|
UmsatzDer deutsche Musikmarkt schließt das Jahr 2010 mit einem erneuten Rückgang ab. zunehmender Preisdruck auf die gesamte Contentindustrie. Weiterhin schleichender Verlust von Handelsflächen. Trotz empfindlicher Rückgänge bleibt die CD das Rückgrat der deutschen Musikindustrie. Mit physischen Produkten werden noch immer rund 86 Prozent der Gesamtumsätze aus dem Musikverkauf erwirtschaftet. Digitalverkäufe auf dem VormarschDer deutsche Musikmarkt befindet sich auch im Jahr 2010 trotz leichter Rückgänge weiterhin auf Konsolidierungskurs. Laut der offiziellen Statistik des Bundesverbandes Musikindustrie e.?V. (Abb. 1) erreichte der Umsatz aus Musikverkauf und Leistungsschutzrechten (GVL) – exklusive der Einnahmen aus neuen Geschäftsfeldern wie Live, Merchandise, Brand- Partnership, Management Income etc. – im Jahr 2010 ein Umsatzvolumen von 1,669 Mrd. Euro und liegt somit 4,6 Prozent unter dem im Vorjahr erreichten Wert. Diese Entwicklung konnten auch die deutlichen Zuwächse im Bereich der digitalen Verkäufe (+17,5 %) bislang nicht kompensieren. Mit physischen Produkten werden in Deutschland immer noch 86,3 Prozent der Gesamtumsätze aus dem Musikverkauf erwirtschaftet. CD nach wie vor gefragtIm Bereich der physischen Musikmedien (Abb. 2) ist die CD nach wie vor mit einem Anteil von 88 Prozent größter Umsatzbringer (1,131 Mrd. Euro). Der Umsatz mit Musikkassetten hingegen schrumpfte um weitere 30 Prozent: Die Musikkassette wurde folglich, mit einem Marktanteil von weniger als einem Prozent, nach absoluten Umsätzen zum ersten Mal von der Vinyl-Schallplatte überholt. Die Schließung von Pallas, einem der letzten großen Kopierwerke für Musikkassetten, kann als logische Konsequenz dieser Entwicklung gesehen werden. Kontinuierliche Entwicklung bei À-la-carte-DownloadsGewinner im digitalen Markt sind mit einem Umsatzanteil von 44 Prozent die auf den PC heruntergeladenen Bundles (91 Mio. Euro), deren Umsatz im Vergleich zu 2009 in absoluten Zahlen um 37 Prozent zulegte (Abb. 3). An zweiter Stelle stehen die Download-Singletracks (30,2 % Anteil am Digitalmarkt, 61 Mio. Euro), Platz drei belegen Aboangebote wie Napster, Musicload Nonstop oder simfy Premium (7,1 %, 14 Mio. Euro), deren Potenzial allerdings noch längst nicht ausgeschöpft ist. An Weihnachten wird Musik nicht nur verschenktÜber ein Viertel aller Musikverkäufe wird in den Monaten von Oktober bis Dezember getätigt und fällt in das releasestarke Weihnachtsgeschäft (Abb. 4). Entgegen der vermeintlich nahe liegenden Vermutung, die Musik solle als Geschenk an andere unter dem Baum liegen, wird auch ein Teil der Verkäufe nach Weihnachten getätigt und ist für die eigene Musiksammlung bestimmt. Ein weiterer kleiner Peak ist um Ostern zu verzeichnen, mit 8,6 Prozent des Jahresumsatzes. Starker Auftritt deutscher KünstlerUnheilig, Peter Maffay, Lena, Ich + Ich und Andrea Berg – diese überdurchschnittlich erfolgreichen deutschen Stars prägten 2010 die offiziellen deutschen Charts und sorgten dafür, dass physische Produkte aus dem Bereich Pop National mit deutlich geringeren Rückgängen zu kämpfen hatten (-5,4 %) als der Bereich Pop International mit -13,9 Prozent (Abb. 5). Digitales PotenzialAuch wenn für die nahe Zukunft zunächst noch von einem moderaten Rückgang auszugehen ist, wird sich die Investition in neue Geschäftsmodelle und Vertriebswege bald lohnen. Es ist zu erwarten, dass sich das Verhältnis von digitalen und physischen Produkten kontinuierlich zugunsten des Digitalgeschäfts entwickeln wird (Abb. 6). Neue digitale Musikservices bieten Usern die Möglichkeit, Musik auf die Art ihrer Wahl zu konsumieren. Neben der Vielfalt auf der Produktebene, also dem Angebot an guter Musik, ist die Diversifizierung des digitalen Vertriebsweges eine der wesentlichen Chancen. Kontinuierliches WachstumDer Digitalmarkt wird langsam, aber stetig weiterwachsen, voraussichtlich ohne nennenswerte Ausschläge (Abb. 7). In der Prognose wird zum einen davon ausgegangen, dass entscheidende Impulse durch neue, reichweitenstarke Anbieter ausbleiben, und zum anderen davon, dass die gegenwärtige Blockadesituation im Bereich der Lizenzierung durch die GEMA weiter bestehen bleibt. Von einer endlich erfolgenden Tarifeinigung mit der GEMA erhofft sich die Branche – gerade auch mit Blick auf ausländische Erfolge in diesem Bereich – eine weitere Beflügelung des Digitalmarktes sowie eine Tarifklarheit, die neue Dienste dazu animiert, weitere innovative Angebote in Deutschland zu platzieren. Nicht nur die vier GroßenRund zwei Drittel der Gesamtumsätze des Musikverkaufs in Deutschland werden von EMI Music, Sony Music, Universal Music und Warner Music – den vier sogenannten Majorlabels – erwirtschaftet (Abb. 8). Tendenz: steigend – Ausnahmefall: Musik!Die Analyse der Entwicklung der Preisindizes von Kultur- und Medienprodukten zeigt, dass insbesondere die Preise für Musikdownloads seit 2007 rapide gesunken sind (Abb. 9). Maßgeblicher Grund hierfür ist der verstärkte Einsatz von Aktionsangeboten aufseiten der um Kunden werbenden Downloadhändler. Musik ist das einzige Kultur- und Medienprodukt, das nicht von Preiserhöhungen gekennzeichnet ist. Die Kosten für Bücher bleiben offenbar durch die Buchpreisbindung weitestgehend auf gleichem Niveau, bei allen anderen Medien- / Entertainment- / Kulturprodukten sind die Preise seit 2005 deutlich gestiegen. FAQ: Wie viel kriegt der Künstler?Die Frage nach der Verteilung der Erlöse ist stets ein beliebtes Thema, sowohl bei Journalisten als auch bei anderen Musikinteressierten. An dem gemeinsam mit dem VUT (Verband der unabhängigen Musikunternehmen e.V.) erstellten Beispiel eines sogenannten Bandübernahmevertrages soll dies daher noch einmal erläutert werden (Abb. 10), wobei erneut darauf hingewiesen sei, dass es sich um Durchschnittswerte handelt und die individuellen Vereinbarungen – wie in anderen Branchen auch – von den Annahmen abweichen können. |
![]() Britta Lüerßen ![]() Zum Artikel |