Musikfirmen

Musikerinnen und Musiker brauchen starke Partner, die in ihre künstlerische Vision investieren. Um ihnen zu einer nachhaltigen Karriere zu verhelfen, setzen Musikfirmen ihre langjährige Expertise auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen ein. Zugleich beweisen sie hohe Risikobereitschaft: Die Branche investiert jährlich etwa ein Viertel ihrer Umsätze in neue Talente und Produkte.

MUSIC COMPANIES: DIE PARTNER AN DER SEITE DER KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER

Von Vinyl bis zur Cloud: Musikfirmen bzw. Labels sind die Enabler der künstlerischen Visionen von Musikerinnen und Musikern. Denn während diese seit geraumer Zeit zwar über unzählige Möglichkeiten verfügen, sich und ihre Musik im Netz zu promoten, ist es angesichts der vielen anderen Musiker für den einzelnen beinahe noch schwieriger geworden, sich im wahrsten Sinne des Wortes Gehör zu verschaffen, wie es beispielsweise das Wall Street Journal beschrieben hat: „Es war noch nie einfacher, große Mengen an Musik zu hören, neue Künstler zu entdecken und seine eigenen Songs zu schreiben, zu veröffentlichen und zu promoten. Aber es gibt einen Nachteil: Es ist schwieriger für Künstler, in der Kakophonie der heutigen globalen Popmusikmaschinerie durchzudringen.“1

 

Auch die vielfältigen Plattformen und Ausspielwege selbst stellen Do-it-yourself-Künstler vor immer neue Herausforderungen. Denn sie funktionieren oft nach ihren eigenen, teils ungeschriebenen Regeln. Anstatt sich aufwändig damit auseinanderzusetzen und sich nach dem trial-and-error-Prinzip einzuarbeiten, wollen sich viele Künstler voll und ganz auf ihre Musik konzentrieren und wünschen sich hierbei Entlastung durch Musikfirmen.

 

Diese verfügen durch eine Vielzahl von jährlichen Releases über wertvolle Informationen darüber, welche Strategie auf einer Plattform funktioniert und welche eher nicht. Durch ihr professionelles Netzwerk haben Musikfirmen außerdem die Möglichkeit, für ihre Künstler Kooperationen mit Marken, sogenannte Brand Partnerships, oder mit anderen Musikern zu arrangieren. Auch das Koppeln von Musik, beispielsweise mit Werbung oder Filmen ("Sync"), spielt noch immer eine große Rolle im Portfolio der Musikfirmen, ebenso die Radiopromotion, um für einen Song Airplay zu erreichen.

 

All das selbst in die Wege zu leiten, ist für eine Künstlerin oder einen Künstler eine Herkulesaufgabe, die allein kaum zu bewältigen ist. Musikfirmen schützen Künstler deshalb davor, sich bei diesen oft sehr zeitintensiven und kleinteiligen Projekten zu verausgaben. Auch deshalb wünschen sich die meisten Künstlerinnen und Künstler für eine professionelle Karriere eine Zusammenarbeit mit Musikfirmen.

 

Deren Kernaufgaben sind auch in digitalen Zeiten in weiten Teilen gleich geblieben. Allerdings bekommen heute bestimmte Aufgaben im Leistungsportfolio der Labels ein anderes Gewicht und stellen die Firmen vor neue Herausforderungen, auch im Hinblick auf die Organisation ihrer Services. So ist es beispielsweise für Künstler essentiell, dass ihre Musik auf den verschiedenen Plattformen mit allen korrekten und relevanten Metadaten versehen wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass Fans die Musik finden und die Künstler die auf den jeweiligen Nutzungsplattformen generierten Einnahmen erhalten.

 

Weltweit haben Musikfirmen inzwischen international über 45 Millionen Songs an einige hundert Onlinedienste lizenziert. Das erfordert nicht nur einen hohen Verwaltungsaufwand, sondern bringt umgekehrt eine große Datenmenge mit sich, die entscheidend sein kann, um der Karriere eines Künstlers den entsprechenden Schub zu verschaffen. Denn über die Auswertung dieser Daten können die musikalischen Vorlieben des Publikums noch genauer analysiert und entsprechend strategisch einbezogen werden. Dies lässt sich beispielsweise unter regionalen Gesichtspunkten für die Planung einer Tour nutzen oder um einem bereits veröffentlichten Song zu noch mehr Erfolg zu verhelfen.

 

Ganz gleich jedoch, für welche Zwecke: Die treffsichere Analyse erfordert erfahrene Fachleute. Egal, ob durch Inhouse-Auswertungen oder durch die Zusammenarbeit mit Startups - ein hohes Investment sowie Risikobereitschaft aufseiten der Musikfirmen ist gefragt. Dabei wendet gerade die Musikindustrie ohnehin bereits einen großen Teil ihrer Einnahmen für die Entdeckung und den Aufbau neuer vielversprechender Künstler auf. Einer aktuellen Untersuchung zufolge haben Musikfirmen selbst in der Zeit, als die Umsätze stark zurückgingen, in neue Talente investiert.2

1 Neil Shah: ‘Didn’t Like That New Album? Another One Is Coming Before You Know It’, The Wall Street Journal, 26. März 2018: “It has never been easier to listen to vast quantities of music, discover new artists, and create, distribute, and promote your own tunes. But there’s a downside: It is harder for artists to break through the cacophony of today’s global pop-music machine.”

2 Larry S. Miller: ‘Same Heart. New Beat. How Record Labels Amplify Talent in the Modern Music Marketplace’, S. 12; online unter http://musonomics.org/modernlabelreport

DIE MUSIKINDUSTRIE INVESTIERT WELTWEIT RUND 4,5 MRD. US-DOLLAR IN DIE TALENTE UND DIE MUSIK VON MORGEN

Jährlich gibt die Musikindustrie weltweit eine Summe von etwa 4,5 Milliarden US-Dollar für die Suche, Entwicklung und das Marketing neuer Künstlerinnen und Künstler aus. Dies entspricht  etwa einem Viertel ihrer Einnahmen aus Musikverkäufen. Von diesen 4,5 Milliarden US-Dollar fließen weltweit rund 1,7 Milliarden US-Dollar in Marketing und Promotion. Noch eine gute Milliarde US-Dollar mehr, insgesamt etwa 2,8 Milliarden US-Dollar, gehen wiederum jährlich in das Talent-Scouting und in den Aufbau neuer Karrieren, die  "Artist & Repertoire"-Arbeit (kurz A&R). Branchenumfragen3 zeigen, dass auch in Zeiten digitaler Kennzahlen Menschen mit entsprechender Expertise unverzichtbar sind, um vielversprechende Musikerinnen und Musiker zu erkennen und zu einer nachhaltigen Karriere zu verhelfen. Die Investitionen in neue Talente sind mit Blick auf ihren Anteil am Branchengesamtumsatz vergleichbar mit den Ausgaben der Pharmaindustrie oder der Technologiebranche für den Bereich „Forschung und Entwicklung“.

 

3 Ebd, S.  6

FÜR DEN DURCHBRUCH VON KÜNSTLERN GEBEN LABELS BIS ZU 2 MIO. US-DOLLAR AUS

Bis ein neu unter Vertrag genommener Künstler auf einem der großen Musikmärkte einem breiten Publikum bekannt ist, sind Investitionen zwischen 500.000 und 2.000.000 US-Dollar nötig. Ein Teil der Kosten entfällt auf professionelle Musikaufnahmen in Zusammenarbeit mit Produzenten und Tonstudios. Im Fall von Nachwuchskünstlern kann dies Ausgaben in Höhe von 150.000 bis 500.000 US-Dollar verursachen. Außerdem erfordert es Zeit, in der sich Künstler auf ihre kreative Arbeit konzentrieren müssen. Daher können sie für die Phase bis zur Veröffentlichung Vorschüsse von durchschnittlich 50.000 und 350.000 US-Dollar erhalten, um sich ganz auf ihre kreative Arbeit zu konzentrieren.

 

Weitere Kosten entstehen dadurch, dass Musikvideos längst fester Bestandteil der heutigen Popkultur sind. Oft sind es gerade sie, die der Botschaft eines Songs noch mehr Ausdruck verleihen, sodass er die Musikfans noch besser erreicht. Auch in dieser Hinsicht unterstützen Musikfirmen ihre Künstlerinnen und Künstler finanziell und inhaltlich. Hinzu kommt der Tour-Support. Das bedeutet, dass Nachwuchskünstler mit bereits bekannten Acts auf Tour gehen können, um auf diese Weise bekannter zu werden. Der größte Teil der Investitionen von Musikfirmen entfällt mit bis zu 700.000 US-Dollar schließlich auf Marketing und Promotion.

ABB. 11: Typisches Investment eines Major-Labels in einen neu unter Vertrag genommenen Künstler

All das bestätigt die Eingangsthese: dass Musikfirmen auch heute entscheidender Partner bei der Verwirklichung der musikalischen Visionen von Künstlern sind. In Deutschland sind es beispielsweise die drei Major-Labels Sony Music, Universal Music und Warner Music (in alphabetischer Reihenfolge) sowie BMG. Hinzu kommen zahlreiche Independent Labels wie Alive, Believe Digital, Cargo Records, Edel/Kontor, Groove Attack, Indigo, Membran, Naxos, Rough Trade, Soulfood, SPV oder tonpool (Abb.12). Damit sie auch weiterhin die Kreativen unterstützen, begleiten und ihnen zu einer nachhaltigen Karriere verhelfen können, sind faire Marktbedingungen notwendig. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass der Kreislauf, durch den immer wieder neue künstlerische Vielfalt hervorgebracht wird, auch in Zukunft funktioniert.

ABB. 12: Umsatzstärkste Musikfirmen in Deutschland 2018 in alphabetischer Reihenfolge
ABB. 13: Musikfirmen heute
ABB. 14: Weltweit erfolgreichste Social-Media-Profile und YouTube-Videos