Repertoire & Charts

Deutschsprachige Alben stehen weiterhin oben in der Gunst der hiesigen Fans: 7 der Top-10-Longplayer stammen von heimischen Künstlerinnen und Künstlern, meistverkauftes Album 2017 IST „HELENE FISCHER“. 
Bei Singles, Streaming und im Radio dominieren internationale Titel.

Abb. 23: Umsatzanteile der einzelnen Repertoiresegmente am Gesamtumsatz im Jahr 2017

Musik mit deutschen Texten war hierzulande auch im vergangenen Jahr besonders populär: Von den zehn erfolgreichsten Alben 2017 sind sieben deutschsprachig. Damit bleibt die Begeisterung für Musik „Made in Germany“ knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von 2015 (8 Alben). Blickt man auf die Top 100 der Offiziellen Deutschen Album-Charts, ist der Anteil nationaler Longplay-Produktionen 2017 mit 68,5 Prozent (Abb. 24) beinahe identisch geblieben.

 

Spitzenreiterin 2017 war „Helene Fischer“, gefolgt von Ed Sheeran mit „÷“. Platz 3 belegen Die Toten Hosen („Laune der Natur“) und Platz 4 Kollegah & Farid Bang („Jung Brutal Gutaussehend 3“). Auf Platz 5 hat es die Kelly Family mit „We Got Love“ geschafft. Die Plätze 6, 7, 8 und 9 gehen noch einmal an deutschsprachige Musik: „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert, Vol. 4“, Peter Maffay („MTV Unplugged“), Santiano („Im Auge des Sturms“) und Rammstein („Rammstein: Paris“). Auf Platz 10 liegt Depeche Mode mit „Spirit“.

 

In den Single-Charts haben dagegen wie bereits in der Vergangenheit auch 2017 wieder internationale Produktionen dominiert: Ihr Anteil von etwa 60 Prozent steht in der Top-100-Jahreswertung einem Charts-Anteil nationaler Single-Produktionen von rund 40 Prozent gegenüber (Abb. 24). Damit hat sich die Erfolgsquote in Deutschland produzierter Singles im Vergleich zum letzten Jahr um 3 Prozent verbessert. Denn nachdem das Verhältnis im Jahr 2015 vergleichsweise ausgeglichen war, entfielen auf hiesige Produktionen 2016 nur etwas mehr als ein Drittel (36,7 %) der Single-Charts-Anteile. 

 

Unter die Top-10-Singles kam allerdings auch im vergangenen Jahr wieder nur ein deutscher Künstler: Bausa mit „Was du Liebe nennst“ landete auf Platz 8. Die ersten beiden Plätze belegten „Shape of you“ von Ed Sheeran und „Despacito“ von Luis Fonsi feat. Daddy Yankee.

STREAMING-CHARTS: WENN DEUTSCH, DANN MEIST ALS RAP

Auch in den Streaming-Charts sind internationale Künstler stark vertreten, sie machten 2017 insgesamt rund drei Viertel aller Songs in der Jahreswertung aus. Die meistgestreamten Titel waren „Shape of you“ von Ed Sheeran und „Despacito“ von Luis Fonsi feat. Daddy Yankee, was sich mit den Single-Charts deckt. Auf Platz 3 landete „Unforgettable“ von French Montana feat. Swae Lee. Als deutsch-sprachige Titel schafften es nur „Was du Liebe nennst“ von Bausa und „Ohne mein Team“ von Bonez MC & RAF Camora feat. Maxwell in die Top 10 der Streaming- Jahrescharts. Insgesamt waren 22 der 100 meistgestreamten Titel deutschsprachig. Die überwiegende Mehrheit stammt – wie bereits im vergangenen Jahr – von Deutsch-Rappern. 

Abb. 24: Anteile nationaler und internationaler Produktionen an den Top 100 Single- und Longplay-Charts 2017

Dass deutschsprachige Musik in den Album-Charts die Spitzenplätze einnimmt, bei Singles und Streaming hingegen internationale Titel das Rennen machen, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil am unterschiedlichen Kauf- und Nutzungsverhalten der jeweiligen Altersgruppen. Denn während Alben auf CD vor allem von den über 40-Jährigen gekauft werden, entscheiden sich für das Audio-Streaming vor allem junge Hörerinnen und Hörer, deren musikalische Vorlieben derzeit insbesondere in dem von internationalen Künstlern geprägten Genre „Dance“ liegen (siehe auch Kapitel „Musikkäufer“). Dies spiegelt sich in den jeweiligen Charts entsprechend wider. Es offenbart zugleich die Herausforderung im Streaming-Umfeld, das sogenannte Domestic Repertoire auch hier erfolgreich an die Fans zu bringen.

AIRPLAY-CHARTS: ERFOLGREICHE SINGLES LAUFEN AUCH IM RADIO

Die Single- und Streaming-Charts spiegeln sich stark im Hörfunk wider. Sieben der zehn meistgespielten Songs im Radio waren im vergangenen Jahr auch unter den 25 erfolgreichsten Singles zu finden. Daher dominierten einmal mehr auch im Radio internationale Titel. Immerhin sind mit „Hot2Touch“ (Felix Jaehn, Hight & Alex Aiono) und „Little Hollywood“ (Alle Farben feat. Janieck) gleich zwei deutsche DJs auf den Rängen 9 und 10 zu finden. Der erfolgreichste deutschsprachige Interpret der Airplay-Charts findet sich jedoch erst auf Platz 20, es ist Mark Forster mit „Sowieso“, auf Platz 37 folgt Adel Tawils „Ist da jemand“. 

 

Die große Beliebtheit deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler zeigen Jahr für Jahr die Album-Charts. Daher bleibt die Hoffnung, dass die Musikplaner im Hörfunk häufiger auch Domestic Repertoire eine Chance geben. Ein wichtiges neues Argument insbesondere an die Adresse der öffentlich-rechtlichen Sender ist in diesem Zusammenhang das Playlisting: Die zunehmende Zahl internationaler Künstlerinnen und Künstler im offiziellen Single-Ranking hängt wohl auch mit den global abrufbaren kuratierten Vorschlägen der Streaming-Dienste zusammen. Denn weltweit ist englischsprachige Musik die gelernte Sprache der Popkultur und deshalb mehr Hörerinnen und Hörern vermittelbar. 

 

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind hier aufgefordert, ihrer sich letztlich aus dem Kulturauftrag ergebenden Aufgabe nachzukommen, Flächen zu bieten und zu schaffen, die den Hörerinnen und Hörern, Zuschauerinnen und Zuschauern auch Domestic Repertoire vorstellen und nahebringen.

POP IST ERFOLGREICHSTES GENRE, AUCH HIP-HOP LEGT DEUTLICH ZU, ROCK UND DANCE WENIGER NACHGEFRAGT

Schaut man sich die musikalischen Genres und ihren Anteil am Gesamtumsatz an, liegt Pop mit 28 Prozent noch deutlicher vorne als im Vorjahr (25,9 %). Zweitstärkstes Repertoire-Segment mit 19,8 Prozent ist Rock einschließlich der Subgenres Metal und Punk. Auf Platz 3 folgt Hip-Hop, der seinen Marktanteil gegenüber dem Vorjahr um fast 3 Prozentpunkte ausbauen konnte und inzwischen insgesamt 12,6 Prozent des Branchenumsatzes ausmacht. Damit verzeichnete Hip-Hop das dritte Jahr in Folge einen deutlichen Sprung nach oben. Ein leichtes Plus erzielten außerdem Kinderprodukte, die mittlerweile für fast jeden zehnten mit Musik umgesetzten Euro verantwortlich sind (+1,2 Prozentpunkte).  

 

In gleicher Höhe (−1,2 Prozentpunkte) gingen die Umsätze im Deutsch Pop zurück, der auf 3,7 Prozent Marktanteil kommt. Ebenfalls rückläufig waren die Umsätze im Bereich Dance, die im vergangenen Jahr auf 6,4 Prozent kamen (−0,6 Prozentpunkte). Rückgänge gab es ebenfalls bei Hörbüchern (−0,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent), Jazz (−0,3 Prozentpunkte auf 1,8 Prozent) sowie Volksmusik (−0,5 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent). Ebenso sank der Umsatzanteil der Klassik ein weiteres Jahr in Folge auf nun 3,1 Prozent. 

OFFIZIELLE DEUTSCHE CHARTS: SEIT 40 JAHREN ZENTRALES ERFOLGSBAROMETER

40 Jahre Offizielle Deutsche Charts: 2017 feiert eine Musikinstanz Jubiläum

 

Die Offiziellen Deutschen Charts, im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie ermittelt von GfK Entertainment, zeigen Woche für Woche, welche Musik in Deutschland am beliebtesten ist. Sie sind das zentrale Erfolgsbarometer einer gesamten Branche, und es gibt wohl keinen Künstler und keinen Musikfan, der nicht in irgendeiner Form mit den bewährten Top-100-Listen in Berührung kommt. 

 

Am 29. August 2017 sind sie 40 Jahre alt geworden – ein Grund zum Feiern und Zurückblicken auf vier Jahrzehnte voller großartiger Interpreten, spannender Entwicklungen und unglaublicher Rekorde.

  

Das Jahr 1977 markiert einen Meilenstein in der deutschen Musikgeschichte – nicht nur, weil Kultalben wie David Bowies Berlin-Werk „Heroes“ oder „Trans Europa Express“ von Kraftwerk erscheinen. Sondern auch, weil die deutschen Charts ab dem 29. August im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie ermittelt werden und dadurch ihren offiziellen Stempel bekommen. Nach und nach entsteht ein statistisch valides, für das gesamte Land repräsentatives und vor allem aussagekräftiges Bild des Musikmarktes. Da die Erhebung und Verarbeitung der Daten auf einer deutlich erhöhten Qualitätsstufe erfolgt, gewinnen die Rankings, die unter anderer Flagge bis 1977 von der Fachzeitschrift „Musikmarkt“ erstellt wurden, schnell an Bedeutung. 

 

Allererste Nummer 1 ist der Song „Space“ der französischen Gruppe Magic Fly. Im Laufe der folgenden 40 Jahre werden ihm fast 18.000 unterschiedliche Singles ins Ranking folgen, von denen rund 500 die Spitze erobern. Zunächst umfassen die Single-Charts noch 50 Positionen; 1980 werden sie auf 75 Plätze, 1989 schließlich auf 100 Plätze erweitert. Seit 1992 erscheinen auch die Album-Charts in einer Top-100-Liste. Sogenannte Compilations, also Zusammenstellungen von Titeln unterschiedlicher Interpreten, werden seit 1992 in einer eigenständigen Tabelle erfasst, die 30 Ränge umfasst.

 

Wie sehr sich der Musikmarkt seit 1977 gewandelt hat, zeigt ein Blick auf die Charts-Anpassungen der 2000er- und 2010er-Jahre. Waren in den ersten beiden Charts-Jahrzehnten noch Plattenläden sowie Kauf- und Warenhäuser die Hauptdatenlieferanten, kamen sukzessive unter anderem Elektronikmärkte, Nebenmärkte und seit 2001 auch E-Commerce-Anbieter hinzu. Mit dem Durchbruch von MP3-Playern wurde Musik endgültig digital und beförderte Downloads ab 2004 in die Top 100. Der vorerst letzte Schritt dieser Anpassungen war die Integration von Musik- Streams ab 2014 (Single-Charts) bzw. 2016 (Album-Charts). Mittlerweile senden über 2.800 Verkaufsstellen ihre Daten, sodass eine repräsentative Marktabdeckung von mehr als 90 Prozent gewährleistet ist.

 

(Text: GfK Entertainment)