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MusikhandelOnline-Vertriebswege sind auf dem Vormarsch. Amazon überholt Media Markt und ist erfolgreichster Musikhändler. iTunes bleibt bei den Downloadanbietern auch 2010 auf dem ersten Platz. Neue Geschäftsmodelle etablieren sich am Markt. Offline-Käufer nutzen auch das Online-AngebotDie Bedeutung des Internets für den Musikhandel wird auch in Zukunft weiter zunehmen. Nahezu ein Drittel der Konsumenten, die Musik im stationären Handel kaufen, nutzt bereits jetzt parallel die digitalen Angebote oder kauft Musik auf Tonträgern im Netz. Online-Vertriebswege auf dem VormarschAuch wenn die Summe der über den stationären Handel verkauften Produkte die der Online-Vertriebswege bislang noch bei Weitem übersteigt, wächst der Online-Verkauf kontinuierlich und zieht letztendlich – bei tendenziell eher sinkenden Absatzund Umsatzzahlen – Verkäufe vom stationären Handel ab. So ist bei allen anderen Handelsformen – mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels – ein Rückgang der Umsatzanteile zu verzeichnen. StrategiewechselNicht nur die großen stationären Händler, auch der Versandhandel und der Clubmarkt verlieren ihre Kunden an Online-Angebote und stellen als Konsequenz ihre eigenen Geschäftsmodelle zunehmend auf diesen Vertriebsweg um. Amazon überholt Media MarktAmazon schiebt sich 2010 erstmalig an Media Markt und Saturn vorbei und ist damit der erfolgreichste Musikhändler des Jahres. Durch das kombinierte Angebot von CDs und Downloads gelang es Amazon, viele Musikkunden für sich zu gewinnen (Abb. 22). Die neue Nummer eins legte dabei besonders im Alben-Downloadbereich ein preisaggressives Verhalten an den Tag. iTunes bleibt Nummer einsObwohl Amazon auch im Bereich der Download-Musikhändler seit seinem Markteintritt im April 2009 rasante Zuwächse verbuchen konnte, bleibt das Unternehmen im Vergleich der Downloadanbieter hinter dem Platzhirsch iTunes auf Rang zwei. iTunes schaffte es 2010 sogar, als einziger reiner Downloadanbieter in die Top 5 der Musikhändler aufzusteigen. Digitalisierung verändert RahmenbedingungenDie Digitalisierung von Musik verändert die Rahmenbedingungen bei der Auswertung von Musikaufnahmen und bringt, wie jede Neuerung, Vor- und Nachteile mit sich. Zu den Vorteilen gehört sicherlich, dass Musikdateien sich problemlos, schnell und direkt verbreiten lassen, jederzeit verfügbar sind und die Kosten für Lagerung und Vertrieb sowie der manuelle Aufwand zur Verwaltung und Verteilung dank automatisierter Systeme reduziert werden können. Zudem bietet das Internet – im Longtail – bessere Chancen für den Verkauf von Nischenmusik und eröffnet Selbstvermarktungsmöglichkeiten für Künstler, die es in dieser Form zuvor nicht gab (Abb. 23). Leistung muss sich lohnenDie größte Herausforderung klingt wie eine Binsenweisheit: Wenn etwas umsonst verfügbar ist, wird es schwer, Kunden davon zu überzeugen, für das Angebot zu bezahlen. Das gilt in dieser Pauschalität ebenso für legale wie illegale Angebote. Gleichwohl sind die massenhaften illegalen Umsonst-Angebote seit Jahren ein wesentliches Problem für die Etablierung von tragfähigen Paid-Content-Angeboten. Nicht zuletzt macht diese Gemengelage den Markteintritt für neue legale Geschäftsmodelle im Internet, die alle Beteiligten fair an ihren Einnahmen beteiligen wollen, sehr schwer. Verschärfte WettbewerbssituationDarüber hinaus erschweren die Vorzüge des Internets, wie die Schnelligkeit oder die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Inhalten, den Erhalt des Alleinstellungsmerkmals neuer Anbieter: Ein Angebot, das heute noch auf der Höhe der Zeit scheint, wird morgen bereits von anderen Marktteilnehmern überholt, die die Grundidee übernehmen und durch neue Features aufwerten. Die eben gewonnenen Kunden werden so schnell wieder von neuen Anbietern abgeworben. Hieraus resultiert ein hohes Maß an Planungsunsicherheit, das letztendlich in vielen Fällen die Entscheidung über Investitionen verzögert. Hoffnungsträger FreemiumWeltweit schießen regelmäßig neue Services aus dem Boden, mit den verschiedensten Geschäftsideen. Wie groß das Spektrum der Geschäftsmodelle im Musikbereich im Internet ist, zeigt Abbildung 23. Kooperation schafft Mehrwert!Ob ein Hardwareanbieter wie Nokia mit seinem Ovi Music Angebot oder ein Netzbetreiber, ob Mobile, Online, Streamings oder Downloads – Kooperationen mit Musik bieten viele Möglichkeiten. Der von Informa und Spotify im Oktober 2010 herausgegebene Report „Unlocking the Real Value of Music“ zeigt, dass das Abomodell vor allem in Kombination mit einem Netzanbieter erfolgreich sein kann. Vorteile für diesen sind dabei vor allem die emotionale Aufladung der Marke, die Kundenbindung und die Positionierung durch Mehrwerte gegenüber anderen Anbietern. Der digitale Service, ob Streaming oder À-la-carte-Download, profitiert hingegen von der Nutzung der großen Reichweite des Zugangsanbieters. Erfolgreiche Beispiele für derartige Kooperationen sind: in Frankreich Orange / Deezer, in Schweden Telia / Spotify, in Großbritannien Three / Spotify und in den USA Comcast / Rhapsody sowie Sprint / Pandora. Affiliate-Modelle: Einbindung auf Content-SitesBei Affiliate-Modellen werden Einnahmen dadurch generiert, dass ein Shop wie beispielsweise Amazon oder iTunes eine Vermittlungsgebühr an andere Content-Sites zahlt, wenn er von Kunden über eine Empfehlung im redaktionellen Bereich angeklickt wird. Beispiele sind Integrationen in Online-Musikmagazinen wie laut.de oder auf musicline.de. Vielfalt der Online- Musik-ServicesMusikliebhaber können im Netz aus einem breiten Angebot von über 46 digitalen, in Deutschland lizenzierten Musikservices wählen. Das Angebot reicht von sogenannten À-la-carte- Downloads, bei denen der Konsument für einen einzelnen Track bezahlt und sich diesen auf die eigene Festplatte herunterlädt, über werbefinanzierte Streamingservices bis hin zu werbefreien Streaming-Aboangeboten, bei denen der Verbraucher eine monatliche Gebühr zahlt oder – wie im Falle von Ovi Music Store (ehemals Nokia Comes with Music) – eine Bundled Subscription, bei der der Zugangsanbieter die Kosten der Musikflatrate für den Kunden übernimmt, um eine höhere Kundenbindung zu erzielen (Abb. 24). |
![]() Britta Lüerßen ![]() Zum Artikel |