Internationales

Umsätze mit Musikaufnahmen wachsen weltweit um 7,4 Prozent. Der Digitalanteil klettert auf 68 Prozent. Lateinamerika ist erneut die am schnellsten wachsende Region (15,9%). Deutschland bleibt viertgrößter Musikmarkt der Welt.

Die Arbeit und die Investitionen der Musikfirmen haben dazu beigetragen, das Fundament für eine inzwischen zu großen Teilen digitale Branche zu schaffen, die ihre Resilienz gegenüber außergewöhnlichen Umständen weltweit auch im Jahr 2020 bewiesen hat. So legten die Einnahmen aus Musikverkäufen weltweit um 7,4 Prozent zu und wuchsen damit zum sechsten Mal in Folge. Wie der „Global Music Report“ zeigt, den die International Federation of the Music Industry (IFPI), der Dachverband des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), jedes Jahr herausgibt, weisen die Gesamteinnahmen der Musikindustrie 2020 eine Summe von 21,6 Milliarden US­Dollar aus (Abb. 25). Seit Beginn der weltweiten Wachstumsphase vor sechs Jahren (Umsatz 2015: 14,5 Mrd. US­Dollar) ist der Umsatz insgesamt um fast die Hälfte gestiegen, ebenso der Digitalanteil, der von 45 Prozent 2015 auf 68 Prozent 2020 zulegte.

Das Wachstum wird auch international durch das Streaming angetrieben, insbesondere durch kostenpflichtige Streaming-Abos. In diesem Bereich stieg der Umsatz um 18,5 Prozent. Weltweit gab es Ende 2020 443 Millionen Nutzer:innen bezahlter Abo-Konten. Der Streaming-Umsatz wuchs einschließlich bezahlter Abonnements und werbegestütztem Streaming insgesamt um 19,9 Prozent und erreichte 13,4 Mil­liarden US-Dollar, das entspricht 62,1 Prozent des gesamten weltweiten Umsatzes (Abb. 26). Dieses dynamische Wachstum hat die Rückgänge bei anderen Formaten mehr als ausgeglichen; die Umsätze mit physischen Tonträgern gaben um 4,7 Prozent nach, die aus Aufführungsrechten – hauptsächlich als Folge der Coronapandemie – um 10,1 Prozent. Insgesamt kam das Geschäft mit physischen Tonträgern 2020 auf 19,5 Prozent. Deutschland liegt mit einem physischen Marktanteil von über einem Viertel noch immer über dem globalen Durchschnitt.

ABB. 25: Weltweiter Umsatz aus dem Musikverkauf 2011 – 2020

MUSIKUMSÄTZE 2020 IN ALLEN REGIONEN DER WELT GEWACHSEN

Lateinamerika behauptete seine Position als weltweit am schnellsten wachsende Region (15,9 %, Abb. 27). Die Streaming-Umsätze legten um 30,2 Prozent (1) zu und machten damit 84,1 Prozent der Gesamteinnahmen der Region aus. Asien wuchs um 9,5 Prozent. Erstmals überstiegen die digitalen Umsätze hier den Anteil von 50 Prozent an den Gesamteinnahmen. Ohne Japan, das einen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent verzeichnete, wäre Asien mit einem Wachstum von 29,9 Prozent vor Lateinamerika die wachstumsstärkste Region gewesen.(2)

Zum ersten Mal sind 2020 Afrika & Naher Osten als eigene Region im IFPI-Bericht aufgeführt. Hier stiegen die Umsätze mit Tonträgern um 8,4 Prozent, vor allem in der Region Naher Osten & Nordafrika (37,8 %). Streaming dominierte beim Wachstum mit einem Umsatzplus von 36,4 Prozent.(3)

Die Region USA & Kanada konnte 7,4 Prozent hinzugewinnen (US­Markt: 7,3 %, Kanada: 8,1 %).(4) Die Umsätze in Europa, der mit Blick auf die Musikverkäufe zweitgrößten Region der Welt, legten ebenfalls zu, und zwar um 3,5 Prozent. Das starke Wachstum im Bereich Streaming (20,7 %) konnte hier die Rückgänge in allen anderen Konsumformaten ausgleichen.

Das geringste Wachstum verzeichnete 2020 Austral-Asien mit 3,3 Prozent. (5)
 

ABB. 26: Umsatzanteile der einzelnen Segmente am weltweiten Umsatz im Jahr 2020
ABB. 27: Wachstum in den vier Regionen 2020
ABB. 28: Top 10 Musikmärkte 2020

DEUTSCHLAND IST VIERTGRÖSSTER MARKT DER WELT, SÜDKOREA WUCHS AM SCHNELLSTEN

Der Blick auf die einzelnen Märkte zeigt in 8 der globalen Top 10 Wachstum (6), hauptsächlich durch Streaming getrie­ben. Insbesondere die Umsätze aus den Streaming­Abos stiegen auf breiter Front. Den Spitzenplatz im Ranking der Länder belegten 2020 weiterhin die USA (Abb. 28), wie in den vergangenen Jahren gefolgt von Japan auf Platz 2, UK auf Platz 3, Deutschland auf Platz 4 und Frankreich auf Platz 5. (7)

Erhebliche Zuwächse im Bereich K-­Pop bescherten dem erneut sechstplatzierten Südkorea ein Wachstum von 44,8 Prozent und die Position des am schnellsten wachs­enden Marktes im Jahr 2020.(8)

Unverändert in der Reihenfolge gegenüber 2019 blieben auch die Plätze 7 bis 9 mit China, Kanada und Australien. Neu in der Spitzengruppe sind die Niederlande auf Platz 10. Sie überholten Brasilien, das über viele Jahre zu den Top 10 zählte – obwohl es auch im größten Tonträgermarkt Lateinamerikas ein kräftiges Plus von 24,5 Prozent gege­ben hatte.

FUßNOTEN:
1 IFPI Global Music Report 2021, S. 14/15; https://www.ifpi.org/wp-content/uploads/2020/03/GMR2021_STATE_OF_THE_INDUSTRY.pdf, 2, 3, 4, 5 Ebd.
6 Ebd., S. 10
7 IFPI Global Music Report 2021, S. 14/15
8 Ebd