Umsatz

Deutschlands Musikindustrie ist 2020 deutlich gewachsen. Seit 2006 haben sich die Einnahmen aus digitalen Geschäftsfeldern mehr als verdoppelt. Vinyl-Umsätze erreichen ein neues 10-Jahres-Hoch.

Trotz der für die Musikwirtschaft insgesamt sehr schmerzhaften pandemiebedingten Maßnahmen war 2020 für die Musikindustrie in Deutschland wirtschaftlich betrachtet ein sehr erfolgreiches Jahr: Der Gesamtumsatz stieg um knapp 150 Millionen Euro. Nach 1,637 Milliarden Euro im Jahr 2019 waren es 2020 1,785 Milliarden Euro (Abb. 2). Dies entspricht ähnlich wie schon 2019 einem hohen einstelligen Umsatzwachstum von 9 Prozent.

ABB. 1: Umsatzanteile aus dem Musikverkauf 2020, Physisch / Digital

AUDIO-STREAMING GENERIERT FAST ZWEI DRITTEL DER UMSÄTZE

2020 hat der Musikverkauf un Deutschland eine wichtige Marke überschritten: Erstmals in der Geschichte der Branche sind mehr als zwei Drittel der Umsätze auf digitalem Weg erzielt worden (71,5 %, Abb. 1). Im Jahr 2019 waren es 64,8 Prozent. 2020 hat Audio-Streaming allein bereits einen fast ebenso hohen Umsatzanteil erreicht (63,4 %) wie die Digitalumsätze 2019 insgesamt. In absoluten Zahlen wurden 2019 insgesamt 1,06 Milliarden Euro mit dem Digitalgeschäft erzielt, während es 2020 bereits 1,28 Milliarden Euro waren. Der Umsatzanteil physischer Tonträger betrug 28,5 Prozent nach 35,2 Prozent 2019. Damit wurden mit CDs und Schallplatten rund 510 Millionen Euro erzielt, 2019 waren es etwa 577 Millionen Euro.

Download à la carte kam 2020 auf einen Umsatzanteil von 4,2 Prozent (Abb. 1), das entspricht rund 76 Millionen Euro (Abb. 4). 2019 waren es noch 6,1 Prozent bzw. etwa 100 Millionen Euro gewesen. Während die Download-Umsätze 2020 damit um 24,8 zurückgingen, legte das Audio-Streaming um beinahe den gleichen Wert – 24,6 Prozent – erneut deutlich zu und generierte 2020 fast zwei von drei Euro (63,4 %). 2019 war es nur etwas mehr als jeder zweite Euro gewesen (55,5 %). In absoluten Zahlen wurden durch Audio-Streaming im Jahr 2020 insgesamt 1,133 Milliarden Euro eingenommen, dies sind 224 Millionen Euro mehr als 2019 (909 Mio. Euro). Dass die Audio-Streaming-Umsätze 2020 von dem bereits hohen Ausgangsniveau 2019 weiter um fast ein Viertel gestiegen sind, zeigt, dass diese Form der Musiknutzung in Deutschland noch immer neue Nutzer:innen findet und der Markt noch nicht gesättigt ist. Zudem hat 2020 sicherlich auch die pandemiebedingte Schließung des Einzelhandels dazu beigetragen, dass sich mehr Menschen über diesen Weg mit Musik versorgt haben.

LIZENZEINNAHMEN UND EINNAHMEN AUS LEISTUNGSSCHUTZRECHTEN

Neben den Musikverkäufen aus physischen und digitalen Geschäftsfeldern ist die sogenannte Synchronisation, die Verwendung von Musik für TV, Film, Games und Werbung, eine weitere Einnahmequelle der Branche. 2020 beliefen sich die hier erzielten Umsätze auf insgesamt 7 Millionen Euro. Das ist weniger als 2019 (8 Mio. Euro) und 2018 (10 Mio. Euro), entspricht jedoch exakt dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2017.

Die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten im Jahr 2020 betrugen geschätzt 216 Millionen Euro – zum Zeitpunkt dieser Darstellung stand der Betrag noch nicht abschließend fest. Im Jahr 2020 schlagen sich dabei durch die Auswirkungen der Coronapandemie bedingte stärkere Rückgänge in der öffentlichen Wiedergabe nieder, die aber durch Nachzahlungen im Bereich der privaten Vervielfältigung kompensiert werden können. Damit sollte auf Gesamtertragsebene das Niveau von 2019 gehalten werden.

ABB. 2: Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten 2011–2020 in der Bundesrepublik Deutschland

VINYL-UMSÄTZE STEIGEN, EINNAHMEN AUS CD-VERKÄUFEN SINKEN

Weiter gesunken sind die Umsätze mit CD-Alben, einem Format, das bis zu seiner Ablösung durch das Audio-Streaming 2018 fast drei Jahrzehnte das dominierende Musikformat in Deutschland war. 2019 wurde damit immerhin noch fast jeder dritte Euro verdient (29 %), 2020 war es nur etwas mehr als jeder fünfte (21,6 %). Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz um fast 18 Prozent zurückgegangenen: Nach 472 Millionen Euro 2019 waren es 387 Millionen Euro 2020. Zwar ist die rückläufige Tendenz bei der CD seit vielen Jahren zu beobachten, doch ist bei einem vergleichsweise sprunghaften Rückgang (–17,9 %) davon auszugehen, dass die CD auch unter den geschlossenen Geschäften zu leiden hatte. Sie bleibt allerdings mit 21,6 Prozent Umsatzanteil klar das zweitstärkste Format des deutschen Recorded-Marktes.

Mit weitem Abstand zwar, aber erstmals wieder auf Platz 3 im Ranking der Formate folgt Vinyl, das nun auf einen Gesamtmarktanteil von 5,5 Prozent kommt. Nach einem weiteren deutlichen Plus von 24,7 Prozent kann die Schallplatte damit den physischen Markt stützen, der so trotz der mehrfachen Schließungen des Einzelhandels ein Minus von „nur“ 11,7 Prozent verzeichnet. Die Renaissance der Schallplatte als eines besonderen und in den Augen ihrer Liebhaber:innen auch besonders wertigen Formats lässt sich seit 2007 beobachten. Im Jahr der Pandemie hat die Dynamik nicht nachgelassen, im Gegenteil, viele Menschen haben möglicherweise die ausfallenden Konzerterlebnisse auf diese Weise ein Stück weit kompensiert.

Singles, MC, DVD-Audio, SACD und Blu-ray Audio zählen dagegen in der Gesamtdarstellung des Formatsplits (Abb. 1) zur Kategorie „Physisch Sonstiges“. Ihr Umsatzanteil blieb 2020 gegenüber 2019 unverändert, er lag wie im Vorjahr bei 0,4 Prozent. Da der Gesamtumsatz jedoch gewachsen ist, wurden hier absolut gesehen höhere Einnahmen erzielt als 2019, getrieben durch die physische Single, die ein deutliches Plus von 45,7 Prozent erzielte. Mit etwa 4 Millionen Euro erreichten die Umsätze in diesem Bereich wieder das Niveau von 2017. Demgegenüber sanken die Umsätze mit Musikkassetten (MC) im Jahr 2020 um mehr als die Hälfte (-59,9 %, Abb. 3). Damit standen sie für etwa 0,5 Millionen Euro Umsatz. Erstmals wurde damit die Schwelle von 1 Million Euro klar unterschritten. Diese Entwicklung steht in gewissem Widerspruch zu der seit einigen Jahren vermuteten „Wiederauferstehung der Kassette“, die sich in Deutschland in den erhobenen Marktdaten bisher in keiner Weise zeigt.

Außerdem gingen die Umsätze in der Kategorie „Musik-DVD Longplay und Blu-ray Video“ zurück. Ihr Anteil sank von 1,4 Prozent 2019 auf 1,1 Prozent 2020. Eine Zunahme sowohl im Umsatzanteil als auch in absoluten Umsatzzahlen lässt sich bei Vinyl-Alben beobachten: Etwas mehr als jeder 20. eingenommene Euro (5,5 %) stammt aus dieser Kategorie. Nach einem Sprung von fast einem Viertel (24,7 %) beträgt der Umsatz nun rund 100 Millionen Euro. Das entspricht einem neuen 10-Jahres-Hoch und mehr als einer Verdreifachung seit 2013.

ABB. 3: Umsatzentwicklung der physischen Tonträger 2011–2020

DAS DIGITALGESCHÄFT: EINNAHMEN AUS STREAMING ÜBERTREFFEN DOWNLOADUMSÄTZE FAST UM DAS FÜNFZEHNFACHE

Der Digitalbereich allein verzeichnet 2020 ein Wachstum von gut einem Fünftel (20,3 %, Abb. 4), einer etwas geringeren Wachstumsrate als 2019 (22,5 %). In Summe wurden 2020 mit digitalen Musikverkäufen 1,276 Milliarden Euro umgesetzt, was einem neuen Höchststand entspricht. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Digitalumsätze außerdem mehr als verdoppelt, 2016 lagen sie bei 604 Millionen Euro (Abb. 4).

Angetrieben wurde das Wachstum im Digitalgeschäft 2020 von zwei Faktoren: Im Bereich Audio-Streaming stiegen die Umsätze um fast 25 Prozent (Abb. 4) auf zuletzt 1,13 Milliarden Euro. Innerhalb von sieben Jahren haben sie sich damit mehr als verzehnfacht (2014: 108 Mio. Euro). Ebenfalls gestiegen sind die Umsätze im Bereich „Sonstiges“, zu dem Video-Streaming-Plattformen, Mobile (Realtones/Ringbacktones) und Einnahmen aus Cloud-Services gehören.

Mit einem Wachstum von einem Drittel erreichte dieser Bereich im Jahr 2020 Einnahmen von 68 Millionen Euro (Abb. 4), 2019 waren es etwa 50 Millionen Euro. Bezogen auf den Gesamtumsatz konnten die Umsätze in diesem Segment jedoch nur geringfügig hinzugewinnen: 2019 sorgten sie für 3,1 Prozent, 2020 für 3,8 Prozent der Einnahmen (Abb. 1).

Zum ersten Mal seit 2008 wurden 2020 weniger als 100 Millionen Euro mit Downloads eingenommen. Der Umsatz von 76 Millionen Euro entspricht einem Rückgang gegenüber 2019 um rund ein Viertel. Damit haben sich die Download-Umsätze seit 2017 um die Hälfte und seit 2015 sogar um mehr als zwei Drittel verringert (Abb. 4). Insgesamt wurden durch Downloads nur noch gut 4 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt.

Das Umsatzverhältnis von Download zum Audio-Streaming beträgt etwa 1 zu 15. Jedem durch Downloads erzielten Euro stehen also 15 Euro gegenüber, die mit Audio-Streaming verdient wurden. Anders ausgedrückt: Von 100 Euro, die auf digitalem Weg verdient wurden, stammen rund 89 Euro aus dem Audio-Streaming und etwa 6 Euro aus Downloads. Die übrigen gut 5 Euro entfallen innerhalb des Digitalgeschäfts auf den oben beschriebenen Bereich „Sonstiges“ (Abb. 4).

ABB. 4: Umsatzentwicklung digitaler Musikverkäufe 2011–2020

UMSATZANTEILE DER REPERTOIRESEGMENTE IN DEN VIER KERNFORMATEN AUDIO-STREAMING, CD, VINYL UND DOWNLOAD

Im 5-Jahres-Vergleich, also zwischen 2015 und 2020, hat der Anteil des Audio-Streamings bei Hip-Hop/Rap von 18 auf 23 Prozent und im Kinderprogramm von 2 auf 10 Prozent sichtbar zugelegt (Abb. 5). Demgegenüber ging er im Bereich Rock/Hardrock/Heavy Metal im selben Zeitraum von 18 auf 13 Prozent und im Bereich Dance von 16 auf 10 Prozent zurück. In etwa gleich geblieben ist der Anteil von Pop, der 2015 bei 34 Prozent und 2020 bei 33 Prozent lag. Jazz ging ebenfalls um 1 Prozentpunkt von 4 auf 3 Prozent zurück. Der Anteil in den Bereichen Klassik und Schlager/Deutschpop hat sich mit jeweils 1 Prozent nicht verändert.

Bei Vinyl ist die Genreverteilung sogar im 10-Jahres-Vergleich von 2010 bis 2020 nahezu unverändert: Das mit Abstand umsatzstärkste Genre ist hier Rock/Hardrock/Heavy Metal (2020: 56 %), gefolgt von Pop (2020: 22 %) und Jazz (2020: 7 %). Klassik spielt mit einem Anteil von 1 Prozent zwar eine vergleichsweise geringe Rolle, trägt aber ebenfalls seit 2010 in ähnlichem Umfang zum Umsatz bei. Für Hip-Hop/Rap dagegen hat Vinyl zwischen 2010 und 2015 sichtbar an Bedeutung gewonnen, seit 2015 liegt der Umsatzanteil mit 6 Prozent allerdings auf gleichem Niveau. Im Bereich Schlager/Deutschpop spielt Vinyl überhaupt keine Rolle, hier ist die CD das Primärformat, zwischen 2010 und 2020 hat sich der Umsatzanteil von 5 Prozent auf 12 Prozent sukzessive gesteigert.

ABB. 5: Umsatzentwicklung in den Teilmärkten 2019-2020

PROGNOSE: DEUTSCHE MUSIKINDUSTRIE WÄCHST WEITER DYNAMISCH

Auch wenn die Coronapandemie, die beinahe alle Bereiche des täglichen Lebens umkrempelt, weiter anhält, lässt sich beim Blick auf die Statistiken der Musikindustrie keine nachhaltig negative Veränderung erkennen. Im Gegenteil, Branchenfachleute und die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gehen auch für die kommenden Jahre von einer positiven Entwicklung des Marktes aus.

Die GfK rechnet einerseits zwar damit, dass physische Tonträger insgesamt immer weniger nachgefragt werden (Abb. 6). Dies führt den Prognosen zufolge dazu, dass sich ihr Umsatz im Jahr 2023 im Vergleich zum Jahr 2018 halbiert haben wird. Nach mehreren aufeinanderfolgenden Rückgängen in den kommenden Jahren in jeweils zweistelliger Höhe werden physische Tonträger im Jahr 2023 schließlich einen Umsatzanteil von 14,5 Prozent haben.

Und auch bei den Downloads geht die GfK von einer weiteren Abnahme ihrer wirtschaftlichen Bedeutung aus. Ihr Umsatz verringert sich laut Prognosen jährlich um etwa ein Viertel, sodass er im Jahr 2023 weniger als die Hälfte des Betrages im Jahr 2020 ausmachen wird. Downloads werden dann noch einen Anteil von etwa 1,5 Prozent am Gesamtmarkt haben.

Doch werden andererseits die Streaming-Umsätze weiter wachsen, wenn auch mit fortschreitend abnehmender Dynamik. Zunächst wird von der GfK auch für die kommenden Jahre mit zweistelligen Zuwächsen gerechnet, die jährlich jedoch etwas weniger stark ausfallen. Es wird davon ausgegangen, dass Streaming im Jahr 2023 für gut 80 Prozent des Umsatzes des Gesamtmarkts sorgen wird. Dieses Wachstum im Streaming-Bereich wird auch die Entwicklung des Gesamtmarkts weiter voranbringen. Analyst:innen gehen davon aus, dass in Deutschland 2022 die Marke von 2 Milliarden Euro überschritten und 2023 ein Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erreicht wird.