Musiknutzung

Global ist On-demand-Streaming die erste Wahl  beim Musikhören, in Deutschland liegt noch immer das Radio vorne. 16- bis 24-Jährige stellen hier die Gruppe mit der anteilig höchsten Premium-Streaming-Nutzung.

Die Musiknutzung verändert sich rasant. Das wissen und spüren die Künstlerinnen und Künstler, die Musikfirmen, die Fans. Der „Music Consumer Insight Report“ 1 des BVMI- Dachverbands IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) untersucht einmal im Jahr das Nutzungsverhalten in den weltweit wichtigsten Recorded- Märkten. 2018 sind Menschen in insgesamt 18 Ländern2 befragt worden.

Der Studie zufolge hören die Menschen in diesen Ländern im Durchschnitt 17,8 Stunden pro Woche Musik. Obwohl das Audio-Streaming in fast allen der untersuchten Märkte auf dem Vormarsch ist – 86 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer hören Musik über Audio- oder Video-Streaming-Dienste –, bleibt das Radio stabil: Ebenso viele der Befragten, also 86 Prozent, geben an, Musik über das Radio zu hören. Deutschland liegt hier mit 93 Prozent über dem globalen Durchschnitt, was BVMI-eigene Untersuchungen der Vergangenheit bestätigen. Überrundet wird Deutschland hier nur von Polen und Südafrika (jeweils 94 %) und gefolgt von Frankreich (92 %) und den USA (91 %). In absoluter Zeit ausgedrückt entfallen weltweit 4,4 Stunden pro Woche auf Musikkonsum über das Radio.

 

1 Music Consumer Insight Report 2018, London, IFPI (durchgeführt von AudienceNet im Auftrag der IFPI)

2 Ebd. Die Untersuchung wurde innerhalb einer demografisch repräsentativen Stichprobe der Onlinebevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren in den folgenden 18 Ländern durchgeführt: Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Niederlande, Polen, Russland, Schweden, Spanien, Südafrika, Südkorea, UK und USA. Für jedes Land wurde eine jeweils repräsentative Quotenstichprobe von 1.000 bis 2.000 Befragten in Übereinstimmung mit der jeweiligen Größe der Onlinebevölkerung und der demografischen Struktur entsprechend dem jüngsten Zensus zusammengestellt.

YouTube-Nutzung und Premium-Audio-Streaming in Deutschland gleichauf

Hinsichtlich der Formate und Kanäle, auf die sich die mit dem Genuss von Musik verbrachten Stunden verteilen (Abb. 15), ergibt die IFPI-Studie für Deutschland folgendes Bild einer typischen Woche: Das Radio liegt mit einem Zeitanteil von 43 Prozent klar vorne, wobei dies sowohl terrestrisches Radio als auch die Onlinenutzung von Radioprogrammen umfasst. Platz 2 nehmen mit deutlichem Abstand gekaufte Tonträger ein (17 %). Auf Platz 3 folgt der Musikkonsum über YouTube (12,1 %). Erst auf Platz 4 finden sich mit 11,9 Prozent Premium-(also Bezahl-)Abos der Audio-Streaming-Dienste, mit einigem Abstand folgen die werbefinanzierten Audio-Streaming-Angebote (4,6 %). Platz 6 belegen mit jeweils 3,5 Prozent zu gleichen Teilen „sonstige“ Nutzungsformen (z. B. Musik auf dem USB-Stick von Freunden, über einen Dropbox-Link o. Ä.) und Online-Piraterie. Zu Piraterie zählt hier auch Streamripping, das in vielen anderen Ländern illegal ist, während es sich in Deutschland noch immer in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Allerdings tendiert auch die deutsche Rechtsprechung zunehmend dazu, das Rippen, bei dem Musikstreams in downloadbare MP3-Dateien umgewandelt werden, als rechtswidrig und unlizenziert einzustufen. So haben Gerichte in jüngster Zeit bestätigt, dass Streamripper nicht nur die Vervielfältigungsrechte, sondern auch das Recht der öffentlichen Wiedergabe verletzen.

Bei Betrachtung der nur über die Audio- oder Video-Streaming konsumierten Zeit zeigt sich, dass in Deutschland YouTube (42 % Zeitanteil) knapp vor dem Premium-Audio- Streaming (41 %) liegt. Weitere 16 Prozent der Zeit entfallen auf kostenloses Audio-Streaming, andere Video-Streaming- Angebote machen 2 Prozent aus. Im Durchschnitt aller untersuchten 18 Märkte übersteigt der Anteil der Video- Streaming-Dienste an der On-demand-Nutzung mit 52 Prozent sogar den Anteil des Audio-Streamings; YouTube allein kommt hier auf 47 Prozent, Premium-Audio-Streaming auf 28 Prozent, kostenloses werbefinanziertes Audio-Streaming auf 20 Prozent.

ABB. 15: Hörgewohnheiten in Deutschland in einer typischen Woche

Musikangebot auf YouTube für 35 Prozent der Nutzer weltweit einer der Hauptgründe, kein kostenpflichtiges Audio-Streaming-Abo abzuschließen

Dass sich YouTube trotz dieses immens hohen Anteils an der Musiknutzung via Streaming als rein technischer Dienstleister darstellen und Lizenzzahlungen umgehen kann, wird unter dem Stichwort „Value Gap“ von der Branche seit Jahren kritisiert. Es sind zwar zunächst die Nutzerinnen und Nutzer, die die Inhalte hochladen, doch sobald sich der Inhalt auf der Plattform befindet, wird er von YouTube kuratiert und mit Werbung versehen, sodass mit ihm zum Teil erhebliche Erlöse erzielt werden. Trotzdem zahlt die Plattform der Branche nur einen Bruchteil dessen, was durch Spotify und andere Dienste eingenommen wird, die reguläre Lizenzen erwerben. So trug das gesamte Video-Streaming in Deutschland nur 2,4 Prozent zum Umsatz bei, Audio-Streaming dagegen 47 Prozent (vgl. Kapitel „Umsatz“). Eine Ausbalancierung zugunsten der lizenzierten Audio-Streaming-Angebote durch ein verändertes Nutzungsverhalten ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten: Laut der IFPI-Studie ist das auf YouTube verfügbare Musikangebot für 35 Prozent der Befragten einer der Hauptgründe, weshalb kein kostenpflichtiges Audio- Streaming-Abo abgeschlossen wird.

Premium-Streaming-Nutzung bei 16- bis 24-Jährigen mit Abstand am höchsten

In den verschiedenen Nutzergenerationen haben die Formate wenig überraschend sehr unterschiedliche Zeitanteile am Musikkonsum (Abb. 16). Während das Radio bei der jüngsten Gruppe, den 16- bis 24-Jährigen, mit 15 Prozent am seltensten genutzt wird, ist es bei den 55- bis 64-Jährigen mit 60 Prozent das wichtigste Medium.  

Einen ähnlichen Stellenwert hat das Radio mit 56 Prozent bei der zweitältesten Gruppe (45- bis 54-Jährige). Bei den Jüngsten wiederum spielt Streaming die größte Rolle – hier übertrifft das Premium-Streaming mit einem Zeitanteil am Premium-Streaming von 27 Prozent deutlich sowohl YouTube (20 %) als auch das kostenlose Audio- Streaming (9 %). Die Jüngsten haben zugleich unter allen Altersgruppen den höchsten Anteil an Premium-Streamern überhaupt – es folgen auf Platz 2 die 25- bis 34-Jährigen mit einem Premium-Anteil von 19 Prozent. Mit zunehmendem Alter der Befragten nimmt die Premium-Nutzung wie die Streaming-Nutzung insgesamt deutlich ab.

Nicht nur für die Musikwirtschaft, sondern auch für benachbarte Branchen ist es eine positive Perspektive, dass die Jüngeren nicht primär über Video-Streaming-Angebote wie YouTube konsumieren, sondern über Premium-aAngebote der Audio-Streaming-Dienste. Das zeigt, dass sie von deren Angeboten in ihren Nutzungswelten abgeholt werden – und dass sie ein klares Verständnis für den Wert kreativer Inhalte haben.

ABB. 16: Hörgewohnheiten in Deutschland Prozentuale Anteile des Musikhörens in einer typischen Woche nach Geschlecht und Alter

Zentrale Ergebnisse des IFPI-MUSIC CONSUMER INSIGHT REPORT 2018 zur weltweiten Musiknutzung

Der mit 66 Prozent der Befragten am häufigsten genannte Ort, an dem Musik gehört wird,
ist das Auto. Deutschland liegt hier mit 77 Prozent deutlich über dem Durchschnitt nach Südafrika (80 %)
und vor den USA (75 %).

Streaming ist praktisch allgegenwärtig: 86 Prozent der weltweit Befragten hören
Musik über On-demand-Dienste. Die Jugendlichen der Welt sind die aktivsten Streamer,
57 Prozent der 16- bis 24-Jährigen nutzen hierbei sogar kostenpflichtige Audio-Streaming-Dienste,
in Deutschland sind es sogar 61 Prozent.

User-Upload-Dienste dominieren weiterhin die On-demand-Nutzung:
Fast die Hälfte der Zeit, in der Musik gestreamt wird, wird auf YouTube verbracht.

Urheberrechtsverletzungen bleiben ein erhebliches Problem: Mehr als ein Drittel (38 %)
der Verbraucher beziehen Musik auf rechtsverletzenden Wegen, wobei die vorherrschende Methode (32 %)
hier das Streamripping ist. Deutschland liegt mit 21 Prozent bei den Urheberrechtsverletzungen
unter dem globalen Durchschnitt.

Quelle: IFPI-Music Consumer Insight Report 2018