Absatz

Audio-Streams erreichen mit 139 Milliarden Abrufen einen neuen Rekordwert. CD-Alben und Downloads verkaufen sich weniger gut als im Vorjahr, der Vinyl-Absatz legt dagegen weiter zu.

Physische Tonträger verlieren insgesamt an wirtschaftlicher Bedeutung. Dieser seit Jahren zu beobachtende Trend setzte sich weiter fort: 2020 kauften Menschen in Deutschland ca. 38,2 Millionen physische Tonträger, wozu insbesondere CD-Alben und Vinyl-LPs zählten. Im Vergleich zu den 45,7 Millionen verkauften Einheiten 2019 entspricht dies einem Rückgang um 16,4 Prozent. 2016 waren noch etwas mehr als doppelt so viele physische Tonträger abgesetzt worden (81,8 Mio., Abb. 7), 2010 sogar noch ca. dreimal so viele ((115 Mio., vgl. Musikindustrie in Zahlen 2019, Abb. 10).

Beim Kauf physischer Tonträger griffen Musikfans ganz überwiegend zu Alben, sie machten rund 96 Prozent aus, ihr Anteil bleibt damit 2020 im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich. Bei rund 84 Prozent der gekauften physischen Tonträger handelte es sich um CD-Alben: Sie kamen auf 32,2 Millionen Einheiten. Damit sind hier im Vergleich zu 2019 (40 Mio. Einheiten) knapp ein Fünftel weniger verkauft worden. Ein moderaterer Rückgang lässt sich in der Kategorie DVD-A/SACD beobachten: Nach einem Minus von 3 Prozent gegenüber 2019 wurden 2020 immer noch ca. 100.000 Exemplare verkauft.

Hauptgewinnerin unter den physischen Formaten war die Vinyl-LP: Insgesamt 4,2 Millionen Schallplatten wurden 2020 verkauft, das entspricht einem Plus von mehr als einem Fünftel (21,9 %). Seit 2015 hat sich die Zahl der verkauften Exemplare exakt verdoppelt, seit 2011 sogar versechsfacht. Besonders stark zurückgegangen ist hingegen der Markt für Musikkassetten (MC). Allerdings war 2019 die Nachfrage nach MCs vorübergehend deutlich, auf rund 200.000 verkaufte Einheiten, angestiegen, 2020 wurde nun wieder das Niveau der Vorjahre 2015 bis 2018 erreicht, dies entspricht einem Rückgang um zwei Drittel (-66,7 %).

Lediglich 1,7 Millionen von den 2020 verkauften physischen Tonträgern waren keine Alben, sondern, unter anderem, 300.000 Singles. Damit ist die Single neben der Vinyl-LP das zweite Wachstumsformat unter den physischen Tonträgern: 2020 wurden hiervon insgesamt 4,5 Prozent mehr verkauft als 2019. Die übrigen 1,4 Millionen Nicht-Alben entstammen der Kategorie Musikvideo, die allerdings einen Rückgang um 17,7 Prozent zu verzeichnen hatte. Damit setzte sich der in diesem Bereich seit Jahren andauernde Abwärtstrend fort: Seit 2018 hat sich die Zahl der verkauften Musikvideos um fast die Hälfte (2018: 2,7 Mio. Einheiten) und seit 2015 um zwei Drittel verringert (2015: 4,2 Mio. Einheiten).

Nicht nur bei der Gesamtzahl der physischen Tonträger, auch bei Downloads haben sich 2020 erneut Rückgänge ergeben. Ihr Absatz ist innerhalb eines Jahres um mehr als ein Viertel (-26,5 %, Abb. 8) zurückgegangen. Bei Singles liegt das Minus in ungefähr derselben Größenordnung. Damit entsprach der Umsatz der verkauften Singles ca. einem Viertel des entsprechenden Wertes aus dem Download-Rekordjahr 2012 (97,1 Mio. Einheiten). Bei Download-Alben war 2014 das Jahr mit den höchsten Verkäufen (19 Mio. Einheiten), der aktuelle Absatzwert (4,6 Mio. Stück) entspricht ebenfalls nur noch knapp einem Viertel davon.

ABB. 7: Musikabsatz physisch in der Bundesrepublik Deutschland 2011 – 2020
ABB. 8: Musikabsatz Downloads in der Bundesrepublik Deutschland 2011 – 2020

ZAHL DER MUSIK-AUDIO-STREAMS 2020 UM FAST 30 PROZENT GESTIEGEN

Im Gegensatz zu den Rückgängen bei physischen Tonträgern und Downloads zeigt die Kurve bei der Entwicklung des Musikstreamings weiterhin deutlich nach oben. So wurde 2020 139 Milliarden Mal Musik gestreamt. Dies ist im Vergleich zu 2019 ein Zuwachs von rund 30 Prozent. Die Wachstumsrate hat sich damit gegenüber dem Vorjahr leicht abgeschwächt, 2019 hatte sie 35 Prozent betragen.

 

ABB. 9: Musikstreaming seit 2013, Premium / werbefinanziert

GIGANTISCHE VIELFALT: FAST 7 MILLIONEN POP- UND RUND 300.000 KLASSIK-TITEL IN DEUTSCHLAND ERHÄLTLICH

Nachdem das Musikangebot ab 2010 über mehrere Jahre gewachsen war, sinkt die Zahl der verfügbaren physischen Titel seit einigen Jahren wieder. Im Vergleich zu 2019 waren 2020 ca. 23.000 Einspielungen weniger auf physischen Tonträgern verfügbar. 2020 bestand das Repertoire aus ca. 253.000 Einspielungen, was in etwa wieder dem Niveau von 2010 entspricht (Abb. 10 A).

Bei der Mehrzahl der physischen Tonträger handelte es sich auch im Jahr 2020 um Alben. Von ihnen fallen fast 179.000 in die Kategorie Pop, die hier alle Genres umfasst, die keine klassische Musik sind. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es mit 180.746 Titeln nicht wesentlich mehr (Abb. 10). Klassik wiederum war auf 69.881 physischen Audio- und Video-Alben verfügbar (Abb. 10 A), 2011 waren es mit 70.399 Titeln ebenfalls nicht wesentlich mehr.

Deutlich größer als das physisch verfügbare Repertoire war das auf digitalen Tonträgern: Bei Pop-Alben standen 2020 insgesamt 3,9 Millionen verschiedene Exemplare zur Verfügung (Abb. 10), also über 21 Mal mehr als auf physischen Tonträgern. 2019 waren es 3,7 Millionen und 2018 2,4 Millionen. Die Zuwachsdynamik der innerhalb eines Jahres neu verfügbaren digitalen Pop-Alben hat also etwas nachgelassen.

Bei Pop-Singles klaffte hingegen eine noch größere Lücke zwischen den physisch und den digital erhältlichen Titeln: Auf der einen Seite sank die Zahl der erhältlichen physischen Pop-Singles leicht von ca. 4.500 auf gut 4.140 Exemplare. Auf der anderen Seite standen den Musikfans 2020 rund 3 Millionen digitale Pop-Singles zur Verfügung, während es 2019 mit rund 2,3 Millionen verschiedenen Titeln noch ca. 700.000 Titel weniger gewesen waren. Digital waren damit etwa 700 Mal so viele Pop-Singles wie physisch gepresste Exemplare verfügbar (Abb. 10).

Die Zahl digital veröffentlichter Pop-Songs ist auch 2020 größer geworden. Insgesamt sind 2020 fast 364.000 digitale Pop-Singles auf den Markt gebracht worden, ca. 100.000 mehr als im Jahr 2019 und ca. 200.000 mehr als noch im Jahr 2011 (Abb. 10 A). Die Publikationsrate digitaler Pop-Songs hat sich also erheblich erhöht.

Wie schon in einigen vorangegangenen Jahren hat sich die Zahl der Neuveröffentlichungen bei physisch veröffentlichten Pop-Alben dabei verringert. 2020 sind rund 11.000 neue Pop-Alben erschienen, rund 3.500 weniger als 2019. Einen so starken Rückgang neu auf den Markt gebrachter physischer Pop-Alben hat es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben (Abb. 10 A), dies ist möglicherweise auch ein Pandemieeffekt.

Auch bei physisch veröffentlichten Klassik-Alben hat sich das verfügbare Repertoire verkleinert, allerdings in geringerem Ausmaß. 2020 waren rund 3.150 unterschiedliche Klassik-Alben verfügbar, rund 900 weniger als noch 2019. Für jedes neue physische Klassik-Album sind rund 3,5 physische Pop-Alben erschienen (Abb. 10 A).

Insgesamt stellten Musikfirmen den Fans 2020 mit rund 249.000 physischen Pop- und Klassik-Alben, rund 4,2 Millionen digitalen Alben (Abb. 10) und mehr als 3 Millionen Pop-Singles ein enorm vielfältiges Angebot zur Verfügung.

Abb. 10: Gesamtangebot und Neuerscheinungen von Pop- und Klassiktonträgern 2011 / 2020

Abb. 10A: Gesamtangebot von Pop und Klassik