Repertoire & Charts

Bleibende Popularitätswerte von Produktionen „Made in Germany“: 19 der Top-25-Alben stammen von deutschsprachigen Künstlerinnen und Künstlern. Meistverkauftes Album ist „Stärker als die Zeit“ von Udo Lindenberg, verkaufsstärkste Single ist „Faded“ von Alan Walker.

Abb. 23: Umsatzanteile der einzelnen Repertoiresegmente am Gesamtumsatz im Jahr 2016

Stärker als die Zeit: Die Offiziellen Deutschen Charts

Auch 2016 setzte sich der Erfolgskurs deutschsprachiger Musik bzw. Musik heimischer Künstlerinnen und Künstler fort. Allerdings ist hier zu sehen, was sich auch im Umsatz und im Absatz niederschlägt: Nachdem es 2013 und 2014 zwei Jahre in Folge 7 deutschsprachige Alben und 2015 sogar 8 unter die Top 10 der Longplay-Charts geschafft hatten, setzt sich der Höhenflug hiesiger Künstlerinnen und Künstler nun auf leicht niedrigerem Niveau fort. 2016 waren 6 der Top-10- und 19 der Top-25-Alben deutschsprachig. In den Top-100-Jahrescharts blieb der Anteil nationaler Longplay-Produktionen mit 68,7 Prozent – und damit in der Breite – jedoch unverändert hoch.

 

Auf Platz 1 landete Panik-Rocker Udo Lindenberg mit dem Album „Stärker als die Zeit“, Vorjahressiegerin Helene Fischer kam mit „Weihnachten“ erneut unter die Top 10 auf Platz 4 – hinter ihrer Kollegin Andrea Berg („Seelenbeben“) und hinter den Rock-Urgesteinen Metallica („Hardwired…To Self-Destruct“). Unter die besten 10 schafften es darüber hinaus unter anderem Sarah Connor mit „Muttersprache“ und AnnenMayKantereit („Alles Nix Konkretes“).

 

Demgegenüber werden die Offiziellen Deutschen Single-Charts traditionell von internationalen Titeln dominiert. 2016 war diese Tendenz sogar noch ausgeprägter. Fanden sich 2015 noch 46,8 Prozent nationale Produktionen unter den Top-100-Singles, waren es 2016 nur 36,7 Prozent. Wie im Vorjahr schaffte es aber auch in diesem Jahr ein deutschsprachiger Song in die Top 10: „Die immer lacht“ von Stereo Act feat. Kerstin Ott landete auf Platz 2 hinter Spitzenreiter Alan Walker mit „Faded“. In den Top-100-Single-Charts finden sich insgesamt 18 deutschsprachige Titel. Dass es zunehmend mehr internationale Künstlerinnen und Künstler im offiziellen Single-Ranking gibt, ist möglicherweise auch eine Folge des Playlistings, denn in den global abrufbaren kuratierten Vorschlägen der Streaming-Dienste ist englischsprachige Musik als weltweit gelernte Sprache der Popkultur mehr Hörerinnen und Hörern vermittelbar. 

Abb. 24: Anteile nationaler und internationaler Produktionen an den Top 100 Single- und Longplay-Charts 2016

Rock, Hip-Hop, Dance und Kinderprodukte legen zu, Hip-Hop jetzt nach Pop und Rock auf Platz 3

Die Veränderungen der Repertoire-Anteile sind jeweils relativ geringfügig, sowohl nach oben als auch nach unten. Den im Vergleich größten Sprung machte das Meta-Genre Rock mit einem Plus von 1,7 Prozentpunkten auf 21,9 Prozent Marktanteil am Jahresende, womit sich der Abstand zum traditionellen Spitzenreiter, dem zweiten Meta-Genre Pop, wieder etwas verringert hat. Das Gap zwischen beiden wird zusätzlich verkleinert durch ein leichtes Minus von 0,9 Prozentpunkten im Bereich Pop; dennoch bleibt Pop weiter klar das umsatzstärkste Genre (25,9%). Das zweithöchste Wachstum mit einem Plus von 1,4 Prozentpunkten gab es bei den Kinderprodukten, gefolgt vom Hip-Hop, der mit einem Plus von 1,2 Prozentpunkten seinen Erfolgskurs weiter fortsetzen und seinen bisherigen Umsatzrekord von 2015 (8,6 %) noch einmal übertreffen konnte. Hip-Hop stand damit im vergangenen Jahr für fast ein Zehntel (9,8 %) des Gesamtumsatzes und belegt Platz 3 im Genre-Ranking nach Pop und Rock, gefolgt von den Kinderprodukten, die für einen Umsatzanteil von 8,6 Prozent stehen. Unter die Top 5 schaffte es 2016 zum zweiten Mal auch das Trend-Genre Dance (+0,4 Prozentpunkte in 2016), das seinen Anteil am Gesamtumsatz innerhalb der letzten drei Jahre damit von 4 auf jetzt 7 Prozent ausbauen konnte.

 

Beinahe unverändert sieht es im Jazz (2,1%), bei der Volksmusik (1,8%) und bei den Hörbüchern (3,6 %) aus. Vergleichsweise deutlich zurückgegangen ist dagegen der Deutsch Pop, der durch ein Minus von 1,2 Prozentpunkten auf nur noch 4,9 Prozent Umsatzanteil kommt, nachdem er in den vergangenen drei Jahren immer bei 6 Prozent oder darüber gelegen hatte. Auch Schlager (–0,8 Prozentpunkte) und Klassik (–0,7 Prozentpunkte) verlieren, wenn auch nicht so stark wie der Deutsch Pop.

Internationale Dance-Titel dominieren die Streaming-Charts

Wie in den Single-Charts sind auch in den Offiziellen Deutschen Streaming-Jahrescharts verhältnismäßig wenige deutsche Songs zu finden. Die Top-Platzierungen ergatterten internationale Dance-Titel. Wie in den Single-Charts liegt „Faded“ von Alan Walker auf Platz 1, gefolgt von „One Dance“ von Drake feat. Wizkid & Kyla und „Cheap Thrills“ von Sia feat. Sean Paul. Der Viral-Hit „Panda“ von Desiigner landete auf Platz 12. Insgesamt befinden sich nur 16 deutsch(sprachig)e Songs unter den Top 100, bestplatziert mit Platz 33 sind „Die immer lacht“ von Stereoact feat. Kerstin Ott und „Palmen aus Plastik“ von Bonez MC & RAF Camora auf Platz 35. Die unter dem Strich erfolgreichsten deutschen Titel in den Streaming-Charts kommen von den Deutsch-Rappern: 7 der 16 Titel sind diesem Genre zuzuordnen, allein 3 stammen aus dem Album „Palmen aus Plastik“ von Bonez MC & RAF Camora, das in den Offiziellen Deutschen Album-Jahres-Charts 2016 wiederum Platz 12 belegt.

Airplay-Charts

Auch die Airplay-Charts orientieren sich augenscheinlich mehr an den Single- und Streaming- als an den Album-Charts. So sind 9 der Top-10-Airplay-Titel in den Top 25 der Single-Charts vertreten; entsprechend sind sie eher von internationalem Repertoire geprägt. Deutschsprachig unter den ersten 10 ist allein Mark Forsters „Wir sind groß“ (Platz 8), gefolgt von „80 Millionen“ von Max Giesinger, der sich immerhin Platz 13 sichern konnte. Insgesamt stammen 17 der Top-100-Songs von deutschen Künstlerinnen und Künstlern, 10 davon sind deutschsprachig.  

 

Ein Grund für die großen Unterschiede bei den Platzierungen deutschsprachiger Musik in den Single-, Streaming- und Album-Charts liegt in der Unterschiedlichkeit der Käufer- bzw. Nutzergruppen. Werden Alben vor allem auf CDs verkauft, die wiederum primär von 40- bis 59-Jährigen gekauft werden, sind etwa die Streaming-Nutzerinnen und -Nutzer deutlich jünger und neigen eher zu Genres wie Dance und Hip-Hop. Dass im Radio wiederum vergleichsweise wenig deutsche und deutschsprachige Titel laufen, ist angesichts ihrer seit Jahren wachsenden Popularität allerdings schwer nachvollziehbar. Hier bleibt der klare Appell an die Radios, sich mehr nationales Repertoire zutrauen.

Meilenstein der Chartgeschichte: Audio-Streaming wird in die Offiziellen Deutschen Album-Charts integriert

Nach dem Rebranding 2015 hat am 5. Februar 2016 ein weiteres neues Kapitel in der deutschen Chartgeschichte begonnen: Seit diesem Tag ist Audio-Streaming Teil der Offiziellen Deutschen Album-Charts, die im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) von GfK Entertainment ermittelt werden. Seitdem fließen nicht nur Verkäufe physischer Tonträger und Downloads, sondern auch über 30-sekündige Streams aus bezahlten Premiumangeboten in die Wertung ein. Nach der gelungenen Integration in die Single-Charts im Januar 2014 zählt Streaming seit Februar 2016 für beide Top-100-Hitlisten. Die ersten Album-Charts nach den neuen Regularien bezogen sich auf den Verkaufszeitraum 29. Januar bis 4. Februar 2016.

 

Die Integration von Streaming ist ein folgerichtiger Schritt, denn die deutschen Musikfans hören Musik auf buchstäblich allen Kanälen und in jeder möglichen Form – von der Schallplatte bis zur Datenwolke, vom einzelnen Song bis zum Album. Diese vielfältige Nutzung müssen die Offiziellen Deutschen Charts als zentraler Spiegel für Musikerfolge auch abbilden, um den Markt zuverlässig und in seiner Gesamtheit darzustellen. Nicht zuletzt auch mit Blick darauf, das Streaming seit Jahren kräftig wächst und inzwischen in Deutschland fast ein Viertel der Umsätze ausmacht – und damit gemessen an den Umsätzen das zweistärkste Format im deutschen Musikmarkt ist.

 

Streaming hat den Durchbruch im Musikmarkt dauerhaft geschafft und erreichte am Jahresende 2016 einen neuen Rekord, wie eine Sonderauswertung von GfK Entertainment und BVMI ergab: Mit 160 Millionen Streams war der 24. Dezember 2016 der „meistgestreamte“ Tag aller Zeiten. An zweiter Stelle folgte der 31. Dezember mit 154 Millionen Abrufen. Beide Tage übertrafen deutlich dem Durchschnittswert, der im Dezember 2016 bei rund 117 Millionen Streams pro Tag lag. Mit „All I Want For Christmas Is You“ von Mariah Carey verzeichnete darüber hinaus in Deutschland erstmals ein Song mehr als 1 Million Streams am Tag (insgesamt 1,17 Million).

 

Angesichts dieser Zahlen ist die Streaming-Einbindung in die Offiziellen Deutschen Album-Charts die logische Konsequenz. 

 

Die Offiziellen Deutschen Single- und Album-Charts sind das zentrale Erfolgsbarometer für Industrie, Medien und Musikfans. Sie sind wertebasiert und orientieren sich am erzielten Umsatz eines Produkts und nicht allein an der Anzahl der Verkäufe. Basis der wöchentlichen Hitlisten sind dabei die Umsätze mit physischen Tonträgern, Downloads und Premium-Streams. Für die Offiziellen Deutschen Streaming-Charts jedoch, die seit Mai 2012 ermittelt werden, zählen im Gegensatz zu den Album- und Single-Charts neben den Premium- auch werbefinanzierte Streams.

 

Neben den Offiziellen Deutschen Single- und Album-Charts werden Musik-Streams seit Februar 2016 auch für folgende Rankings herangezogen: Compilation-Charts, Hip-Hop-Charts, Schlager-Charts, Comedy-Charts, Klassik-Charts und Jazz-Charts.

 

Folgende Streaming-Anbieter senden ihre Daten an GfK Entertainment: Apple Music, Amazon Music Unlimited, Deezer, Google Play Music, Juke, Microsoft Groove, Napster, Qobuz, Spotify und WiMP/Tidal.

Charts

Top 25 Single Charts 2016
Top 25 Longplay Charts 2016
Top 25 Streaming Charts 2016
Top 25 Airplay Charts 2016