MUSIKNUTZUNG

In den 19 Musik-Kernmärkten weltweit nutzen fast neun von zehn Befragten On-Demand-Streaming. Radio bleibt in Deutschland die am ehesten genutzte Art, Musik zu hören. Urheberrechtsverletzungen bleiben eine Herausforderung für die Branche.

Musik spielt im Leben vieler Menschen eine immer größere Rolle. Das zeigt die Nutzungsbefragung „Music Listening 2019“ des BVMI-Dachverbands IFPI (International Federation of the Phonographic Industry). IFPI untersucht einmal im Jahr das Nutzungsverhalten in den weltweit wichtigsten Musikmärkten. 2019 sind dazu Menschen in 19 Ländern befragt worden.

Wie die Studie zeigt, verbrachten Menschen in diesen Ländern 2019 pro Woche im Durchschnitt 18 Stunden damit, Musik zu hören (2018: 17,8 Std.). Dabei hat auch die Popularität von Musik-Streaming weiter zugenommen, es wird inzwischen von 89 Prozent der Befragten (2018: 86 %) genutzt. Gleichzeitig behielt das Radio (terrestrische und Onlineradioangebote) seine große Bedeutung. Beinahe ein Drittel der Zeit, die weltweit pro Woche Musik gehört wurde, entfiel auf das Radio (5,4 Std.). 2018 war es noch eine Stunde weniger. Noch höher lag der Wert 2019 in Deutschland (8 Std.), in Polen (9 Std.) und in den Niederlanden (10,5 Std.).

ABB. 15: Hörgewohnheiten in Deutschland in einer typischen Woche

PREMIUM-AUDIO-STREAMING ZWEITHÄUFIGSTE NUTZUNGSART

Der überdurchschnittlich hohe Wert in Deutschland von 8 Stunden bedeutet, dass das Radio hierzulande einen Zeitanteil von 43,5 Prozent beim wöchentlichen Musikhören erreicht (Abb. 15). Das entspricht etwa dem Wert von 2018. Nach wie vor wird damit über kein anderes Medium so viel Musik gehört wie über das Radio (auch hier werden terrestrische und Onlineradioangebote kumuliert betrachtet).

Immer mehr Zeit wurde mit Premium-Audio-Streaming verbracht. Es ist in Deutschland mittlerweile die zweithäufigste Art, Musik zu hören. 2019 waren es 17,2 Prozent der wöchentlichen Zeit, in der auf diesem Wege Musik gehört wurde. Umgerechnet auf eine Stunde Musik hören entfielen damit etwa zehn Minuten auf Premium-Audio-Streaming. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es etwa sieben Minuten bzw. 11,9 Prozent des wöchentlichen Musik-Zeitbudgets. So verbringen Hörerinnen und Hörer in Deutschland
inzwischen mehr Zeit mit Premium-Audio-Streaming als mit gekauften Tonträgern, die 2018 hinter den Radionangeboten noch an zweiter Stelle lagen, inzwischen aber Platz 3 belegen.

Auf Platz 4 folgte 2019 der Musikkonsum über YouTube, der gegenüber 2018 zwar um eine Position zurückgefallen ist, prozentual gesehen jedoch erneut einen Zeitanteil von 12,1 Prozent umfasste. Dahinter rangierten die werbefinanzierten Audio-Streaming-Angebote (3,4 %). Sie haben 2019 allerdings an Bedeutung verloren (2018: 4,6 %), ebenso wie „sonstige“ Nutzungsformen (z. B. Musik auf dem USB-Stick von Freunden, über einen Dropbox-Link o. Ä.) mit 2,7 Prozent des Musik-Zeitbudgets.

STREAMRIPPING IMMER HÄUFIGER AUCH IN DEUTSCHLAND ALS RECHTSWIDRIG EINGESTUFT

Über illegale Quellen wurde 2019 erfreulicherweise etwas weniger Musik konsumiert als 2018: Onlinepiraterie kam danach auf 2,8 Prozent der zum Musikhören verwendeten Zeit (2018: 3,5 %). Hierunter fällt in den hier zugrunde liegenden Zahlen von IFPI auch Streamripping, also das Umwandeln von Musik-Streams in downloadbare MP3-Dateien, das in vielen Ländern illegal ist. Allerdings tendiert immer häufiger auch die deutsche Rechtsprechung dazu, das sogenannte Rippen als rechtswidrig einzustufen. 2019 konnte der BVMI zusammen mit IFPI eine die Schließung von Convert2MP3 erreichen. Gegen Convert2MP war von deutschen Musikfirmen wegen erheblicher und anhaltender Urheberrechtsverletzungen vor dem Landgericht Hamburg Klage erhobe n worden. Der im Juni 2019 geschlossene Vergleich führte zur globalen Abschaltung von Convert2MP3 sowie aller weiteren rechtsverletzenden Websites der Betreiber.

IN DEUTSCHLAND ÜBERHOLT PREMIUM-AUDIO-STREAMING VIDEO-STREAMING BEI DER MUSIKNUTZUNG

Bezogen auf die Art des Streamings, über die in Deutschland Musik konsumiert wird, war bis 2018 YouTube etwas stärker vertreten (42 %) als Premium-Audio-Streaming (41 %). Das hat sich 2019 geändert: YouTube erreichte mit 36,7 Prozent Platz 2, meistgenutzte Streaming-Methode war die Premium-Variante (52,1 %) der Audio-Streaming-Angebote. 2019 machten neben dem zurückgegangenen Anteil werbefinanzierter Audio-Streaming-Angebote andere Video-Streaming-Angebote nur 0,9 Prozent aus.

Weltweit allerdings war Video-Streaming weiterhin vorherrschend gegenüber Audio-Streaming-Angeboten: Über die 19 in der Nutzungsbefragung von IFPI untersuchten Märkte hinweg spielte bei der On-Demand-Nutzung Video-Streaming mit durchschnittlich 47 Prozent eine deutlich größere Rolle als Premium-Audio-Streaming (37 %) bzw. kostenloses werbefinanziertes Audio-Streaming (15 %).

77 PROZENT HÖREN MUSIK ÜBER YOUTUBE – DAS TRÄGT NUR RUND 3 PROZENT ZUM UMSATZ BEI

Auch wenn sich die Bedeutung von YouTube für Musikfans 2019 etwas verringert hat, besteht nach wie vor der sogenannte Value Gap. Der Begriff beschreibt den Umstand, dass Plattformen wie YouTube keine am Markt verhandelten Lizenzen für von den Usern hochgeladene Musik erwerben, sodass die Kreativen und ihre Partner, die Musikfirmen, nicht angemessen an den Gewinnen beteiligt werden. Die Umsetzung der 2019 vom Europäischen Parlament verabschiedeten Urheberrechtsrichtlinie in nationales Recht würde das beheben.

Fakt ist: Die noch immer ausgiebige Nutzung von YouTube für den Musikkonsum – 77 Prozent der für die IFPI-Studie Befragten gaben an, YouTube zum Musikhören aufgerufen zu haben – spiegelt sich in keiner Weise in den Brancheneinnahmen. Der Blick auf die Umsätze im Jahr 2019 (vgl. Kapitel „Umsatz“, Abb. 1) zeigt, dass Musik-Streaming über Video-Dienste wie YouTube für nur rund 3 Prozent der Einnahmen steht, während 55 Prozent über Audio-Streaming-Dienste erlöst werden. Priorität der Branche bleibt daher die Forderung an den deutschen Gesetzgeber, die vom Europäischen Parlament verabschiedete Richtlinie wortlautgetreu umzusetzen.

JE JÜNGER, DESTO EHER WIRD MUSIK DIGITAL GEHÖRT

Die Aufschlüsselung der Arten des Musikhörens nach Altersgruppen zeigt auch 2019 ein Altersgefälle. So kann die Altersstruktur der Nutzung des Premium-Audio-Streamings in Form einer Pyramide abgebildet werden (Abb. 16): In der Gruppe der 16- bis 24-Jährigenwar es die bevorzugte Art, Musik zu hören (45 %). YouTube und Radio landeten mit jeweils 17 Prozent auf Platz 2, wobei das Radio in dieser Altersklasse seit 2018 an Popularität gewonnen hat. Gekaufte Tonträger spielten für diese Gruppe im Vergleich zu den Älteren die geringste Rolle (8 %), während sie umgekehrt eher als diese auf Onlinepiraterie zurückgriffen (5 %).

In den folgenden Altersgruppen zwischen 25 und 64 Jahren nimmt im Vergleich zu den Jüngsten die Bedeutung von Radio und von gekauften Tonträgern jeweils zu – mit der Ausnahme, dass Letztere bei den über 55- Jährigen nicht wie erwartet die größte Rolle unter allen Altersgruppen spielten.

Umgekehrt wurde mit zunehmendem Alter seltener auf Premium-Audio-Streaming, Video- Streaming und Onlinepiraterie zurückgegriffen. Auch die Rolle des Musikhörens in sozialen Netzwerken erreichte nicht die Bedeutung, die es bei den unter 24-Jährigen hatte.

Hat die Altersstruktur beim Premium-Audio-Streaming eine typische Pyramidenform, so zeigt sie beim Radiohören eine auf dem Kopf stehende Pyramide: Je jünger Musik Hörende waren, desto unwahrscheinlicher war es, dass sie Musik (auch) übers Radio hörten. Bei der Gruppe der über 55-Jährigen war es dagegen die bevorzugte Art, Musik zu hören (62 %).

ABB. 16: Hörgewohnheiten in Deutschland Prozentuale Anteile des Musikhörens in einer typischen Woche nach Geschlecht und Alter

ZENTRALE ERGEBNISSE DER IFPI-BEFRAGUNG „MUSIC LISTENING 2019“ ZUR WELTWEITEN MUSIKNUTZUNG

Weltweit entdecken Ältere zunehmend Streaming-Dienste für sich: In der Altersgruppe zwischen 35 und 64 Jahren lassen sich die höchsten Zuwachsraten beobachten. Mehr als die Hälfte von ihnen (54 %) gab bei der Befragung 2019 an, im vergangenen Monat einen solchen Musikanbieter genutzt zu haben. 2018 war es noch weniger als die Hälfte (46 %).

Musik bleibt den meisten ein wichtiger Begleiter für unterwegs: Das Auto ist der am häufigsten genannte Ort (70 %) zum Musikhören.

Weltweit betrachtet geht das Streamripping etwas zurück. Während 2018 noch mehr als ein Drittel der Verbraucherinnen und Verbraucher (38 %) diesen Weg zum Musikhören nutzte, war es 2019 etwas weniger als ein Viertel (23 %).