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Musik macht Schule: Die SchoolTour

 „Wer Musikschulen schließt, versündigt sich an der Inneren Sicherheit. Wenn Kinder nur intellektuell, nicht aber auch musisch gefördert werden, entstehen charakterliche Deformationen, die sich auch als Gewalt äußern“, erneuerte der ehemalige Innenminister Otto Schily 1999 seinen berühmt gewordenen Ausspruch.

Bedrückende Aktualität bekam diese Prognose, als im Sommer 2006 die Berliner Rütli-Schule für bundesweite Negativ-Schlagzeilen sorgte. Als die Lehrer keinen anderen Ausweg mehr wussten und sich mit einem Brief hilfesuchend an die Öffentlichkeit wandten, brach ein medialer Sturm los.

Angeheizt durch das Interesse von Zeitungen, TV und Radio präsentierten tagelang Bilder außer Rand und Band geratener, aggressiver Schüler, hilfloser Eltern und frustrierter Pädagogen ein erschütterndes Bild des deutschen Bildungssystems.

Für Integration - gegen Aggression

Welches integratives und aggressionsabbauendes Potential in Musik steckt, wurde kurze Zeit später demonstriert, als die SchoolTour - das musikpädagogische Modellprojekt der Deutschen Phono-Akademie - an der Rütli-Schule gastierte.

Fünf Tage lang wurde an der Problem-Schule getextet, komponiert und getanzt. Ingesamt 62 Schüler der 7. und 8. Klasse produzierten gemeinsam mit Musik erfahrenen Dozenten ihren eigenen „Rütli-Sampler“, organisierten und moderierten die Abschlussveranstaltung das „SchoolFest“ und hielten alles auf Video fest.

Highlights der Projektwoche war die Musikgruppe Outlandish und der junge deutsch-türkische Sänger Muhabbet. Schülerinnen und Schüler deren einzige Kommunikationsformen gerade noch Aggression und Gewalt waren, erhielten eine Woche lang die Möglichkeit Musik als selbstverständlichen Teil kreativer, ausdrucksstarker und selbstbewusster Persönlichkeiten kennenzulernen.

Musik selbst erleben

Das Konzept der SchoolTour, unmittelbar an die Erfahrung der Jugendlichen anzuknüpfen und deren Alltagsrealität in den musikalischen Kontext zu integrieren stößt auf positive Resonanz von Schülern und Lehrern gleichermaßen.

Während die Popkultur in den Lehrplänen sonst nur einen geringen Stellenwert hat, zeigt die SchoolTour, dass der aktive Umgang mit Musik Türöffner zur Vermittlung eher sperriger Themen sein kann. So lässt sich beispielsweise an Hand unterschiedlicher Musikstile der positive Einfluss von Immigration und Integration erläutern.

Die Erfahrung welcher Aufwand mit der Produktion von Musik verbunden ist fördert den Respekt vor geistigem Eigentum. Und über den Umgang mit einer Video-Kamera und Mikrofon lernen die Beteiligten Schülerinnen und Schüler Funktions- und Wirkungsweise von Medien kennen.

Gleichzeitig machen Pädagogen die Erfahrung, dass durch die ebenso lebendige wie sinnliche Vermittlung von Lehrinhalten die Lernbereitschaft der Schüler extrem gesteigert werden kann. „Ich habe es seit Jahren nicht mehr erlebt, dass Schülerinnen und Schüler  freiwillig länger geblieben sind.“, ist ein immer wieder gehörter Satz von Lehrerinnen und Lehrern. Um den positiven Effekt der SchoolTour auch über die Projektwoche hinaus zu erhalten, bekommen auch die Lehrkräfte in einem Workshop Tipps, wie sich musikpraktischer Unterricht auch nach Abschluss der Projektwoche gestalten lässt.

Die SchoolTour ist eine der tragenden Säulen des kulturellen und sozialen Engagements der deutschen Musikindustrie. Entwickelt mit und empfohlen von der Bundeszentrale für Politische Bildung, gefördert von der GEMA und der GVL und unterstützt von zahlreichen Persönlichkeiten und Künstlern der Musikbranche wie dem VIVA-Erfinder und Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Musikindustrie Prof. Dieter Gorny, Ex-Warner-Chef Gerd Gebhardt, Produzent Mousse T., Sänger Roachford, den Prinzen, Kurtis Blow, T.M. Stevens und vielen anderen tourt das Projekt unter der Leitung des Musikjournalisten und Dozenten Jürgen Stark seit 2002 mit großem Erfolg durch Deutschland.

Musikpädagogische Initiative

Bestärkt durch die Erfolge der SchoolTour wird die deutsche Musikindustrie ihr gesellschaftliches Engagement weiter ausbauen. So wird die SchoolTour im laufenden Jahr bundesweit an 20 – 30 Schulen Station machen. Die hohen Kosten von ca. 20.000 Euro pro Projektwoche werden neben den Zuschüssen verschiedener Institutionen vor allem aus Schadensersatzzahlungen der Pirateriebekämpfung finanziert, auf die die betroffenen Labels zugunsten des Projektes verzichten. So ist die Entwicklung von Lehrmaterialien in Vorbereitung, die Lehrer dabei unterstützen sollen, den Musikunterricht kreativer zu gestalten und Schülern den Wert kreativer Leistung am Beispiel Musik näher zu bringen.

www.school-tour.de