Umsatz

Nach vier Jahren des Wachstums ist der Umsatz mit Tonträgern 2017 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Minus von 0,3 Prozent annähernd gleich geblieben.
Der physische Markt sorgt noch für etwas mehr als die Hälfte der Umsätze, während der Digitalmarkt weiter deutlich wächst. CD weiterhin auf Platz 1, Audio-Streaming mit zunehmend geringerem Abstand auf Platz 2.

 

Mit CDs, Schallplatten, DVDs und Downloads sowie den Einnahmen aus Streamingdiensten hat die Musikindustrie in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 1,588 Milliarden Euro umgesetzt (Abb. 2). Gegenüber dem Vorjahr 2016 (1,593 Milliarden Euro) ist das zwar eine leichte Delle, doch liegt das Minus mit − 0,3 Prozent noch im Bereich der „roten Null“.  

 

Hauptgrund für die leichte Delle ist, dass der physische Markt stärker rückläufig war, als es das Digitalgeschäft auszugleichen vermochte. Das liegt auch daran, dass nach einer Untersuchung des BVMI-Dachverbandes IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) derzeit knapp die Hälfte des Musik-Streamings in Deutschland über Video-Streaming-Dienste wie z. B. YouTube stattfindet, die aktuell zusammen aber nur 1,9 Prozent zum Umsatz beitragen. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik dieses Ungleichgewicht, von der Branche seit Jahren auch auf internationaler Ebene als „Value Gap“ angemahnt, endlich behebt. Die Bundesregierung hat sich im März 2018 im Europäischen Rat endlich für gesetzliche Klarstellungen der urheberrechtlichen Verantwortlichkeit von Onlineplattformen ausgesprochen und unmissverständlich klargestellt, dass der Value Gap geschlossen werden muss. Jetzt gilt es, die Vorschläge mit der guten Vorarbeit der EU-Kommission zu vereinen, um dann auf europäischer Ebene im Sinne aller Beteiligten Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen.

ABB. 1: Umsatzanteile aus dem Musikverkauf Physisch / Digital

STREAMING WÄCHST WEITER KRÄFTIG, PHYSISCHE TONTRÄGER DEUTLICH WENIGER GEFRAGT

Trotz des dynamisch wachsenden Digitalgeschäfts wird noch immer mehr als jeder zweite Euro mit physischen Tonträgern verdient (53,4 %, Abb. 1), was rund 848 Millionen Euro entspricht (Abb. 2). Im Jahr zuvor standen hier noch 989 Millionen Euro, das bedeutet für 2017 einen Rückgang der Verkäufe von CDs, Vinyl, DVDs und Musikkassetten von 14,3 Prozent.

 

Abschmelzende Verkaufszahlen physischer Tonträger sind als Phänomen in vielen anderen Ländern bereits seit längerem und noch deutlicher zu beobachten: Der Transformationsprozess von physischen zu digitalen Tonträgern ist weltweit schon so fortgeschritten, dass „Musik zum Anfassen“ in zahlreichen anderen Territorien noch nicht einmal mehr für 40 Prozent der Umsätze verantwortlich ist, beispielhaft seien hier Dänemark (11 %), Schweden (15 %), die USA (20 %), Mexiko (27 %) oder Kanada (30 %) genannt.1 Umgekehrt könnte man sagen, dass sich jetzt auch bei deutschen Musikfans der Verhaltenswandel verstärkt und sie digital weiter aufholen. Dies zeigt sich in den deutlichen Zuwächsen im Digitalmarkt, der um insgesamt 22,7 Prozent zugelegt hat. Die Konsumenten hierzulande ließen sich digitale Musikinhalte damit insgesamt etwa 741 Millionen Euro kosten (Abb. 2). Umsatztreiber war das Audio-Streaming mit einem Plus von 42,8 Prozent (Abb. 4). Inzwischen geht mehr als jeder dritte verdiente Euro auf Einnahmen aus Audio-Streaming-Angeboten zurück, was sich zu einem Umsatzanteil von 34,6 Prozent (Abb. 1) am Gesamtmarkt summiert. Downloads hingegen erwirtschaften aktuell nur noch etwa jeden zehnten Euro, den Musikfans ausgeben, sodass der Marktanteil um fast ein Fünftel zurückgegangen ist (−19,3 %) und noch 9,9 Prozent (Abb. 1) beträgt.

 

Quelle: IFPI-Global Music Report 2017, London, 2017. www.ifpi.org – hier: angepasste Anteile, berechnet ohne Synchronisation und Performance Rights

LIZENZEINNAHMEN FAST KONSTANT, GVL-ERTRÄGE GERINGER ALS IM VORJAHR

Bereits seit 2014 betragen die Lizenzeinnahmen aus der Verwendung von Musik in Film, Fernsehen, Computerspielen und Werbung jährlich rund 7 Millionen Euro, so auch 2017 (Abb. 2). Bei genauer Betrachtung lässt sich in diesem als Synchronisation zusammengefassten Segment sogar ein leichtes Plus von 1,7 Prozent feststellen. 

 

Die Einnahmen aus GVL-Leistungsschutzrechten lagen sowohl 2016 als auch 2017 deutlich über denen der Jahre zuvor. Diese Ausreißer nach oben sind auf Sondereffekte zurückzuführen: Aufgrund von Nachzahlungen im Bereich der Privatkopie wurden die Einnahmen 2016 nachträglich um 104,2 Millionen Euro nach oben korrigiert. Und auch 2017 liegen sie infolge solcher Nachzahlungen mit aktuell 242 Millionen Euro immer noch um 50 Prozent über denen von 2015. Das Minus von 10,9 Prozent ist insofern nur bedingt aussagekräftig.

DAS PHYSISCHE GESCHÄFT: VINYL TROTZT DER SCHMELZE

Stärkstes Umsatzsegment des Gesamtmarkts blieb auch 2017 die CD mit einem Marktanteil von 45,4 Prozent (Abb. 1). Bei einer Summe von 722 Millionen Euro wur-den mit ihr im vergangenen Jahr nur 19 Millionen Euro weniger erzielt als mit allen digitalen Nutzungsmedien zusammen. Dennoch fiel der Rückgang der CD-Verkäufe innerhalb eines Jahres mit 138 Millionen Euro (15,9 %) deutlich aus (Abb. 3). 

 

Die Einnahmen aus dem Vinyl-Geschäft wuchsen dagegen weiter auf insgesamt 74 Millionen Euro. Die Dynamik fiel allerdings etwas geringer aus als in den Vorjahren. Denn während 2016 Vinyl-Umsätze um 40,1 Prozent gestiegen waren, gab es 2017 ein Plus von vergleichsweise geringen 5,1 Prozent (Abb. 3). Gründe hierfür könnten sowohl eine Beruhigung des „Vinyl-Hype“ als auch Engpässe in der Produktion der Vinyl-Tonträger sein, da die Kapazitäten vor dem Revival der schwarzen Scheiben durch Schließung von Produktionsstätten stark abgebaut worden waren. Insgesamt stand Vinyl im Gesamtjahr 2017 für 4,6 Prozent der Umsätze.

 

Seit nunmehr zehn Jahren in Folge schrumpft der Markt für Musik auf DVD, VHS und Blu-ray. Während sie vor zehn Jahren, also 2008, noch für 118 Millionen Euro Umsatz sorgten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 46 Millionen Euro. Damit gaben die Fans insgesamt 9 Millionen Euro weniger für Videos aus als 2016 (Abb. 3), ein Rückgang um 15,2 Prozent. Vergleichsweise leicht sind demgegenüber die Umsätze durch physische Singles gesunken (−2,2 %), die wie 2016 noch immer bei rund 4 Millionen Euro liegen. Die MC als Tonträger scheint sich bei einem Umsatz von rund 1 Million Euro in der Nische eingerichtet zu haben. 

DAS DIGITALGESCHÄFT: JEDEM „DOWNLOAD-EURO“ STEHEN 3,50 EURO AUS DEM STREAMING GEGENÜBER

Die Einnahmen aus digitalen Musikverkäufen sind auch im vergangenen Jahr um mehr als ein Fünftel gestiegen (+22,7 %, Abb. 2), wenngleich das Wachstum weniger stark ausfällt als noch in den Vorjahren, als es fast um ein Viertel (2016: +24,2 %) bzw. sogar knapp ein Drittel (2015: +30,8 %) im Jahr 2015 nach oben ging. 

 

Die Dynamik kommt vor allem aus dem Audio-Streaming: Die Einnahmen aus den Angeboten von Spotify, Amazon, Deezer, Apple Music, Napster & Co. überschritten im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Schwelle von einer halben Milliarde Euro (549 Mio. Euro, Abb. 4) – ein Wachstum von 42,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass es zehn Jahre zuvor noch 12 Millionen Euro waren, wird einmal mehr deutlich, dass Streaming für einen Paradigmenwechsel steht. Dieser hat seit etwa 2014 sichtbar Auswirkungen auf die Downloads, deren Umsätze seitdem sukzessive abschmelzen, 2017 um fast ein Fünftel (−19,3 %). Während 2016 auf jeden mit Downloads verdienten Euro rund 2 Euro aus Streaming-Einnahmen kamen, waren es 2017 schon fast 3,50 Euro. Innerhalb des Digitalgeschäfts waren Downloads 2016 für rund ein Drittel der Einnahmen verantwortlich, 2017 war es nur noch etwas mehr als ein Fünftel (21,2 %). Der Rückgang betraf dabei sowohl Single- (−20,3 %) als auch Alben-Downloads (−18,6 %).

 

Ein Zuwachs von rund 10 Millionen Euro lässt sich wiederum bei den Umsätzen von werbefinanzierten Video- Streaming-Plattformen feststellen. 

Abb. 2: Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten in der Bundesrepublik Deutschland
Abb. 3: Umsatzentwicklung der physischen Tonträger

DIE UMSATZSCHERE ZWISCHEN POP NATIONAL UND INTERNATIONAL GEHT WEITER AUSEINANDER

Musik aus dem Segment Pop National hat sich im vergangenen Jahr weniger gut verkauft als noch 2016 (Abb. 5). Dabei wird der Begriff „Pop“ an dieser Stelle als Oberbegriff für alle populären Musikrichtungen in Abgrenzung zur Klassik verwendet, er umfasst also – anders als im Kapitel Repertoire & Charts – beispielsweise auch die Genres Rock, Schlager, Hip-Hop und andere. „Pop National“ wiederum umfasst zu einem geringen Teil auch ausländische Bands, die aber bei einer deutschen Musikfirma unter Vertrag stehen und entsprechend hierzulande zu den Umsätzen beitragen. 

 

Der Umsatzrückgang im Segment Pop National bedeutet also, dass mit den Tonträgern aller in Deutschland unter Vertrag stehenden Bands 2017 insgesamt 5,1 Prozent weniger Umsatz erzielt wurde (504 Mio. Euro) als noch 2016 (531 Mio. Euro). Schlüsselt man diese Summe nach Art der Tonträger auf, so wurde noch jeder zehnte Euro mit Downloads verdient und damit 2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr (12 %). Und während 2016 jeder fünfte Euro mit Audio-Streaming erzielt wurde, war es 2017 beinahe bereits jeder dritte (30 %).

Abb. 4: Umsatzentwicklung digitaler Musikverkäufe

Internationale Produktionen haben sich 2017 hingegen besser verkauft als im Jahr zuvor. Mit einem Zuwachs von fast 50 Millionen Euro bzw. rund 7 Prozent trennt das Segment Pop International nur noch wenig von der 700-Millionen-Euro-Marke. Ähnlich wie bei nationalen Produktionen hat auch hier die Nachfrage nach Downloads nachgelassen. Nach einem Anstieg von 10 Prozentpunkten wird dagegen inzwischen fast jeder zweite Euro mit Streaming verdient (48 %). Insgesamt hat internationales Repertoire seinen Umsatzvorsprung auf dem deutschen Musikmarkt 2017 weiter ausgebaut: Während es 2016 noch mit etwa 120 Millionen Euro vor nationalem Repertoire lag, waren es 2017 rund 190 Millionen Euro. 

 

Klassik-Fans waren im vergangenen Jahr offenbar weniger kauffreudig als im Jahr zuvor. Musikfirmen konnten in dieser Sparte nur etwa 80 Prozent ihres Vorjahresumsatzes erzielen (−20,5 %). Mit Downloads wurde hier wie 2016 jeder zwanzigste Euro verdient. Klassik via Musikstreaming ist im vergangenen Jahr dagegen stärker nachgefragt worden, 8 Prozent der Klassik-Umsätze wurden auf diesem Weg generiert, ein Plus von 3 Prozentpunkten.

Abb. 5: Umsatzentwicklung in den Teilmärkten Physisch / Downloads / Audio-Streaming 2016 – 2017

Die Einnahmen mit den medienbeworbenen TV-Compilations sind 2017 um etwa ein Viertel zurückgegangen (−25,2 %). Damit belaufen sie sich auf insgesamt 72 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es noch 96 Millionen Euro. An der Art der genutzten digitalen Tonträger hat sich indes nichts geändert: Während der Download-Anteil nach wie vor 15 Prozent beträgt, spielt Musikstreaming beim Konsum von TV-Compilations wirtschaftlich keine nennenswerte Rolle.  

 

Umsatz-Gewinner 2017 sind Kinderprodukte, ihr Zuwachs liegt mit 7,6 Prozent relativ gesehen noch vor Pop International (+7,1 %). Damit wurden im vergangenen Jahr etwa 150 Millionen Euro mit Tonträgern für Kinder erwirtschaftet. Während die Umsätze mit Downloads um 1 Prozentpunkt geschrumpft sind, hat sich der Anteil von Audio-Streaming innerhalb eines Jahres etwas mehr als verdoppelt. Statt 15 Prozent liegt er jetzt bei 32 Prozent, sodass rund ein Drittel der Umsätze von Kinderprodukten mit Streaming erzielt wurde. 

 

Hörbücher erwirtschafteten 2017 insgesamt 80 Millionen Euro, 5 Millionen Euro weniger als im Vorjahr (−6 %). Während sich der Download-Anteil nicht verändert hat, sondern noch immer jeder fünfzigste Euro mit Hörbuch-Downloads verdient wurde, stieg auch in diesem Segment die Bedeutung von Musikstreaming (17 %, +6 Prozentpunkte). 

Abb. 6: GfK-Musikmarktprognose 2017 Gesamtmarkt

BLICK INS JAHR 2022: STREAMING MARGINALISIERT DIE CD

Das neue Szenario der GfK geht davon aus, dass das Musikstreaming im Jahr 2022 den Markt mit einem Umsatzanteil von 75 Prozent klar dominiert. Bislang hatte die Prognose für das Jahr 2021 bei 57 Prozent gelegen. Auf physische Tonträger entfiele aber auch in fünf Jahren immer noch etwas mehr als jeder fünfte umgesetzte Euro (22 %). 

 

Downloads wären nur noch für rund 3 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Insgesamt rechnen die Marktforschungsexperten mit einem Wachstum auf ein Niveau von etwas mehr als 1,6 Milliarden Euro in fünf Jahren.