Musiknutzung

Weiterhin ganz vorne bei der Musiknutzung: das terrestrische Radio, das stabil bei 27 Prozent liegt. Online-Radio hat zugelegt. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen nutzt LAUT JIM-STUDIE Musikstreaming.

 

Die Musiknutzung über das terrestrische Radio ist im vergangenen Jahr stabil geblieben: Wie im Jahr zuvor hörten Bundesbürgerinnen und -bürger Musik auch 2017 vor allem über diesen Weg (27 %, Abb. 15) –  unbeeindruckt von den Entwicklungen der übrigen Nutzungsmedien. 

 

Erst wenn man alle Streaming-Arten zusammenfasst – werbefinanziertes Streaming, Premium Audio-Streaming sowie Video-Streaming –, ergibt sich für das Streaming insgesamt ein höherer Nutzungsanteil (28,4 %), wie aus der jährlichen onlinerepräsentativen Umfrage des Bundesverbandes Musikindustrie hervorgeht. Dieser Anteil ist jedoch etwas geringer als im Vorjahr (−1,8 Prozentpunkte). Demgegenüber ist das Online-Radio (Online-Radios sowie sonstige kostenlose Audio-Streaming-Plattformen wie zum Beispiel Last.FM oder radio.de) gewachsen. Mittlerweile entfällt rund jede zehnte Minute, in der Musik gehört wird, auf Web-Radios (10,3 %). Auf eine Stunde Musikhören umgerechnet läuft also rund sechs Minuten das Online-Radio. Im Jahr zuvor waren es umgerechnet knapp 4 Minuten. Insgesamt betrachtet liegt Online-Radio 2017 auf dem drittletzten Platz im Ranking der Musiknutzungswege.

Abb. 15: Hörgewohnheiten in Deutschland Musiknutzung in den letzten 7 Tagen

WICHTIGSTES MUSIKMEDIUM DER DEUTSCHEN NOCH IMMER DAS RADIO MP3-FILES WERDEN NACH WIE VOR OFT GEHÖRT

Digitale Musikdateien rangieren bei der Übersicht über die Hörgewohnheiten auf dem zweiten Platz (Abb. 15). Hierbei handelt es sich um MP3-Files, die zum Beispiel auf Computern, Smartphones oder MP3-Playern abgespielt werden. Der Umsatz mit Downloads ist zwar stark zurückgegangen (siehe Kapitel „Umsatz“), sie werden jedoch nach wie vor oft gehört. Nur so ist zu erklären, dass ihr Anteil an der Musiknutzung zwar leicht rückläufig ist, doch noch immer bei 18,2 Prozent (2016: 19,4 %) liegt. Ein Rückgang in ähnlicher Größenordnung ist bei der Nutzung von physischen Tonträgern (16,1 %) festzustellen (−1,1 Prozentpunkte), die den dritten Platz einnehmen. In Bezug auf die Rangliste der Nutzungsanteile hat sich damit gegenüber 2016 nichts verändert, nur das Online-Radio hat zwei Plätze gutgemacht. 

 

„Wie viele Menschen haben in den vergangenen sieben Tagen auf eine bestimmte Weise Musik gehört?“ Diese Frage zielt auf die Reichweite (Abb. 16). Wie im Vorjahr nahm auch hier das terrestrische Radio hier den Spitzenplatz ein, 82 % der Befragten gaben an, im Laufe einer Woche mindestens eine Stunde über dieses Medium Musik gehört zu haben. Die größte Veränderung ergab sich hier interessanterweise bei digitalen Musikdateien, deren Reichweite sich um 4 Prozentpunkte verbesserte. Die Reichweite des Online-Radios dagegen war mit 40 Prozent 2016 und 2017 identisch. Alle anderen Nutzungswege verzeichneten nur leichte Verschiebungen.

Abb. 16: Hörgewohnheiten in Deutschland Reichweiten in der Bevölkerung

Die nach wie vor große Bedeutung des Radios belegt auch die ma Radio 2017 II der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. (agma), die dem Medium ein „konstant hohes Reichweiten-Niveau“ bescheinigt. Die Methodik der Untersuchung wurde allerdings verändert, erstmals wurden Kinder unter 14 Jahren nicht mehr zu ihrer Radionutzung befragt; insofern sind Vergleiche zum Vorjahr nur bedingt möglich. Fakt ist aber, dass aktuell werktags 78,3 % der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahre mindestens 15 Minuten Radio am Stück hören. Das bedeutet rund 55 Millionen Hörerinnen und Hörer. Statistisch gesehen lassen diese das Radio täglich vier Stunden und fünf Minuten (245 Minuten) eingeschaltet. In der werberelevanten Zielgruppe bis 49 Jahre ist diese sogenannte Verweildauer mit 231 Minuten um rund eine Viertelstunde kürzer. Darin enthalten sind allerdings neben Musik auch alle Wortinhalte von Radiosendern. „Radio zählt nach wie vor bei acht von zehn Personen als täglicher medialer Begleiter“, fasst die agma zusammen.1 

 

1 Pressemitteilung der agma vom 4. Juli 2017, www.agma-mmc.de. Die ma 2017 Radio II dokumentiert auf Basis von 67.398 Interviews die Reichweiten der Radiosender sowie der Vermarktungskombinationen für die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren. Die ma Radio ermittelt die Radionutzung für alle Sender und alle Verbreitungswege (UKW, DAB+, Internet). 2 Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung der agma: „Ein Vergleich zur ma 2017 Radio I ist daher nur auf Basis 14 Jahre und älter zulässig.“ 

„Musikhören“ eine der drei wichtigsten Beschäftigungen für JUGENDLICHE LAUT DER AKTUELLEN JIM-STUDIE

Aus den Daten der agma sowie aus der JIM-Studie 20173 geht jedoch gleichzeitig hervor, dass die Livenutzung von Radiosendern bei Jugendlichen leicht zurückgegangen ist. Für Musik schalten die 12- bis 19-Jährigen am liebsten das Radio ein. 60 % von ihnen tun dies sogar mehrmals pro Woche. „Lediglich einer von zehn Jugendlichen hört nie Radio“, heißt es in der JIM-Studie. Dennoch ist die Zahl laut JIM-Studie im Vergleich zum vergangenen Jahr gesunken, als noch fast zwei Drittel (65 %) täglich oder mehrmals wöchentlich Radio hörten.

 

Als Besonderheit des Jahres 2017 heben die JIM-Autoren die App „Musical.ly“ hervor: „Die Videos […], sogenannte ‚Musical.lys‘, werden von einem Zehntel der 12- bis 19-jährigen Internetnutzer regelmäßig, also mindestens mehrmals pro Woche, angesehen, fünf Prozent nutzen Musical.ly täglich.“ 

 

Leicht zurückgegangen ist bei Jugendlichen auch die Nutzung von MP3 und physischen Tonträgern, und zwar von 39 auf 37 Prozent. Dafür greifen sie im Vergleich zum Vorjahr häufiger auf YouTube zurück: Waren es 2016 noch 55 Prozent, lag die Zahl im vergangenen Jahr bei 59 Prozent, eine Steigerung um 4 Prozentpunkte. Damit rangiert YouTube in der Gunst von Jugendlichen nur 1 Prozentpunkt hinter dem Radio. 

 

Noch dynamischer als YouTube entwickelte sich allerdings das Musikstreaming: Der Zuwachs gegenüber den Vorjahr fiel hier mit 8 Prozentpunkten doppelt so hoch aus wie bei YouTube: Mit 52 Prozent hört der JIM-Studie zufolge jetzt mehr als jeder zweite Jugendliche Musik über diesen Weg. 

 

YouTube und Musikstreaming werden jedoch erst mit zunehmendem Alter für die Jugendlichen relevant: Ab dem Alter von 14 bis 15 Jahren steigt die Nutzung bei beiden Kanälen sprunghaft an. Bei Musikstreaming erfolgt ein Lebensjahr später erneut ein Nutzungsschub. Die Autoren der JIM-Studie 2017 vermuten, dass ein Faktor hierbei das Taschengeld ist. 

 

Bei der sogenannten Medienbeschäftigung in der Freizeit ist Musikhören für Jugendliche fast genauso wichtig wie die Nutzung des Internets und ihres Smartphones: 95 Prozent von ihnen hören mehrmals pro Woche Musik, während sich 97 Prozent mit dem Web und ihrem Smartphone beschäftigen.