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24.11.2009

Messe ohne Message


Gorny, Messe ohne Message

Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender BVMI

Lieber Olaf Kretschmar,

herzlichen Dank für Ihr Angebot zum Dialog, dem wir uns natürlich nicht verschließen werden. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass Sie in ihrem offenen Brief das Wort Berlin das eine oder andere Mal durch das Wort Deutschland ersetzt hätten. Denn genau darin lag die Kraft der popkomm, die sich schon vom Namen her nicht regional begrenzt hat, sondern als Musikmarke den Anspruch formuliert, eine Veranstaltung für die gesamte Branche zu sein. In Deutschland und darüber hinaus.

Politisch gesehen ist die Ausrufung der Berlin Music Week intelligent, in dem ein Dach geschaffen wird, unter dem sich angesichts unterschiedlicher Interessen und Meinungen die verschiedenen Akteure nun in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz zusammenraufen können. Der popkomm hat man damit einen Bärendienst erwiesen, in dem die Veranstaltung nun auf das reduziert wird, was sie nie sein wollte und sollte: eine Messe ohne Message.

Das Berliner Kreativpotential ist unbestritten. Die Stadt bietet den idealen Nährboden für kreative Höchstleistung. Gerade deshalb und wegen der unmittelbaren Nähe zur Bundespolitik, hätte hier getreu dem Motto „Think global – act local“ die Chance bestanden, von Beginn an mit allen relevanten Playern der Branche ein Konzept zu entwickeln, was weit über die Grenzen der Hauptstadt hinausgeht. Dieses ist uns, entgegen anderslautender Beteuerungen des Senats, aber bis heute nicht bekannt.

Sie haben Recht. Musik wird nicht von Verbänden, Verwaltungen oder Netzwerken gemacht. Aber gerade in einer kleinteiligen Branche wie der Musikwirtschaft, kommt diesen Strukturen eine wesentliche Bedeutung zu. Sie bündeln Interessen und versuchen aus dem vielstimmigen Gezwitscher der Branche einheitliche Botschaften und Forderungen zu formulieren und durchzusetzen. Letztlich versuchen sie Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Firmen und Kreative möglichst ungestört ihrer Arbeit nachgehen können.

Gerade angesichts der großen Herausforderungen und tektonischen Verschiebungen der Musikbranche haben Veranstaltungen wie die popkomm dabei eine zentrale Funktion. Sie können Kristallisationspunkt für das Interesse von Medien und Politik sein. Können Branchenpartner ebenso anlocken wie Verbraucher. Aber seien wir ehrlich. Um hier zu punkten brauchen wir nicht nur die Independent-Clubs, sondern auch die große Bühne, das Rednerpult, das Podium. Dabei ist es nicht ganz unwichtig wer unten zuhört oder mitdiskutiert. Und 50.000 Menschen bei einem zentralen Live-Event erzeugen mehr Aufmerksamkeit als 50 mal 1.000 Besucher bei dezentralen Veranstaltungen

Wenn wir als Branche mit den neuen großen Mitspielern im Musikgeschäft – den iTunes, Googles, MySpaces oder Telekoms dieser Welt – auf Augenhöhe mitreden wollen, dann können wir das nicht im Schneidersitz tun. Wir müssen begreifen, dass die Zukunft der Musikwirtschaft ebenso vom kreativen Potential der Kleinen wie von der ökonomischen Kraft der Großen abhängig ist. Nur wenn es gelingt, diesen Ansatz im Konzept einer Veranstaltung – egal ob sie nun popkomm oder Berlins Music Week heißt – zum Ausdruck zu bringen, kann diese national oder sogar international an Relevanz gewinnen. Als viertgrößter Musikmarkt der Welt, sollte das unser Anspruch sein.

Will Berlin diesem Anspruch gerecht werden, dann muss es die entsprechenden personellen, finanziellen und strukturellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Dies ist aus unserer Sicht bis heute nicht erkennbar, aber wir lassen uns gerne vom Gegenteil überzeugen und sind dann auch bereit, uns einzubringen. Am Ende würden davon alle profitieren. Die deutsche Musikwirtschaft in ihrer ganzen Vielfalt auf der einen wie der Musikstandort Berlin und seine Protagonisten auf der anderen Seite. 

 

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Gorny



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