Repertoire & Charts

Deutschsprachige Alben erreichen in den Jahres-Top-10 ein Rekordhoch. Unter den 100 erfolgreichsten Singles des Jahres sind erstmals seit 2006 mehr in Deutschland produzierte als internationale Titel. Die wirtschaftliche Bedeutung von Hip-Hop wächst weiter.

ABB. 23: Umsatzanteile der einzelnen Repertoiresegmente am Gesamtumsatz im Jahr 2018

Noch nie zuvor waren 90 Prozent der erfolgreichsten Alben in den Jahres-Top-10 deutschsprachig. Das übertrifft das bisherige Allzeithoch von 2015 mit damals acht Alben. Ed Sheerans Album „÷“ stellte damit im vergangenen Jahr sozusagen die fremdsprachige Ausnahme dar. Während sich die ersten zehn Plätze der Rangliste in ihrer Zusammensetzung zugunsten deutschsprachiger Titel verändert haben, ist ihr Anteil unter den 100 erfolgreichsten Longplayern des Jahres beinahe gleich geblieben: Etwas mehr als zwei Drittel (ca. 69 %) waren nationale Produktionen (Abb. 24).

 

Wie bereits 2017 war auch 2018 das Album „Helene Fischer“ Spitzenreiter. Auf den Plätzen 2 und 3 folgten mit Bonez MC & RAF Camora („Palmen aus Plastik 2“) sowie Gzuz („Wolke 7“) deutschsprachige Rapper. Frei.Wild landeten mit „Rivalen und Rebellen“ auf Platz 4 und damit vor Ed Sheeran („÷“). Die Plätze 6 bis 10 gingen noch einmal an deutschsprachige Musik, angeführt von Herbert Grönemeyers Album „Tumult“. Ihm folgten „Na und?!“ von Ben Zucker und Bushidos „Mythos“, ehe Santiano mit „Im Auge des Sturms“ und Eloy de Jongs Album „Kopf aus – Herz an“ die Jahres-Top-10 abrundeten.

 

Auch in den Top-100-Single-Charts ist bemerkenswert, dass dort im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2006 mehr nationale als internationale Produktionen vertreten waren. Gegenüber dem Vorjahr stieg ihr Anteil auf 51,2 Prozent (Abb. 24 B). Zwei Jahre zuvor machten die in Deutschland produzierten erfolgreichsten Singles dagegen nur etwas mehr als ein Drittel in den Top 100 aus (2016: 36,7 %).

 

Unter die Top 10 bei den Singles haben es allerdings auch 2018 nur wenige deutsche Künstler geschafft. Einer von ihnen war wie bereits 2017 Bausa mit „Was du Liebe nennst“ (Platz 3, zuvor Platz 8). 2018 gelang das außer ihm nur noch Namika feat. Black M: Ihr „Je ne parle pas français“ landete auf Platz 7. Die beiden Spitzenreiter in den Jahres-Single-Charts waren Dynoro & Gigi D’Agostino (Platz 1 für „In My Mind“) und Ed Sheeran (Platz 2 für „Perfect“).

ABB. 24: Anteile nationaler und internationaler Produktionen an den Top 100 Single- und Longplay-Charts 2018

STREAMING-CHARTS: WENN DEUTSCH, DANN MEIST ALS RAP

Die Streaming-Charts blieben überwiegend in der Hand internationaler Künstlerinnen und Künstler. Unter den 100 meistgestreamten deutschsprachigen Titeln finden sich wiederum mehrheitlich Hip-Hop-Artists. Dies ließ sich bereits in den vergangenen beiden Jahren beobachten. Allerdings erreichten 2018 mehr nationale Produktionen die vorderen Plätze der Jahres-Top-100.

 

Während auf den ersten beiden Plätzen Dynoro und Gigi D’Agostino (Platz 1 für „In My Mind“) sowie Dennis Lloyd (Platz 2 für „Nevermind“) landeten, folgten bereits auf Platz 3 mit Capital Bra und Ufo361 („Neymar“) zwei deutschsprachige Künstler. Bausa schaffte es mit „Was du Liebe nennst“ erneut in die Jahres-Top-10 (Platz 5), gefolgt von mehreren ebenfalls deutschsprachigen Titeln: „500 PS“ (Bonez MC und RAF Camora, Platz 6), „Casanova“ (Summer Cem und Bausa, Platz 7) und „Magisch“ von Olexesh und Edin (Platz 8).

 

Mit Blick auf die Offiziellen Deutschen Charts bei Singles, Alben und Streams zeigt sich, dass die Popularität deutschsprachiger Musik insgesamt zunimmt. Dass dies gerade auch bei Jüngeren der Fall ist, lässt sich an den erwähnten Top-10-Platzierungen beim Audio-Streaming erkennen, das vor allem von dieser Nutzergruppe zum Musikhören verwendet wird (siehe auch Kapitel „Musikkäufer“).

 

Nicht nur Streaming-Anbieter kuratieren Musik, indem sie Playlists bieten. Auch Compilations setzen seit Jahrzehnten auf dieses Prinzip. Die 100. Ausgabe der „Bravo Hits“ hat es 2018 auf den Spitzenplatz der Top-100-Compilation-Jahrescharts geschafft, gefolgt von weiteren Ausgaben dieser Reihe.

AIRPLAY-CHARTS UNTERSCHEIDEN SICH VON DEN ERFOLGREICHSTEN SINGLES UND STREAMS

Anders als bei den Jahres-Top-10 der Singles und Alben sowie beim Audio-Streaming befand sich im Radio im vergangenen Jahr kein deutschsprachiger Titel unter den zehn meistgespielten Songs. Höchstplatzierter deutscher Song in den Offiziellen Deutschen Airplay-Charts war „Je ne parle pas français“ von Namika auf Platz 16.

 

Dominiert wurde das Radio entsprechend von internationalen Titeln. An der Spitze lagen David Guetta und Sia („Flames“), gefolgt von Calvin Harris und Dua Lipa („One Kiss“). Mit Robin Schulz (Platz 3 für „Unforgettable“ mit Marc Scibilia) und Nico Santos (Platz 8 für „Safe“) gelangten allerdings zwei deutsche Künstler (mit englischsprachigen Songs) in die Jahres-Top-10 der Songs mit den meisten Airplay-Einsätzen.

 

Die weiterhin niedrigen Anteile deutschsprachiger Titel im Radio, die sich in den Offiziellen Deutschen Airplay-Charts widerspiegeln, werfen erneut die Frage auf, wann die Musikplaner im Hörfunk sich endlich trauen, auch Domestic Repertoire eine Chance zu geben.

 

Aus Sicht des BVMI könnten die öffentlich-rechtlichen Sender hier im Sinne ihres Kulturauftrags heimischen Künstlerinnen und Künstler mehr Flächen bieten – dass es hier durchaus sehr viele Fans gibt, zeigt unter anderem der Blick in die Offiziellen Deutschen Album-Charts.

POP IST TROTZ VERLUSTEN ERFOLGREICHSTES GENRE, UMSÄTZE MIT HIP-HOP BEFINDEN SICH AUF 10-JAHRES-HOCH, ROCK UND SCHLAGER SIND WENIGER NACHGEFRAGT

Pop bleibt mit 26,1 Prozent das umsatzstärkste Musikgenre und trägt nach einem leichten Zuwachs im Jahr 2017 nun wieder etwa gleich viel zum Gesamtumsatz bei wie 2016. Die Umsätze mit Rockmusik, die auch die Genres Metal und Punk umfassen, sind erneut gesunken und befinden sich bezogen auf die vergangenen zehn Jahre auf einem Rekordtief (18,4 %) knapp unter dem Niveau von 2009. Auch der Schlager verliert leicht (–1 Prozentpunkt) und hat derzeit einen Marktanteil von 4,2 Prozent. Klassik inklusive Crossover Klassik (2,5 %) und Volksmusik (0,9 %) haben in einer ähnlichen Größenordnung Umsatzanteile verloren (–0,4 bzw. –0,6 Prozentpunkte). Beide Genres haben einen niedrigeren Anteil an Musikverkäufen als je zuvor.

 

Deutlich zugelegt hat hingegen Hip-Hop mit einem Zuwachs von 3,6 Prozentpunkten. Der Umsatzanteil von 16,2 Prozent stellt mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre einen neuen Rekordwert dar. Auch Dance hat zugelegt, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Mit 7,1 Prozent hat das Genre nun wieder etwa dieselbe wirtschaftliche Bedeutung wie 2016.

 

Während der Jazz-Umsatz mit einem Umsatzanteil von 1,8 Prozent identisch geblieben ist, haben die Genres Deutsch Pop (3,9 %) und Kinderprodukte jeweils um 0,2 Prozentpunkte zugelegt, Hörbücher sogar um 0,5 Prozentpunkte (3,9 %). Der Zuwachs bei den Kinderprodukten sorgte für einen Marktanteil von 10 Prozent, was ein Allzeithoch bedeutet.

 

Bei einem Umsatzanteil von 4,9 Prozent wurde etwa jeder zwanzigste Euro mit Tonträgern der Kategorie „Sonstige“ verdient, die beispielsweise Soundtracks/Filmmusik (1,3 %) und Weihnachtsproduktionen (0,6 %) umfasst. Auch Comedy zählt dazu, erreicht aber mit einem Umsatzanteil von aktuell 0,4 Prozent ein 10-Jahres-Tief – 2011 war der Anteil noch fünfmal so hoch.

Charts

Top 25 Single Charts 2018
Top 25 Longplay Charts 2018
Top 25 Streaming Charts 2018
Top 25 Airplay Charts 2018

AUSZEICHNUNGEN