REPERTOIRE & CHARTS

Hip-Hop/Rap überflügelt Rock in der wirtschaftlichen Bedeutung. Von den 100 erfolgreichsten Streaming-Titeln sind die meisten deutschsprachig oder von hiesigen Künstlerinnen und Künstlern. Im Radio werden trotzdem überwiegend englischsprachige Titel gespielt.

ABB. 23: Umsatzanteile der einzelnen Repertoiresegmente am Gesamtumsatz im Jahr 2019

Acht der zehn erfolgreichsten Alben 2019 waren deutschsprachig. Nur 2018 war der Anteil nationaler Produktionen an den Jahres-Top-10 der Alben höher. Mit Blick auf die erfolgreichsten 100 Alben des Jahres ist ihre Popularität 2019 jedoch gestiegen: Waren 2018 etwa zwei von drei Alben nationale Produktionen (ca. 69 %), waren es 2019 bereits fast drei von vier (73,6 %, Abb. 24). Mit Rammsteins gleichnamigem Album ist ein deutschsprachiges Rock-Album auf Platz 1 der Album-Jahrescharts gelandet, gefolgt von „Herz Kraft Werke“ von Sarah Connor aus dem deutschsprachigen Pop-Segment. Diese beiden Genres wechselten sich auch auf den folgenden beiden Plätzen ab: Udo Lindenbergs Album „MTV Unplugged 2 – Live vom Atlantik“ erreichte in den Jahresverkaufscharts Platz 3, auf Platz 4 landete „Tumult“ von Herbert Grönemeyer. Auf den Plätzen 5 bis 7 konnten Andrea Berg („Mosaik“), Kontra K („Sie wollten Wasser doch kriegen Benzin“) und AnnenMayKantereit („Schlagschatten“) ihre jeweiligen Erfolgsalben platzieren, ehe mit Ed Sheeran („No. 6 Collaborations Project“) auf Platz 8 das erste englischsprachige Pop-Album auftauchte. Komplettiert wurden die Top 10 von Volbeat („Rewind, Replay, Rebound“) und Capital Bra („CB6“).

ABB. 24: Anteile nationaler und internationaler Produktionen an den Top 100 Single- und Longplay-Charts 2019

ANTEIL DEUTSCHER PRODUKTIONEN IN DEN SINGLE-CHARTS WEITER GESTIEGEN

Die Top-10-Single-Charts sind mehr oder weniger identisch mit den Top-10-Streaming-Charts 2019 – lediglich in der Reihenfolge unterschieden sich die zehn meistgestreamten Titel. „Old Town Road“ von Lil Nas X belegte allerdings auch hier den Spitzenplatz.

Mit Bick auf die Top-100-Streaming-Charts hieß es in der letzten Ausgabe dieses Jahrbuchs, sie seien auch 2018 überwiegend in der Hand internationaler Künstlerinnen und Künstler geblieben. Das Verhältnis hat sich 2019 nun umgekehrt – mehr als die Hälfte der 100 am häufigsten gestreamten Titel stammten von nationalen Artists. Von diesen wiederum gehörten die meisten in den Bereich Hip-Hop/Rap.

RADIOSENDER SETZEN WEITERHIN ÜBERWIEGEND AUF INTERNATIONALE TITEL

Im Gegensatz zu den 100 erfolgreichsten Singles und Streaming-Titeln, bei denen es sich 2019 überwiegend um nationale Produktionen handelte, haben deutsche Produktionen unter den 100 meistgespielten Titeln im Radio mit 10 Prozent nur einen geringen Anteil. Bestplatzierter deutschsprachiger Song war „Hoch“ von Tim Bendzko auf Platz 39. Von allen Titeln wurde 2019 im Radio am häufigsten „I Don’t Care“ von Ed Sheeran & Justin Bieber gespielt, gefolgt von „Someone You Loved“ von Lewis Capaldi und „Señorita“ von Shawn Mendes & Camila Cabello.

Es ist aus Sicht des BVMI zwar nicht unbedingt sinnvoll, die – auch aktuell wieder von einigen – geforderte Quote für deutsche Künstlerinnen und Künstler im Radio neu aufzulegen. Doch wären Radiosender, auch mit Blick auf ihre Zukunft, möglicherweise gut beraten, sich stärker als bisher als Quelle und Partner für lokale und regionale – also auch deutschsprachige – Musik zu begreifen und sich dadurch zu profilieren, anstatt sich an den internationalen Playlists der Streaming-Dienste zu orientieren und letztlich mit diesen zu konkurrieren. Dass dies nicht zum Verlust von Hörerinnen und Hörern führen muss, zeigt die Popularität hiesiger Acts in den Offiziellen Deutschen Album-, Single- und Streaming-Charts.

HIP-HOP/RAP ERSTMALS WIRTSCHAFTLICH WICHTIGER ALS ROCK

Von 10 Euro Umsatz wurden 2019 4 Euro durch Pop-Musik generiert (25,8 %, Abb. 23). Damit trug das Genre zwar et­was weniger zum Gesamtumsatz bei als im Vorjahr (26,4 %), dennoch blieb es das wirtschaftlich bedeutendste Genre.

Auf Platz 2 hat es 2019 allerdings eine Veränderung gege­ben: Erstmals ist Hip-Hop/Rap zweiumsatzstärkstes Genre. Damit haben musikalisch gesehen Reime und Beats zum ersten Mal die verzerrten Gitarren überholt, wenn auch nur mit einem hauchdünnen Vorsprung. Obwohl der Rock-An­teil am Gesamtumsatz (19,6 %) im Vergleich zu 2018 leicht gestiegen ist, war der Zuwachs mit 2,0 Prozentpunkten bei Hip-Hop (19,7 %) deutlich stärker, sodass dessen Umsatzan­teil ein neues Allzeithoch erreichte.

Auch Deutsch Pop wurde wirtschaftlich etwas wichtiger. Durch ein Plus von 0,1 Prozentpunkten trug er etwas mehr als je­den 25. Euro bzw. 4,5 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Der Umsatzanteil von Kinderprodukten ist 2019 auf einen neuen Höchstwert gestiegen: Hier wurde nun fast jeder zehnte Euro (9,8 %) eingenommen.

Auch Klassik einschließlich Crossover Klassik (2,2 %) und Volksmusik (0,8 %) verloren wirtschaftlich gesehen weiter an Bedeutung, wenn auch unterschiedlich stark. Durch ei­nen Rückgang um 0,3 bzw. 0,2 Prozentpunkte haben die beiden Genres jedoch einen niedrigeren Anteil an Musik­verkäufen als je zuvor.

Die übrigen Genres verloren ebenfalls Anteile am Gesamt-umsatz. Vergleichsweise moderat fiel der Rückgang mit 0,1 Prozentpunkten bei Dance (7,3 %) aus. Bei Jazz (1,5 %) ging der Umsatzanteil hingegen um 0,4 Prozentpunkte zu­rück. Dies gilt auch für Tonträger der Kategorie „Sonstige“ (4,7 %), die unter anderem Soundtracks/Filmmusik und Weihnachtsproduktionen umfasst.

 

Charts

Top 25 Single Charts 2019
Top 25 Longplay Charts 2019
Top 25 Streaming Charts 2019
Top 25 Airplay Charts 2019