KREATIVER PARTNER, INVESTOR UND TREIBENDE KRAFT HINTER DEN KÜNSTLER:INNEN

Musikerinnen und Musiker sind das Herz, der Kern, das Zentrum der Musikbranche. Ohne sie ginge nichts. Auch sie aber brauchen und suchen sich, wenn sie eine professionelle Karriere anstreben, in sehr vielen Fällen ein Label als Partner, das sie begleitet und unterstützt.

Tatsächlich gehören zu den Gründen für das derzeitige Wachstum der Branche in den letzten Jahren die erweiterten Investitionen der Musikfirmen in ihr Angebot für Künstler:innen, in ihre Mitarbeiter:innen und in ihre globale Präsenz, um Künstler:innen im globalen Exzellenz-Wettbewerb zu gewinnen und gemeinsam Karrieren zu entwickeln. Ein Label fungiert dabei als kreativer Mitstreiter, Investor und treibende Kraft – mit Leidenschaft, harter Arbeit und einem auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt agierenden Team.

Die Bedeutung der Labels für die Künstlerinnen und Künstler war wahrscheinlich noch nie so groß wie heute, die Partnerschaft für Kreative möglicherweise nie so wichtig wie jetzt. In einer Zeit, in der Musiker:innen aus aller Welt über Streaming-Dienste und Social-Media-Plattformen direkt mit den Fans in Kontakt treten und um Aufmerksamkeit werben können, ist es wichtiger denn je, jemanden an der Seite zu haben, der sein Handwerk versteht. Tatsächlich ist es nicht leichter, sondern eher schwieriger geworden, sich auf der wachsenden Zahl von Nutzungs- und Kommunikationsoberflächen Gehör und Sichtbarkeit zu verschaffen – im Wettbewerb um Aufmerksamkeit.

Das Label ist nicht nur Kreativpartner, es hält seinen Künstler:innen auch in vielerlei Hinsicht den Rücken frei. Denn um sich professionell im Musikgeschäft zu präsentieren, sind neben einer künstlerisch und handwerklich überzeugenden Produktion inzwischen für jede der relevanten Plattformen passgenaue, gut durchdachte originäre Inhalte erforderlich, die konzipiert, getextet, oft noch gefilmt, geschnitten, zum richtigen Zeitpunkt gepostet und sinnvoll platziert werden müssen. Wenn Musiker:innen sich zugleich um den Digitalvertrieb ihrer Musik, um Pressung und Vertrieb von CD und Vinyl und um das Booking ihrer Konzerte kümmern müssen, stellen sie meist schmerzlich fest, dass auch ihr Tag nur 24 Stunden hat und das Musikmachen zu kurz kommt.

Das moderne Label ist ein digitales Power-House, für das Metadaten, Algorithmen und Playlists ebenso zum Tagesgeschäft gehören wie „Artist & Repertoire“-Management (A & R), Musikproduktion und Künstler:innen-Management. Global agierende Teams sorgen durch die akkurate Lieferung von Datensätzen dafür, dass Songs und Alben wöchentlich an Onlinehändler und Dienstleister auf der ganzen Welt übermittelt werden, um den Fans einen schnellen Zugang zu neuer Musik zu ermöglichen. Kurz: Das Label unterstützt Musikerinnen und Musiker nicht nur im kreativen Entwicklungsprozess, sondern begleitet sie auch auf jeder Stufe ihrer musikalischen Reise bis zu ihren Fans mit einer breiten Infrastruktur – von der Produktion über den Vertrieb bis zu Promo und Vermarktung online und offline.

INVESTITIONEN IN DIE KÜNSTLERISCHE ENTWICKLUNGSARBEIT

Jährlich reinvestiert die Musikindustrie weltweit 33,8 Prozent ihrer Einnahmen in die Musik. Insgesamt 5,8 Milliarden US-Dollar fließen in den Aufbau neuer Künstlerinnen und Künstler, 4,1 Milliarden US-Dollar davon in das Entdecken und Entwickeln neuer Talente. Die übrigen rund 1,7 Milliarden US-Dollar gehen in Marketing und Promotion. Zu erkennen, wer das Potenzial hat, ein Publikum künstlerisch und als Persönlichkeit so anzusprechen, dass sich darauf eine nachhaltige professionelle Karriere aufbauen lässt, gehört zu den Kernkompetenzen eines Musiklabels. Menschen mit entsprechender Expertise können auch und gerade in einem von Algorithmen getriebenen Zeitalter nicht ersetzt werden. Anders gesagt: Daten sind hilfreich, aber letztlich nutzlos ohne die richtigen Tools und ohne das Know-how, sie richtig zu interpretieren und die richtigen Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Erst die Verbindung von Big Data und tiefem Fachwissen der Labels ermöglicht ihnen profunde Analysen und treffsichere strategische Entscheidungen mit Blick auf ihre Künstlerinnen und Künstler, um sie noch besser und direkter mit ihrer Audience in Verbindung zu bringen. Und das alles im Zeitalter von Social Media 24/7.

Gerade die Platzierung eines frisch gesignten Acts in einem der großen Musikmärkte ist dabei immer ein Wagnis für die Firmen, denn aller Expertise zum Trotz ist eben nicht gesagt, dass ein Künstler, eine Künstlerin die getätigten Ausgaben wieder einspielt – schließlich ist der Geschmack der Fans schwer vorhersagbar. Die Vorschüsse an die Musiker:innen, professionelle Aufnahmen, in der Regel zusammen mit Produzent:innen und Tonstudios, die Produktion von Musikvideos, Tour-Supports zur Vergrößerung der Fanbase, Marketing und Promotion, all das sind erhebliche Investitionen – die sich bei ausbleibendem Markterfolg unter Umständen nicht refinanzieren lassen. Dennoch gehen die Labels dieses Risiko ununterbrochen ein, um neue Talente zu entdecken, mit ihnen zu arbeiten und die künstlerische Vielfalt für die Fans zu erhalten und auszubauen.

Die größten Musikfirmen in Deutschland sind Sony Music, Universal Music und Warner Music (in alphabetischer Reihenfolge), gefolgt von (ebenfalls in alphabetischer Reihenfolge) 375 Media, Believe, Bertus, BMG, Edel/Kontor, GoodToGo, Membran, Naxos, PIAS, Soulfood, Tonpool und Zebralution (Abb. 13). Musikfirmen bauen weltweit Systeme und Partnerschaften auf, um die Lizenzierung von mehr als 60 Millionen Songs an Hunderte digitaler Dienste weltweit zu ermöglichen. Gleichzeitig arbeiten sie mit ihren Künstlerinnen und Künstlern daran, sie mit ihren Fans rund um den Globus zu verbinden. Musikinhalte sind ein wesentlicher Treiber der sozialen Medien, Profile von Musiker:innen gehören zu den weltweit meistgefragten Inhalten (Abb. 14).

DIE WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG VON MUSIK IN EUROPA

Der Musiksektor mit seinen Teilbereichen sichert europaweit insgesamt 2 Millionen Arbeitsplätze und trägt jährlich 81,9 Milliarden Euro zur Wirtschaft in den 27 EU-Mitgliedstaaten und im Vereinigten Königreich (EU28) bei. Herzstück sind die 7.400 europäischen Labels. Sie beschäftigen nicht nur fast 45.000 Menschen in der EU, sie investieren auch erheblich in andere Teile des Musiksektors und leisten einen wichtigen Beitrag zu den europäischen Exporten.[1]
 


[1] Quelle: „DIE WIRTSCHAFTLICHEN AUSWIRKUNGEN VON MUSIK“, IFPI 2020

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