StartseiteKontaktNewsletterImpressum

Musikkopien

Die konsequente Verfolgung unrechtmässiger Musikbeschaffung aus dem Internet zeigt Wirkung. Sowohl die Zahl der Downloads wie auch die der Musikdiebe geht langsam zurück. Illegale Downloads und Kopien verursachen aber nach wie vor Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Verfolgung von illegaler Musikbeschaffung zeigt Wirkung

Abbildung 12: Aus dem Internet heruntergeladene Songs 2004 – 2009
Abbildung 13: Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen in Internettauschbörsen

Nach einer Studie von Jupiter Research ist Deutschland das Land mit der niedrigsten Pirateriequote in Europa.

Das zeigt, dass die Verfolgung illegaler Musikbeschaffung im Netz durch konsequentes Vorgehen eingedämmt werden kann.

Nachdem es zunächst fast ausschließlich Musikfirmen waren (Abb. 13), die gegen Privatpersonen wegen Urheberrechtsverletzungen im Internet rechtlich vorgegangen sind, setzen sich immer mehr betroffene Branchen wie die Filmindustrie oder die Buchverlage zur Wehr.

Dadurch– und nach positiven Erfahrungen mit dem Ende 2008 eingeführten zivilrechtlichen Auskunftsanspruch – hat sich nach Einschätzung des Bundesverbandes Musikindustrie e.V. die Zahl der Abmahnungen in Deutschland noch einmal deutlich erhöht und dürfte 2009 für alle Rechteinhaber im unteren sechsstelligen Bereich gelegen haben.

Abbildung 14: Anteile verschiedener Musikquellen¹

Illegale Downloads gehen zurück

Abbildung 15: Personen, die legal / illegal Musik aus dem Internet laden¹ | 2005 – 2009

Dieses Vorgehen zeigt Wirkung. So ging die Zahl der illegalen Musikdownloads aus Tauschbörsen, von Sharehostern oder ftp-Servern laut GfK-Brennerstudie von 316 Mio. Songs in 2008 auf 258 Mio. in 2009 zurück (Abb. 12).

Weil gleichzeitig die Zahl der legalen Online-Verkäufe erneut gestiegen ist, verbessert sich das Verhältnis von gekauften zu illegal heruntergeladenen Songs. Auf einen legal erworbenenkommen aber immer noch rund fünf bis sechs illegale Downloads. Zu dieser Verbesserung hat sicher auch der stetigeAusbau des digitalen Angebotes beigetragen.

In Deutschland kann der Konsument aus über 40 legalen Internetangeboten für Musik wählen.

Warnen statt abmahnen

Obwohl der Versand von Abmahnungen sich als wirksames Mittel zur Eindämmung von illegaler Musikbeschaffung über das Internet erwiesen hat, würde die deutsche Musikindustrie darauf gerne verzichten.

Stattdessen plädiert die Musikindustrie für ein Modell, bei dem die Betroffenen bei Urheberrechtsverletzungen zunächst einen Warnhinweis und so die Möglichkeit erhalten, ihr illegales Handeln ohne rechtliche oder finanzielle Konsequenzen einzustellen.

Damit die Umsetzung eines solchen Modells aber nicht allein zulasten der ohnehin schon geschädigten Musikindustrie geht, ist die Mitarbeit der Internet-Service-Provider gefordert.

Diese zeigen bisher aber keine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und gegen die über ihre Netze begangenen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.

Frankreich übernimmt Vorreiterrolle

Auch der Gesetzgeber zeigt bisher kaum Initiative bei der Umsetzung sinnvoller Alternativen. In unseren Nachbarländern ist man hier schon ein Stück weiter. Nachdem die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen geschaffen wurden, wird in Frankreich zurzeit mit Hochdruck an der Umsetzung eines entsprechenden Modells gearbeitet.

Die ersten Warnhinweise sollen Anfang des Sommers 2010 verschickt werden. Auch außerhalb Europas versuchen immer mehr Länder, diesen Weg zu beschreiten.

Legale Musiknutzung auf dem Vormarsch

Abbildung 15: Personen, die legal / illegal Musik aus dem Internet laden¹ | 2005 – 2009

Das konsequente Vorgehen gegen illegale Angebote und Anbieter sowie der kontinuierliche Ausbau des digitalen Angebotes haben dazu geführt,,dass die Zahl der Personen, die sich aus illegalen Quellen bedienen, seit Beginn der Erhebung stark zurückgegangen ist (Abb. 15).

Waren es im Vorjahr noch 3,74 Mio. Menschen, die in Deutschland Musik illegal aus dem Netz heruntergeladen haben, sank ihre Zahl um 850.000 auf 2,89 Mio.

Seit Beginn der juristischen Verfolgung illegaler Downloads ist die Zahl der Musikdiebe im Netz trotz wachsender Zahl von Breitbandzugängen von 4,43 Mio. (2005) um rund ein Drittel zurückgegangen.

Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Personen, die legal Musik im Internet kaufen, signifikant von 3,03 Mio. auf 5,59 Mio. an.

Illegale Quellen intensiv genutzt

Abbildung 17: Mit Musik bespielte Rohlinge und verkaufte CD-Alben | 2001–20091

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Betrachtung der regelmäßig (mind. einmal im Monat) bzw. am häufigsten genutzten Musikquellen im Netz wider (Abb. 14).

30 Prozent derjenigen, die Musik im Internet nutzen, geben an, dass sie kostenpflichtige Downloadplattformen 2009 am häufigsten genutzt haben. Auf Platz zwei der häufigsten Nutzung (23 %) folgen die kostenfreien Videoportale (You-Tube, Putpat, u.a.).

Rechnet man die in der Regel illegale Musikbeschaffung von Sharehostern, Blogs/Foren, Peerto-Peer, BitTorrent und Newsgroups zusammen, folgen diese mit insgesamt 19 Prozent auf Platz drei.

Festplatten voll mit Musik

Abbildung 18: Wert von Musikpiraterie und Musikkopien zu Endverbraucherpreisen, in Mio. Euro

Das Schadenspotenzial illegaler Downloads lässt sich nicht allein an ihrer Zahl bemessen. Der Bundesverband Musikindustrie geht davon aus, dass ca. 10 bis 20 Prozent der illegal heruntergeladenen Musikstücke sonst gekauft worden wären.

Häufig wird die illegal beschaffte Musik über CDs, MP3-Player, USB-Sticks oder externe Festplatten an Freunde und Bekannte weitergereicht, was den Schaden erheblich potenziert.

Darauf lässt auch die gigantisch angestiegene Zahl von Musikdateien schließen, die auf PCs und Laptops, MP3-Playern und MP3- Handys sowie externen Festplatten gespeichert ist.

Waren es 2005 noch 8,8 Mrd. Musikdateien,hat sich diese Zahl 2009 mit 47,1 Mrd. Dateien fast verfünffacht (Abb. 16).

Die genannten Speichermedien lösen langsam Musikkopien auf CDs oder DVDs ab, deren Menge seit 2006 kontinuierlich rückläufig ist.

 

Auf eine gekaufte CD kommen zwei gebrannte

Insgesamt wurde 2009 das Äquivalentvon 278 Mio. Musikalben auf CD oder DVD gebrannt (Abb. 17). Das ist ein Rückgang um rund ein Viertel oder 92 Mio. Stück. Das Verhältnis von gebrannten zu gekauften CDs liegt damit bei 2:1. In der analogen Welt war das Verhältnis von verkauften LPs zu Kopien auf Musikkassetten mit 1:2 noch umgekehrt.

Gesellschaftlicher Schaden illegaler Musikbeschaffung

Der durch illegale Downloads, physische Piraterie sowie unrechtmäßige Privatkopien (Privatkopien aus illegalen Quellen) entstandene Schade ist schwer zu beziffern. Nach Endverbraucherpreisen hätte die heruntergeladene oder kopierte Musik einen Wert von rund vier Mrd. Euro gehabt (Abb. 18).

Wären nur 10 bis 25 Prozent dieser Musik gekauft worden, läge der Umsatz zwischen 400 Mio. und einer Mrd. Euro. Das trifft nicht nur die Musikfirmen und den Handel. Auch dem Staat entgehen Mehrwertsteuereinnahmen in Höhe von rund 80 bis 200 Mio. Euro.

Britta Lüerßen
Leiterin Marktforschung & Entwicklung

Telefon:
030 59 00 38-21

lueerssen(at)musikindustrie.de

  Zum Artikel