Repertoire

So viele deutsche Künstler wie noch nie in den Charts: Acht der Top 10-Alben sind nationale Produktionen. Erfolgreichstes Album ist „Weihnachten“ von Helene Fischer, erfolgreichste Single „Cheerleader (Felix Jaehn Remix)“ von OMI. Rock und Pop bleiben die umsatzstärksten Genres, Hip-Hop und Dance legen deutlich zu. Im Radio kommt der Aufwärtstrend für deutsche Acts hingegen nur langsam an.

Nationales Repertoire noch populärer als im Vorjahr

Die Nachfrage nach in Deutschland produzierter sowie nach deutschsprachiger Musik reißt nicht ab: Waren in den neunziger Jahren nur etwa zwanzig Prozent einheimischer Produktionen in den Charts vertreten, sind 2015 acht der Top 10-Alben in den Offiziellen Deutschen Jahrescharts deutschsprachig. In den Top 100-Jahrescharts stammen insgesamt 69 Prozent der Produktionen von nationalen Künstlern, 60 Prozent der Alben sind tatsächlich auch deutschsprachig. Den ersten Platz belegt dabei erneut Helene Fischer, dieses Mal mit „Weihnachten“ – und das, obwohl das Album bis zum Jahresende 2015 erst vier Wochen auf dem Markt war. Damit ist die deutsche Schlagersängerin das dritte Jahr in Folge die umsatzstärkste Künstlerin in Deutschland. Auf dem zweiten Platz folgt das international gefeierte Album „25“ von Adele vor Sarah Connor, die mit ihrem ersten deutschsprachigen Album „Muttersprache“ auf Platz drei liegt. Mit der Single-Auskopplung „Wie schön du bist“ landete Connor außerdem ihren ersten Top 10-Hit seit sechs Jahren. Besonders der deutsche Hip-Hop konnte die Erfolge der letzten Jahre ausbauen: Jedes fünfte Album in der kumulierten Jahresauswertung der Top 25 ist ein Deutschrap-Album.

Pop, Hip-Hop und Dance legen zu

Das umsatzstärkste Genre in Deutschland ist nach wie vor Pop. Die Kategorie Pop umfasst hier sämtliche englisch- oder anderssprachige Popmusik, die aber auch von deutschen Künstlern kommen kann. Pop (26,8 Prozent) und Deutsch Pop (6,2 Prozent) generieren zusammengenommen 33 Prozent des Gesamtumsatzes. Im Vergleich zum Vorjahr konnte Pop dabei in 2015 wieder ein leichtes Wachstum von 1,3 Prozent verzeichnen, Deutsch Pop blieb stabil (-?0,4 Prozent). Rock musste einen leichten Rückgang hinnehmen (-1,6 Prozent), folgt aber nach wie vor dicht hinter Pop als zweitbeliebtestes Genre, gemeinsam stellen sie den Löwenanteil des Gesamtumsatzes.

Hip-Hop war 2015 so erfolgreich wie nie: Mit 8,6 Prozent baute das Genre seinen Anteil am Gesamtumsatz weiter aus und erreichte noch dazu einen nie dagewesenen Spitzenwert seit Beginn der Erfassung in 2005. Leider nicht an das Vorjahresniveau anknüpfen konnte die Klassik, die mit 4,6 Prozent einen neuen Tiefstwert verzeichnet. Jazz (2,3 Prozent) hingegen wuchs leicht, ebenso die Kinderprodukte, die zum Jahresende bei 6,8 Prozent lagen. 

Abb. 24: Umsatzanteile der einzelnen Repertoiresegmente am Gesamtumsatz im Jahr 2015
Abb. 25: Anteile nationaler und internationaler Produktionen

Auch Dance behauptete sich 2015 als derzeitiges Trend-Segment, insgesamt steuert das Genre 6,7 Prozent zum Gesamtumsatz bei und damit mehr als Deutsch Pop. Vor allem die Streaming-Nutzer lieben DJ-Beats, wie unter anderem die Top 100 Streaming-Jahrescharts zeigen: Hier entschied Dance 2015 gleich die ersten fünf Plätze für sich. Und auch der Sommerhit 2015 entspricht diesem Trend: Der Hamburger DJ Felix Jaehn und die erst 14-jährige britische Sängerin Jasmine Thompson setzten sich mit „Ain’t Nobody (Loves Me Better)“ durch. Ganze acht Wochen führte der Titel die Offiziellen Deutschen Single-Charts an, in den Offiziellen Deutschen Single- und Streaming-Jahrescharts belegt er jeweils Platz drei. Und nicht nur das: Wie unter anderem die Deutsche Welle feststellte, stand mit Felix Jaehn erstmals seit 26 Jahren ein deutscher Künstler an der Spitze der US-Charts.

In den Offiziellen Deutschen Single-Charts ist der Anteil nationaler Produkte im Vergleich zu den Longplayern traditionell etwas geringer, aber auch hier zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Nationale Interpreten waren im Jahr 2015 mit einem Anteil von 46,82 Prozent in den Top 100 Single-Jahrescharts vertreten und verzeichnen damit einen Zuwachs von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der erfolgreichste Song 2015 in der Single-Auswertung war „Cheerleader (Felix Jaehn Remix)“ von OMI (Platz 1) – ein Titel, der immerhin unter deutscher Beteiligung entstand. Als einziger deutschsprachiger Titel schaffte es „Astronaut“ von Sido feat. Andreas Bourani in die Top 10 der kumulierten Jahresauswertung, er landete auf dem sechsten Platz. Danach folgten „Wolke 4“ von Philipp Dittberner & Marv (Platz 11), „Lieblingsmensch“ von Namika (Platz 12) und „Wie schön Du bist“ von Sarah Connor (Platz 13) in der Jahresauswertung.

Das Radio springt (noch) nicht auf den Fan-Trend zu deutschsprachiger Musik auf

Obwohl in den Top 100-Album-Jahrescharts 2015 mehr als die Hälfte aller Produkte in deutscher Sprache waren, spiegeln das Radiosender hierzulande mehrheitlich kaum wider: In den Top 10 der Offiziellen Deutschen Airplay Jahrescharts für 2015 war einzig der Newcomer Joris mit „Herz über Kopf“ auf dem zehnten Platz vertreten. Cro folgte mit „Bye Bye“ auf Rang 21. Insgesamt wurde nur knapp ein Drittel der Offiziellen Deutschen Top 100 Airplay-Charts von nationalen Acts bestritten, deutschsprachige Titel machten in den Top 100 im Radio sogar nur 16 Prozent aus, was die Frage aufwirft, warum sich die Sender nicht etwas stärker am Votum der deutschen Fans orientieren. Dabei ist die Bedeutung des Radios als Massenmedium in Deutschland ungebrochen, wie die Tortengrafik zu den Hörgewohnheiten in Deutschland (s. Kapitel Musiknutzung, S. 27, Abbildung 15) deutlich macht. Und auch die „ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation 2015“ kommt zu dem Schluss, dass die deutschsprachige Bevölkerung (ab 14 Jahre) im Jahr 2015 immer noch durchschnittlich 173 Minuten Radio pro Tag hörte2. Die Debatte über eine Mindestquote deutschsprachiger Musik im Hörfunk, die über die freiwillige Selbstverpflichtung hinausgeht, wird aus diesem Grund immer wieder öffentlich geführt.

Relaunch der offiziellen deutschen Charts im Mai 2015