Über Erfolg oder Misserfolg alter wie neuer Geschäftsmodelle entscheidet vor allem die Frage, ob es gelingt, auch in der digitalen Welt ein starkes Urheberrecht zu verankern. Werden nicht bald die Weichen dafür gestellt, dürften alle Anstrengungen der Musikindustrie, mit innovativen Konzepten Kunden anzusprechen und neue Erlösquellen zu erschließen, ins Leere laufen. Ein definitiv falsches Signal war in diesem Zusammenhang die Einführung willkürlicher Bagatellgrenzen durch mehrere Staatsanwaltschaften für die strafrechtliche Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet vom Sommer 2008.
War seit Beginn der juristischen Verfolgung von Musikdiebstahl im Netz die Zahl illegaler Downloads kontinuierlich zurückgegangen, verzeichnet die sogenannte „Brennerstudie“ der GfK 2008 erstmals wieder einen leichten Anstieg der illegalen Downloads. Wurden 2007 noch 312 Millionen Songs illegal aus dem Internet heruntergeladen,waren es 2008 mit rund 316 Millionen etwa vier Millionen mehr. Weil gleichzeitig die Zahl legaler Downloads stärker gestiegen ist, verbessert sich das Verhältnis von gekauft zu illegal etwas. Auf einen bezahlten kommen aber immer noch mehr als acht illegale Downloads (Abb. 10).
Auch die Zahl der Personen, die Songs aus Tauschbörsen beziehen, hat sich erstmals seit 2005 im Vergleich zum Vorjahr wieder erhöht. Deckten 2007 noch 3,35 Millionen Deutsche ihren Musikbedarf aus Tauschbörsen, waren es 2008 mit 3,74 Millionen fast 400.000 Personen mehr. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl derjenigen, die für Musikdownloads bezahlen, von 4,09 auf 4,47 Millionen (Abb. 12).