Musikfirmen

Investoren mit Risikobereitschaft: Die Musikfirmen bleiben starke Partner für Kreative. Um Künstlerinnen und Künstlern zum Erfolg zu verhelfen, nehmen sie nach wie vor hohe Risiken auf sich und stecken mehr als ein Viertel ihrer Umsätze in Marketing, A&R und digitale Distribution.

Musikfirmen investieren weltweit pro Jahr 4,5 Milliarden US-Dollar in den Aufbau von Künstlerkarrieren

Auch im digitalen Zeitalter sind die Musikfirmen die zentralen Partner der Künstlerinnen und Künstler. Mag die Digitalisierung die Musikproduktion und ihre Verbreitungswege unendlich vereinfacht und zugleich vervielfacht haben, mögen die sozialen Netzwerke durch die Möglichkeiten der direkten Kontaktaufnahme mit den Fans suggerieren, Werbung und Vermarktung seien mehr oder weniger im Alleingang zu erledigen, und mag das Akquirieren von Gigs nur einen Klick entfernt scheinen – wer professionell Musik machen möchte, kann auch im Jahr 2016 nicht ernsthaft gleichzeitig als Promoter, PR-Redakteur und Booker in eigener Sache tätig sein. Songs zu schreiben und parallel dazu auf YouTube, Twitter oder Instagram & Co. immer mit dem passenden Content präsent zu sein, die Kommunikation mit der jeweiligen Community aktiv zu gestalten, Musikvideos zu entwickeln, zu drehen und zu finanzieren, zu touren – das alles können Künstlerinnen und Künstler nicht allein abdecken. Ohne professionelle Unterstützung stellt sich ein nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg deshalb auch heute in den seltensten Fällen ein, wie etliche Beispiele von „self-made“ Internet-Stars zeigen, die am Ende One-Hit-Wonders geblieben sind. Innerhalb der wachsenden Schar aktiver Musikerinnen und Musiker diejenigen zu erkennen, die das Potenzial haben, auch kommerziell erfolgreich zu sein, und diese entsprechend aufzubauen, setzt hohe Branchenexpertise und Know-how voraus und gehört zu den Kernkompetenzen der Musikfirmen.

Abb. 11: Typisches Investment eines Major-Labels in einen neu unter Vertrag genommenen Künstler
Abb. 12: Umsatzstärkste Musikfirmen in Deutschland 2016 in 2016 in alphabetischer Reihenfolge
Abb. 13: Musikfirmen heute
Abb. 14: Weltweit erfolgreichste Social-Media-Profile und YouTube-Videos

Geld, Know-how, Administration – damit die Kreativen Zeit für die Musik haben

Neben der finanziellen Investition entlasten die Firmen die Künstlerinnen und Künstler im klassischen Sinne der Arbeitsteilung durch die wichtige Währung Zeit. Zeit für ihr oder sein eigentliches Talent: für das Musikmachen. Zeit, die er oder sie nicht mehr aufwenden muss, um sich, zum Beispiel, selbst zu vermarkten. 

 

In Deutschland sind drei Major-Labels – Sony Music, Universal Music und Warner Music (in alphabetischer Reihenfolge) – und zahlreiche Independent-Labels wie Alive, Cargo Records, Edel/Kontor, GoodToGo, H’ART, Indigo, Kiddinx, MCP, Naxos, Soulfood, SPV und tonpool vertreten, die die Kreativen unterstützen, begleiten und ihre Karrieren aufbauen. Neben dem oft hohen monetären Investitionsvolumen bieten sie ihnen dabei all das, worum sie sich nicht selbst kümmern können: umfassendes Know-how in Sachen Lizenzierung, Betriebswirtschaft, Distribution, Musikproduktion, Marketing und Promotion. Und sie sind darüber hinaus kreativer Sparringspartner bei der Produktion der Aufnahmen in ihrer endgültigen Gestalt.

 

Vor allem in den Bereichen digitale Distribution und Onlinemarketing müssen sich dabei auch die Firmen ständig weiterentwickeln, um die sich permanent verändernden und erweiternden technologischen und medialen Möglichkeiten und Plattformen zu beherrschen. Denn für Fanbindung und Markenbildung sind individuell angepasste Marketingkampagnen das A und O, und ein professionell aufgesetztes Social-Media-Management ist unabdingbar für den Erfolg. Hinzu kommt die zeitaufwendige 24/7-Echtzeitkommunikation auf allen Kanälen: Erfolgreiches Social-Media-Management ist ein Vollzeitjob. Aber es zahlt sich am Ende aus: Einige der international bekanntesten Musikerinnen und Musiker besitzen gleichzeitig einige der erfolgreichsten Social-Media-Kanäle. Musicfuels.com, initiiert vom US-amerikanischen Schwesterverband des BVMI, der Recording Industry Association of America (RIAA), zeigt, wie aktiv und einflussreich Musikerinnen und Musiker im digitalen Raum sind. Aktuell (im März 2017) gehören neun der zehn meistaufgerufenen YouTube-Channels, sieben der zehn erfolgreichsten Facebook-Seiten und ebenfalls sieben der zehn meistgefolgten Twitter-Profile Musikerinnen und Musikern wie Katy Perry, Justin Bieber, Taylor Swift, Adele oder Shakira. Das heißt im Umkehrschluss aber noch einmal mehr: Ernsthaftes Commitment in diesem Bereich ist integraler Bestandteil der Künstlerkarriere.  

 

Angesichts der enormen Relevanz der Social-Media-Präsenz spielt dabei auch das Brand-Building eine immer zentralere Rolle. Denn Künstlerinnen und Künstler als attraktive Werbeträger generieren einen Teil ihrer Einkünfte zunehmend durch Kooperationen mit Marken, durch Produktplatzierungen oder die Entwicklung eigener Produkte. Auch hier bieten die Labels Erfahrung und Kontakte für Brand-Partnerships und Kollaborationen und können Künstlerinnen und Künstler ihrem Persönlichkeitsprofil entsprechend beraten und vermitteln.

500.000 bis 2.000.000 US-Dollar: So viel investieren die Musikfirmen in den Markteintritt eines neuen Talents

Die im November 2016 erschienene Neuauflage der IFPI-Studie „Investing in Music. The Value of Record Companies“ hat ermittelt, wie viel Geld die Musikindustrie für den Aufbau von Künstlerinnen und Künstlern ausgibt. Das Ergebnis: Weltweit investiert die Branche pro Jahr 4,5 Milliarden US-Dollar in neue Talente. Insgesamt rund 27 Prozent, also mehr als ein Viertel der Einnahmen aus verkauften Musikaufnahmen, werden in die Entwicklung und Vermarktung neuer Musikerinnen und Musiker investiert. Mit 2,8 Milliarden US-Dollar kommt der größte Teil davon der Entdeckung und dem Aufbau von (vornehmlich lokalen) Talenten (A&R) zugute, ihrer Vermarktung weitere 1,7 Milliarden US-Dollar.

 

Keine andere Branche investiert anteilig so viel in den vergleichbaren Bereich Research & Development, wie das Industrial R&D Investment Scoreboard 2015 der EU zeigt: Demnach kommen nur die Technologiebranche (15,1%) und die Pharmaindustrie (13,3%) auf ähnlich hohe Werte.

 

Neu verpflichtete Künstlerinnen und Künstler machen derzeit gut ein Fünftel (21%) im Roster der Musikfirmen aus. Einer bzw. einem von ihnen in einem der großen Musikmärkte zum Durchbruch zu verhelfen, kostet eine Company im Durchschnitt zwischen 500.000 und 2.000.000 US-Dollar