Repertoire & Charts

Alben deutschsprachiger Künstler:innen verkaufen sich besonders gut. Die meistgehörte Sprache bei Songs im Radio bleibt Englisch. Etwa jeder zehnte Euro wird mit Kinderprodukten erzielt.

Wie bereits 2019 waren auch 2020 acht der zehn erfolg­reichsten Alben deutschsprachig – höher war der Anteil nationaler Produktionen an den Jahres-Top-10 der Alben nur 2018. Von den 100 erfolgreichsten Alben des Jahres 2020 sind etwas mehr als zwei Drittel nationale Produktionen (67,8 %, Abb. 24). 2019 waren es fast drei Viertel (73,6 %), insofern ist hier im vergangenen Jahr ein Rück­gang zu verzeichnen.

„Power Up“ von AC/DC ist das erfolgreichste Album des Jahres 2020. Direkt dahinter liegen die Böhsen Onkelz mit ihrem gleichnamigen Album als bestplatziertem deutsch­sprachigen Longplayer. „Herz Kraft Werke“ von Sarah Connor und „Hell“ von den Ärzten belegen die Plätze 3 und 4. Ebenfalls sehr erfolgreich waren die Alben „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert, Vol. 7“ (Platz 5) und „POP“ von Fynn Kliemann (Platz 6). Mit „S & M2“ von Metallica ran­giert auf Platz 7 eine internationale Produktion. Domestic Repertoire von Kerstin Ott („Ich muss Dir was sagen“, Platz 8), Thomas Anders und Florian Silbereisen („Das Album“, Platz 9) und Bonez MC („Hollywood“, Platz 10) rundet die Jahres-Top-10 der Alben wiederum ab.

Bei den Compilations verkaufte sich 2020 keine so gut wie „Schlagerchampions 2020 – Das große Fest der Besten“. „Bravo – The Hits 2019“ erreichte Platz 2, gefolgt von meh­reren anderen Ausgaben der Bravo Hits.

ABB. 23: Umsatzanteile der einzelnen Repertoiresegmente am Gesamtumsatz im Jahr 2020

ANTEIL DEUTSCHER PRODUKTIONEN IN DEN SINGLE-CHARTS LEICHT GESUNKEN

Erfolgreichste Single des Jahres 2020 ist „Blinding Lights“ von The Weeknd. Auch in den Top-10-Streaming-Charts 2020 steht dieser Titel an der Spitze. Ohnehin ist das Gros der zehn meistverkauften Singles – wenn auch in teils anderer Reihenfolge – ebenfalls unter den zehn meistgestreamten Titeln zu finden.

Nachdem bei den 100 erfolgreichsten Singles die nationa­len Produktionen seit 2016 stetig zugenommen haben, ist ihr Anteil 2020 erstmals wieder leicht gesunken (Abb. 24 B). Trotzdem machten sie mit 61,8 Prozent noch deutlich mehr als die Hälfte der Top-100-Charts aus (2019: 63,9 %). Interna­tionale Produktionen kamen auf 38,2 Prozent (2019: 36,1 %).

In den Top-100-Streaming-Charts sind nationale Produktionen ebenfalls stark vertreten. Auch hier lässt sich beobachten, dass viele der meistgestreamten Titel von deutschsprachigen Hip-Hop/Rap-Artists stammen. So ist Apache 207 beispiels­weise mit zehn Titeln vertreten, Capital Bra bzw. Joker Bra mit sieben und Bonez MC mit sechs.

ABB. 24: Anteile nationaler und internationaler Produktionen an den Top 100 Single- und Longplay-Charts 2020

BEI RADIO-TITELN BLEIBT ENGLISCH DIE DOMINIERENDE SPRACHE

Eines haben die letztjährigen Single-, Streaming- und Air­play-Charts gemeinsam: Bei allen von ihnen steht „Blinding Lights“ von The Weeknd an der Spitze. Ansonsten unter­scheiden sich die Airplay-Charts deutlich von den anderen Charts, da im Radio nach wie vor internationale Titel dominieren. Deutsche Produktionen hatten dort 2020 unter den 100 meistgespielten Titeln einen Anteil von 6 Prozent, 2019 waren es noch 10 Prozent.

Bestplatzierter deutschsprachiger Song wurde „Übermorgen“ von Mark Forster mit Platz 4 in den Airplay-Jahrescharts. Noch häufiger gespielt wurden – abgesehen vom Spitzenreiter „Blinding Lights“ – „Breaking Me“ von Topic feat. A7S (Platz 2) und „Kings & Queens“ von Ava Max (Platz 3).

HIP-HOP/RAP ERNEUT WIRTSCHAFTLICH NOCH ETWAS WICHTIGER ALS ROCK

Pop bleibt 2020 das wirtschaftlich bedeutendste Genre. Mehr als ein Viertel der Umsätze wurden hier erzielt (26,6 %, Abb. 23). Das entspricht bei einer Zunahme um 0,8 Prozentpunkte im Vergleich zu 2019 ungefähr dem Wert des Jahres 2018 (26,4 %, Abb. 23A).

Hip-Hop erreicht im Ranking der umsatzstärksten Genres erneut Platz 2. Von 10 Euro, die durch Musik eingenommen wurden, stammen in einer solchen Rechnung etwa 1,86 Euro von diesem Repertoiresegment. Das entspricht einem leichten Rückgang um 1,1 Prozentpunkte; 2019 war noch fast jeder fünfte Euro (19,7 %) durch Hip-Hop erzielt worden. Auf Platz 3 steht Rock, wozu auch die Genres Metal und Punk gezählt werden. Hier ist ein ähnlicher Rückgang wie bei Hip-Hop zu beobachten. 2020 sorgte Rock für 17,9 Prozent des Gesamtumsatzes (Abb. 23).

Etwas zulegen konnte hingegen das Dance-Segment. Sein Anteil stieg um 0,8 Prozentpunkte und erreichte mit 8,1 Prozent des Gesamtumsatzes ein neues 10-Jahres-Hoch. Das trifft auch auf Kinderprodukte zu. Zuletzt wurde fast jeder zehnte Euro mit ihnen generiert (9,9 %, Abb. 23). Am deutlichsten wuchs die Bedeutung des Genres Sonstige, zu dem unter anderem Soundtracks, Country und Comedy zählen. Nach einem Plus von 2,2 Prozentpunkten liegt dessen Umsatzanteil bei 6,9 Prozent.

Schlager hat hingegen in den letzten zehn Jahren noch nie so wenig zum Umsatz beigetragen wie 2020. Nach einem Rückgang um 0,6 Prozentpunkte liegt der Umsatzanteil nun bei 3,4 Prozent (Abb. 23).

Auch andere Genres trugen zuletzt etwas weniger zu den Gesamteinnahmen bei als 2019. Prozentual gesehen waren die Rückgänge bei Klassik, Deutsch Pop und Volksmusik ähnlich hoch. Die wirtschaftliche Bedeutung von Deutsch Pop war zuletzt etwas mehr als doppelt so groß wie die der Klassik: Während mit Deutsch Pop etwa 4,4 Prozent des Branchenumsatzes erzielt wurden, waren es bei der Klassik 2,1 Prozent.

Grafik: Abb. 24 A - Anteile nationaler und internationaler Longplay-Produktionen 2020

Grafik: Abb. 24 B - Anteile nationaler und internationaler Single-Produktionen 2020

Charts

Top 25 Single Charts 2020
Top 25 Longplay Charts 2020
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Top 25 Airplay Charts 2020