Musiknutzung

Terrestrisches Radio bleibt Spitzenreiter bei den Nutzungsmedien, aber Video-, Premium- und kostenloses Streaming steigen erheblich in der Gunst der Nutzerinnnen und Nutzer und gewinnen zusammen mehr als 10 Prozentpunkte dazu. Für Jugendliche zählt „Musik hören“ der JIM 2016 zufolge zu den drei wichtigsten Freizeitbeschäftigungen.

Radio bleibt Spitzenreiter, aber Streaming legt deutlich zu

Gegenüber 2015 hat Streaming deutlich an Nutzungszeit hinzugewonnen. Kamen Video-Streaming, Premium-Audio-Streaming und kostenloses, also werbefinanziertes Audio-Streaming 2015 zusammen noch auf 19,9 Prozent, nahmen sie 2016 insgesamt beachtliche 30,2 Prozent der mit Musikgenuss gefüllten Zeit ein – ein Sprung um 10,3 Prozentpunkte. Streaming – wenn auch nur in Summe mit Video-Streaming – landet nun erstmals in der jährlichen onlinerepräsentativen Umfrage des Bundesverbandes Musikindustrie vor dem terrestrischen Radio. Letzteres liegt für sich genommen aber dennoch weiterhin an der Spitze mit 27 Prozent Anteil an der Nutzungszeit im Jahr 2016.

Abb. 15: Hörgewohnheiten in Deutschland Musiknutzung in den letzten 7 Tagen

Auf Platz 2 (mit einem Anteil von 19,4 %) folgen wie 2015 die digitalen Musikdateien (also MP3, abgespielt zum Beispiel auf PC, Laptop, Mobiltelefon, Tablet oder MP3-Player). Platz 3 (17,2 %) belegen die physischen Trägermedien, die gegenüber 2015 sogar zugelegt haben (+1,9 Prozentpunkte). Erst danach kommt auf Platz 4 (13,5 %) mit den Video-Streams die erste Streaming-Kategorie. Sie verzeichnen gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 3,2 Prozentpunkten. Platz 5 im Ranking (8,8 %) belegt das werbefinanzierte Audio-Streaming, das ebenfalls einen deutlichen Sprung nach oben macht (+3,6 Prozentpunkte). Und die im Bereich Streaming für die Industrie wichtige Kategorie der Premium-Audio-Abonnements gewinnt ebenfalls von 4,4 auf 7,9 Prozent klar hinzu (+3,5 Prozentpunkte). Premium-Streaming kommt damit auf Platz 6 vor dem Online-Radio (6,3 %). Rechnet man terrestrisches und Online-Radio zusammen, ist Radio mit 33,3 Prozent der Zeit weiterhin das wichtigste Musikmedium der Deutschen.

 

Die Anfang März 2017 von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e. V. (agma) veröffentlichte ma 2017 Radio I, die die Reichweiten von 100 einzeln ausgewiesenen Hörfunksendern und 102 Vermarktungskombinationen auswertet, kommt zu dem Ergebnis, Radio werde in Deutschland auf unverändert hohem Niveau genutzt: Werktags hörten 78,1 Prozent beziehungsweise rund 56,6 Millionen Personen der deutschsprachigen Bevölkerung Radio. Die Hörerinnen und Hörer blieben ihrem Medium mehr als 4 Stunden am Tag treu: Mit 241 Minuten Verweildauer liegt die Nutzungszeit praktisch auf Vorjahrjahresniveau (243 Minuten). Auch die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen liegt auf diesem hohen Niveau (237 Minuten). Die Verweildauer schließt allerdings neben Musik auch alle anderen Inhalte ein. Die agma stellt fest: „Die insgesamt stabile Nutzung auf hohem Niveau unterstreicht die Bedeutung des Radios quer durch die Bevölkerung, auch in jungen Zielgruppen.“

 

Seit März 2014 wertet die agma auch die Webradio-Nutzung aus. In diesen ersten vier gemessenen Jahren hat sich die Zahl der ausgewiesenen Channels laut der aktuellen Studie ma IP Audio I von 153 auf 634 Channels mehr als vervierfacht. Die Angebote werden laut agma mehr als 250 Millionen Mal im Monat genutzt und kommen im Monatsdurchschnitt zusammen auf 229,9 Millionen Hörstunden. Dieser Wert ist der Studie zufolge gegenüber dem letzten Messquartal (200,2 Mio. Hörstunden) sogar um 15 Prozent gestiegen.

 

Nach der JIM 2016, der Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland, nutzt auch in der jungen Zielgruppe jede und jeder Zweite täglich das Radio, und dies vor allem über ein Autoradio (75 %) oder ein UKW-Radiogerät (52 %). (Mehr zu den Ergebnissen der JIM 2016 siehe unten.)

Abb. 16: Hörgewohnheiten in Deutschland Reichweiten in der Bevölkerung

"Musik hören“ – Eine der drei wichtigsten Beschäftigungen für Jugendliche

Die aktuelle JIM-Studie, die sich mit der Mediennutzung Jugendlicher beschäftigt, hat in diesem Jahr erstmals explizit nach dem „Musik hören“ gefragt , unabhängig vom Nutzungsweg. Das Ergebnis: „Musik hören“ gehört mit 82 Prozent klar zu den täglichen Lieblingsbeschäftigungen Jugendlicher – nur überboten vom „Handy“ (92 %) und vom „Internet“ (87 %). Mit Blick auf die wöchentliche Nutzung landet die Musik mit insgesamt 93 Prozent sogar auf Platz 2, da „Handy“ und „Internet“ hier mit jeweils 96 Prozent gleichauf liegen.

 

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest, der die JIM 2016 herausgegeben hat, weist auf die zentrale Bedeutung von Musik „in der Lebenswelt von 12- bis 19-Jährigen“ hin: „Musikhören dient der Stimmungsregulierung und ist Ausdruck der Persönlichkeitsentwicklung. Die Präferenz verschiedener Stile und Musikgenres bestimmt über Zugehörigkeiten zu unterschiedlichen Subkulturen und Jugendbewegungen. Während noch vor einigen Jahren die eigene CD-Sammlung die präferierte Musik beherbergte, ist Musik inzwischen immer und überall verfügbar und der Entdeckung neuer Bands und Titel im Internet sind kaum Grenzen gesetzt. Betrachtet man die Wege, über die 12- bis 19-Jährige regelmäßig Musik hören, dann steht interessanterweise auch im Jahr 2016 noch das Radio an erster Stelle, 65 Prozent hören mindestens mehrmals pro Woche live bei Radiosendern Musik. Gut jeder Zweite (55 %) nutzt regelmäßig Musik bei YouTube, 44 Prozent hören über Streaming-Dienste […]. Zwei von fünf Jugendlichen (39 %) nutzen mindestens mehrmals pro Woche Musik auf Trägermedien wie MP3-Dateien, CDs […]. Bei der täglichen Musik-Nutzung steht wieder das Radio an erster Stelle, allerdings rangieren dann Streaming-Dienste knapp vor You Tube und den Speichermedien MP3/CD/Kassette.“ Dabei gibt es leichte geschlechtsspezifische Unterschiede: Während für Mädchen das Radio (69 zu 61 %) und klassische Tonträger (42 % zu 38 %) eine größere Rolle spielen als für Jungen, hören Jungen mehr als Mädchen über YouTube Musik (57 % zu 53 %) und haben auch eine höhere Affinität zu Musik-Streaming-Diensten (47 % zu 39 %).

 

Auch bei der Messung der Reichweiten (Abb. 16) ist das terrestrische Radio von der Pole-Position ins Jahr 2017 gestartet: 80 Prozent der an der Umfrage des Bundesverbandes Musikindustrie teilnehmenden Personen gaben an, mindestens 1 Stunde pro Woche Musik über einen terrestrischen Sender gehört zu haben. Das Ranking der anderen Nutzungswege ist gegenüber dem Vorjahr ebenso unverändert. Allerdings gleichen sich die Anteile durch leichte Rückgänge bei der Nutzung des terrestrischen Radios, bei digitalen Musikdateien und physischen Tonträgern auf der einen Seite und wachsende Anteile gestreamter Musik auf der anderen Seite – Video-Streaming, Online-Radio, kostenloses Audio-Streaming und Premium-Audio-Streaming – zunehmend an.

 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass in diesem Umfeld sicher spannende Verschiebungen rund um die Aufmerksamkeit der Musikhörerinnen und -hörer möglich sind.