragen, Download nur noch 14 Prozent (Abb. 6). Die ältere Prognose hatte bereits für 2018 einen Streaming-Anteil von 35,1 Prozent angenommen und den physischen Markt bei nur noch 49,4 Prozent gesehen. Grund für die Korrektur ist zum einen, dass der Untersuchung zufolge viele Hürden zum Eintritt der Maintream- Konsumentinnen und -Konsumenten den Streaming-Markt in  frühestens in drei bis fünf Jahren fallen werden. Zu den Barrieren gehört unter anderem, dass die Mehrheit der Musiknutzenden mit ihrer bisherigen Art und Weise, Musik zu hören, zufrieden ist und an einer neuen Technologie kein Interesse hat. Auch, dass ein Umstieg auf Streaming hieße, neue Programme bedienen und das Verhalten ändern zu müssen, hält viele ab. Mehr zu den Ergebnissen der Studie im Kapitel „Musiknutzung“ ab Seite 28. Zum anderen entwickelt sich der physische Markt in der Prognose stabiler als vorher angenommen und verteidigt damit seinen Marktanteil gegen das wachsende Streaming. Trotz der etwas zögerlichen Entwicklung in Deutschland wird nach Einschätzung der Experten das Streaming aber, hier vor allem die kostenpflichtigen Subscription-Angebote, die weiteren Verluste in den physischen Geschäftsfeldern und im Download-Bereich auffangen und den Markt in den kommenden Jahren annähernd stabil halten.

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Abb 5: Umsatzentwicklung in den Teilmärkten1 Physisch/Downloads2 2013-2014

Pop national wächst

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Abb. 6: GfK-Musikmarktprognose 20141 Gesamtmarkt

Auch wenn Streaming weiter zunimmt: Die Beschreibung der Teilmärkte bezieht sich derzeit nur auf den physischen und den Download-Markt. Aktuell ist es technisch noch nicht möglich, die Streaming-Umsätze nach Teilmärkten oder Genres abzubilden.  

Die positive Entwicklung deutschsprachiger Popmusik spiegelt sich auch in der Umsatzentwicklung der Teilmärkte: Pop National kann bei signifikant wachsendem Gesamtumsatz (+16,6?%) auch mit Blick auf den Download-Anteil aufholen: Waren es 2013 noch 17 Prozent, sind es 2014 nun 21 Prozent. Pop International hat demgegenüber im vergangenen Jahr die größten Verluste hinnehmen müssen (-18,3?%), bei 157 Millionen Euro weniger Gesamtumsatz aber immer noch einen etwas höheren Download- Anteil (24?%) als Pop National. Die Zahlen spiegeln eine Tendenz des deutschen Marktes wider, dass bei den internationalen Acts vermehrt (nur) die Single gewählt wird, während sich die Fans bei deutschen Künstlern häufiger für das CD-Album entscheiden.

Nachdem 2013, getrieben durch die zweihundertsten Geburtstage von Wagner und Verdi, ein besonders starkes Jahr für die Klassik war, hat sie sich 2014 im Gesamtmarkt wieder auf dem Niveau des Vorvorjahres eingependelt. Der Download-Anteil blieb dabei mit fünf Prozent gegenüber 2013 unverändert, was zeigt, dass Klassikhörerinnen und -hörer ihrer Leidenschaft weiterhin primär durch den Kauf physischer Tonträger Ausdruck verleihen, die digitalisierte Nutzung der Klassik also noch immer eher am Anfang steht. Digitalangebote wie die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker und zahlreiche Initiativen, klassische Musik in neue inhaltliche und räumliche Kontexte zu übertragen und so ein Publikum mit größerer Internet-Affinität zu erreichen, tragen jedoch zu einer weiteren Annäherung bei.

Ein deutliches Minus auch bei den TV- Compilations, die gegenüber 2013 im vergangenen Jahr 7,4 Prozent verloren haben, dafür aber den Download-Anteil minimal erhöhen konnten, der nun bei immerhin 15 Prozent liegt. Leichtes Wachstum dagegen bei den Kinderprodukten (+1,8?%) und den durch die Musikfirmen vertriebenen Hörbüchern (+2,7?%). Mit sieben bzw. drei Prozent sind die Download-Anteile hier allerdings weiterhin gering.

Georg Sobbe

Leiter Marktforschung & Entwicklung

 

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sobbe(at)musikindustrie.de