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Musikkopien

Musikdiebstahl im Internet und die ausufernde Privatkopie bleiben das zentrale Problem der Musikindustrie. Auf einen legalen kommen acht illegale Downloads und auf organisierten Partys werden ganze Festplatten mit mehreren tausend Musikdateien getauscht.

Falsche Signale für Musikdiebe im Internet

Abb 7: Aus dem Internet heruntergeladene Songs 2003–2008

Über Erfolg oder Misserfolg alter wie neuer Geschäftsmodelle entscheidet vor allem die Frage, ob es gelingt, auch in der digitalen Welt ein starkes Urheberrecht zu verankern. Werden nicht bald die Weichen dafür gestellt, dürften alle Anstrengungen der Musikindustrie, mit innovativen Konzepten Kunden anzusprechen und neue Erlösquellen zu erschließen, ins Leere laufen. Ein definitiv falsches Signal war in diesem Zusammenhang die Einführung willkürlicher Bagatellgrenzen durch mehrere Staatsanwaltschaften für die strafrechtliche Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet vom Sommer 2008.

War seit Beginn der juristischen Verfolgung von Musikdiebstahl im Netz die Zahl illegaler Downloads kontinuierlich zurückgegangen, verzeichnet die sogenannte „Brennerstudie“ der GfK 2008 erstmals wieder einen leichten Anstieg der illegalen Downloads. Wurden 2007 noch 312 Millionen Songs illegal aus dem Internet heruntergeladen,waren es 2008 mit rund 316 Millionen etwa vier Millionen mehr. Weil gleichzeitig die Zahl legaler Downloads stärker gestiegen ist, verbessert sich das Verhältnis von gekauft zu illegal etwas. Auf einen bezahlten kommen aber immer noch mehr als acht illegale Downloads (Abb. 10).

Auch die Zahl der Personen, die Songs aus Tauschbörsen beziehen, hat sich erstmals seit 2005 im Vergleich zum Vorjahr wieder erhöht. Deckten 2007 noch 3,35 Millionen Deutsche ihren Musikbedarf aus Tauschbörsen, waren es 2008 mit 3,74 Millionen fast 400.000 Personen mehr. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl derjenigen, die für Musikdownloads bezahlen, von 4,09 auf 4,47 Millionen (Abb. 12).

Abb 8: Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen
Abb 9: Personen, die legal / illegal Musik aus dem Internet laden

Abmahnungen erfolgreich

Trotz des Anstieges bei der illegalen Musikbeschaffung bleibt Deutschland eines der wenigen Länder, in denen es gelungen ist, den Musikdiebstahl im Internet zumindest einzudämmen. So hat sich die Zahl der illegalen Musikdownloads seit Beginn der juristischen Verfolgung in 2004 nahezu halbiert, obwohl sich die Zahl der Personen mit schnellem Internetzugang nahezu vervierfacht hat. Blickt man auf die Zahlen, scheinen Abmahnungen ein wirksames Mittel gegen Internetpiraterie zu sein. Wegen der Blockade der Staatsanwaltschaften ging die Zahl der Zivilverfahren wegen illegaler Musikdownloads leicht von rund 16.000 in 2007 auf 13.500 zurück (Abb. 8).

Seit September 2008 haben Rechteinhaber die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen Internetpiraterie vorzugehen. Weil Politik und Provider in Deutschland sich weigern, den Versand von individualisierten Warnhinweisen als effizientes Mittel zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Netz einzuführen, bleibt der deutschen Musikindustrie keine andere Wahl, als diese
Mittel weiterhin einzusetzen (vgl.auch Vorwort).

Musik füllt Festplatten

Abb 10: Gespeicherte Musik auf Festplatten (PC / Laptop), MP3-Playern und Handys 2005 –2008

Zusammen mit dem Musikdiebstahl im Netz bleibt die ausufernde Privatkopie das zentrale Problem großer und kleiner Labels. Allerdings verschiebt sich das Problem zunehmend von selbst gebrannten CDs oder DVDs auf andere Speichermedien. So lagerten in 2008 auf deutschen Festplatten, MP3-Playern und Musikhandys 26,2 Milliarden Musikdateien, teils legaler, teils illegaler Herkunft – eine nahezu unvorstellbare Zahl! Gegenüber dem Vorjahr, als es noch 19,6 Milliarden waren, ist das ein Anstieg um 33,7 Prozent.

Der Löwenanteil ist mit 20,8 Milliarden auf Festplatten zu finden, die auch schon einmal auf organisierten Partys getauscht werden. Niemand wird bestreiten, dass der Gesetzgeber das wohl nicht im Sinn hatte, als er in den 60er Jahren die Schranken der Privatkopie einführte. Weitere 4,7 Milliarden Musikstücke sind auf MP3- Playern zu finden. Immer beliebter werden auch die Musikhandys. 2008 waren auf ihnen 700.000 Musikdateien gespeichert. Mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (Abb. 10).

„Brennen“ bleibt Volkssport

Abb 11: Mit Musik bespielte Rohlinge und verkaufte CD-Alben I 2001–20081

Auch wenn die Zahl selbst gebrannter CDs und DVDs mit Musik in den vergangenen Jahren zugunsten anderer Speichermedien leicht zurückgegangen ist, kommen auf eine verkaufte CD immer noch 2,5 Kopien. Zu Zeiten der LP war das Verhältnis von verkauften Alben zu Kopien auf Kassette mit 1:2 noch umgekehrt. Insgesamt wurde 2008 das Äquivalent von 370 Millionen Musikalben auf CD oder DVD gebrannt. Das ist ein Rückgang von 10,2 Prozent. Die Herstellung von Musikkopien ist nach wie vor einer der wichtigsten Gründe für das Brennen von CDs oder DVDs. Jeder dritte Deutsche ab zehn Jahren brennt Musik, entweder für den Eigengebrauch, für andere oder zum Verschenken. Auf CDs bleibt Musik mit einem Anteil von 51 Prozent der mit Abstand meist gebrannte Inhalt (Abb. 11).

Massive Umsatzverluste durch Kopien

Der Umsatzverlust durch Musikdiebstahl im Internet sowie Privat- und Raubkopien lässt sich nur schwer beziffern. Ohne Berücksichtigung der auf Festplatten und MP3-Playern gespeicherten Musikstücke hätten legale und illegale Musikkopien nach Endverbraucherpreisen einen Wert von über 5,3 Milliarden Euro gehabt. Wären nur 10-20 Prozent dieser Musik gekauft worden, läge der entgangene Umsatz zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro (Abb. 12).

Rückgang bei der Beschäftigung

Der Umsatzrückgang der Branche hinterlässt weiter Spuren bei den Arbeitsplätzen. Bei den Labels ging die Zahl der Beschäftigten von 8.650 in 2007 auf 8.400 in 2008 um fast drei Prozent zurück. Auch der Groß- und Einzelhandel mit Musik hat weiter Stellen abgebaut. Mit 17.000 Beschäftigten sank die Zahl der Arbeitnehmer ebenfalls um rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Abb. 13).

Abb 12: Wert von Musikpiraterie und Musikkopien
Abb 13: Anzahl der Beschäftigten in der Phonowirtschaft