Absatz

Audio-Streams überspringen in Deutschland die 100-Milliarden-Marke. Die Zahl verkaufter CDs und Downloads sinkt weiter, dafür werden wieder mehr Vinyl-Schallplatten abgesetzt.

Auch 2019 entschieden sich Musikkäuferinnen und -käufer vergleichsweise häufig für einen physischen Tonträger, also für ein CD-Album, eine Vinyl-LP, eine DVD oder eine physische Single. Zusammen wurden hier 45,7 Millionen Einheiten verkauft (Abb. 7). Gegenüber 2018 bedeutet dies allerdings ein Minus von 13,1 Prozent. Damit setzte sich die rückläufige Entwicklung der Vorjahre bei physischen Tonträgern weiter fort: Seit 2015 hat sich die Zahl fast halbiert (Abb. 7), im Jahr 2010 sind sogar noch zweieinhalbmal so viele physische Tonträger verkauft worden (115 Mio. Stück).

Bei rund 96 Prozent der verkauften 45,7 Millionen Einheiten handelte es sich um Longplayer. Dazu zählen beispielsweise CD-Alben, von denen 40 Millionen Exemplare verkauft wurden, was gegenüber 2018 einen Rückgang von 13,4 Prozent bedeutet. Gesunken ist auch die Zahl der verkauften Einheiten im Bereich DVD-A/SACD, die nach einem Minus von 21,9 Prozent bei etwa 100.000 Stück lag.

Vinyl-LPs wiederum setzten nach der leichten Delle des Jahres 2018 ihren Aufwärtstrend fort: 2019 wurden 3,4 Millionen Platten verkauft und damit 12,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Nach einem seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend verzeichneten außerdem Musikkassetten (MC) erstmals wieder ein Plus: Der Zuwachs beträgt 36,8 Prozent, in verkauften Einheiten waren dies am Jahresende 2019 insgesamt rund 200.000 Stück.

Daneben wurden etwa 2 Millionen Tonträger verkauft, die nicht zur Kategorie Album zählen. Zum einen waren dies physische Singles (0,3 Mio.), deren Absatz gegenüber 2018 um mehr als ein Fünftel gesunken ist (–21,6 %, Abb. 7). Zum anderen griffen Fans 1,7 Millionen Mal zu Musikvideos auf DVD und Blu-Ray. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber 2018 um mehr als ein Drittel (–36,9 %). Im Vergleich zum Jahr 2017 (3,5 Mio. Stück) wurden 2019 nur noch halb so viele Musikvideos verkauft, innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich der Absatz sogar um vier Fünftel reduziert (2010: 8,7 Mio. Stück).

Die Summe verkaufter Download-Singles und -Alben (39,3 Mio. Stück, Abb. 8) liegt inzwischen fast gleichauf mit der Zahl der verkauften CD-Alben (40 Mio. Stück, Abb. 7). Im Vergleich zum Jahr 2018 sind Downloads insgesamt um knapp ein Fünftel (–19,5 %) und im Vergleich zum Download-Rekordjahr 2012 (114,6 Mio. Stück) um knapp zwei Drittel zurückgegangen.

Auch für sich betrachtet haben Download-Singles und -Alben gegenüber dem Jahr 2012 jeweils zwei Drittel eingebüßt. So wurden 2019 33,2 Millionen Einzeltracks verkauft (–20 % gegenüber 2018), 2012 waren es noch 97,1 Millionen Stück. Bei den Alben waren es 2019 6,1 Millionen Stück – im Vergleich zu 2018 ein Rückgang um 16,8 Prozent. Auch hier betrug die verkaufte Menge im Jahr 2012 mit 17,5 Millionen Stück knapp das Dreifache.

ABB. 7: Musikabsatz physisch in der Bundesrepublik Deutschland 2010 – 2019
ABB. 8: Musikabsatz Downloads in der Bundesrepublik Deutschland 2010 – 2019

ZAHL DER MUSIK-AUDIO-STREAMS 2019 UM 35 PROZENT GESTIEGEN

Gegenläufig zum Rückgang bei physischen Tonträgern und Downloads ist die Zahl der Musik-Audio-Streams noch einmal deutlich gestiegen: Im Jahr 2019 überschritten bezahlte und werbefinanzierte Streams zusammen erstmals die 100-Milliarden-Marke (107,4 Mrd.). Das entspricht einem Anstieg um 35 Prozent gegenüber 2018. Verglichen mit den 21,2 Milliarden Streams im Jahr 2015 hat sich die Zahl innerhalb von fünf Jahren damit mehr als verfünffacht.

ABB. 9: Musikstreaming seit 2013, Premium / werbefinanziert

GIGANTISCHE VIELFALT: FAST 6,2 MILLIONEN POP- UND RUND 355.000 KLASSIK-TITEL IN DEUTSCHLAND ERHÄLTLICH

Musikfans in Deutschland konnten bei physischen Tonträgern 2019 aus insgesamt 276.754 Titeln auswählen (Abb. 10 A). Damit hat sich das verfügbare Angebot im Vergleich zu 2018 (fast 292.000 Titel) zwar um etwa 15.000 Titel verringert und entspricht in etwa wieder der Größenordnung von 2013 (275.615 Titel). Das Jahr 2010 mit 252.375 Titeln übertrifft es aber um mehr als 25.000 Einspielungen.

Die physischen Tonträger waren auch im Jahr 2019 überwiegend Alben. 195.122 Audio- und Video-Aufnahmen stammten aus dem Bereich Pop, was in diesem Zusammenhang alle Genres umfasst, die keine klassische Musik sind. Klassik wiederum findet sich nach der PHONONET-Datenbank auf 77.087 zurzeit verfügbaren physischen Alben (Audio und Video).

Bei digitalen Tonträgern ergibt sich ein noch breiteres Angebot: Hier standen 2019 rund 3,7 Millionen Pop-Alben zur Verfügung (Abb. 10), 2018 waren es nur rund 2,4 Millionen. Auf jedes physisch veröffentlichte Pop-Album kamen 2019 also rund 18 digitale Pop-Alben.

Bei Pop-Singles ist die Differenz zwischen physisch und digital verfügbaren Titeln noch größer. Physisch wird das erhältliche Repertoire schmaler, hier waren mit etwa 4.500 Titeln rund 1.000 Titel weniger erhältlich als noch 2018. Digital standen den Musikfans hingegen rund 2,3 Millionen verschiedene Titel zur Verfügung, was mehr als dem 500-Fachen entspricht.

2019 sind 264.364 digitale Pop-Singles neu erschienen (Abb. 10). Im Vergleich zum Jahr 2017 (Abb. 10 A) ist dies fast eine Verdoppelung.

Bei physisch veröffentlichten Pop-Alben ist die Zahl der Neuveröffentlichungen hingegen gesunken: Mit rund 14.400 erhältlichen Titeln ist das Sortiment um etwa 700 Titel schmaler geworden (2018: 15.093 Titel, Abb. 10 A).

Bei physisch veröffentlichten Klassik-Alben hat sich das Angebot weniger stark verkleinert: Es waren gut 4.058 Titel verfügbar und damit nur 67 weniger als 2018. 2019 kamen damit auf ein neu veröffentlichtes physisches Klassik-Album 3,5 physische Pop-Alben (Abb. 10 A).

Insgesamt stellen Musikfirmen den Fans mit rund 272.000 auf CD & Co. gepressten Pop- und Klassik-Alben, rund 3,94 Millionen digitalen Alben (Abb. 10) sowie mehr als 2,3 Millionen Pop-Singles ein enorm vielfältiges Repertoire zur Verfügung.

Abb. 10: Gesamtangebot und Neuerscheinungen von Pop- und Klassiktonträgern 2010 / 2019