Internationales

Digitale Umsätze haben 45 Prozent Marktanteil und überholen erstmals die Umsätze durch physische Musikverkäufe (39 Prozent). Streaming wächst weltweit um 45,2 Prozent und hat einen Marktanteil von 19 Prozent. Downloads stehen für 20 Prozent der Gesamtumsätze. Das physische Geschäft geht mit 4,5 Prozent langsamer zurück als in den Vorjahren.

Weltweiter Gesamtumsatz der Musikbranche wächst um 3,2%, digitales überholt erstmals physisches Geschäft

Der Musikmarkt ist 2015 weltweit um 3,2 Prozent auf insgesamt 15 Milliarden US-Dollar gewachsen. Das ist das erste signifikante globale Wachstum der Branche seit fast zwei Jahrzehnten. Zugleich hat der Markt einen Meilenstein passiert, denn erstmals haben die Einnahmen aus den Verkäufen digitaler Formate mit 45 Prozent einen größeren Anteil am Gesamtumsatz als das physische Geschäft mit 39 Prozent, in 19 Märkten machen digitale Umsätze inzwischen sogar mehr als die Hälfte des jeweiligen Musikmarktes aus. Insgesamt ist das Digitalgeschäft 2015 um 10,2 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar gewachsen. Treiber war das Audio Streaming-Geschäft, das allein um 45,2 Prozent zulegte und die Rückgänge im Bereich von Downloads und physischem Geschäft mehr als ausgleichen konnte.

Streaming bleibt weiterhin der am schnellsten wachsende Sektor und damit Treiber der Branche. Innerhalb der 5-Jahresperiode bis 2015 konnte der Umsatz hier vervierfacht werden und liegt nun bei 2,9 Milliarden US-Dollar. Dank der Verbreitung von Smartphones, der zunehmenden Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Abodiensten und Fans und Musikliebhabern, die auf lizenzierte Musikdienste umgestiegen sind, verzeichnet der Streaming-Sektor nun 19% des globalen Branchenumsatzes, im Vergleich zu 14?% im Jahr 2014. Innerhalb des Digitalmarktes hat Streaming einen Anteil von 43 Prozent am Umsatz und ist im Begriff, Downloads (derzeit mit einem Anteil von 45 Prozent) als primäre digitale Einnahmequelle der Branche zu überholen.
 
Premium-Abodienste konnten in den letzten Jahren rasanten Zuwachs verzeichnen. Mittlerweile zahlen geschätzt 68 Millionen Menschen weltweit für ein Musik-Abonnement. Im Vergleich: 2014 waren es 41 Millionen Nutzer, acht Millionen zu Beginn der Datenerhebung im Jahr 2010

Abb 26: Weltweiter Umsatz aus dem Musikverkauf 2005-2015
Abb 27: Umsatzanteile der einzelnen Segmente am weltweiten Umsatz 2015
 

Downloads bleiben auch weiterhin ein wichtiges Angebot, das für 20 Prozent des Branchenumsatzes steht. Der Umsatzrückgang von 10,5?% auf drei Milliarden US-Dollar ist allerdings etwas höher ausgefallen als 2014 (-8,2 Prozent). Der Download von Alben bleibt weiterhin zentral für Musikfans, das führte weltweit zu Umsätzen von 1,4 Milliarden US-Dollar. Dies ist höher als das Verkaufsniveau in den Jahren 2010 (983 Millionen US-Dollar) und 2011 (1,3 Milliarden US-Dollar) in diesem Bereich.
 
Der Bereich Aufführungsrechte wuchs dagegen. Umsätze durch die Nutzung von Musik durch Rundfunkanstalten und bei öffentlichen Veranstaltungen legten um 4,4?% auf 2,1 Milliarden US-Dollar zu und gehören weiterhin zu den am kontinuierlichsten wachsenden Einnahmequellen der Branche. Insgesamt machen sie 14 Prozent der globalen Umsätze aus im Vergleich zu zehn Prozent im Jahr 2011.
 
Der Umsatz durch physische Formate ging zurück, mit einem Minus von 4,5 Prozent allerdings langsamer als dies in den Vorjahren der Fall war: -8,5 Prozent im Jahr 2014 und -10,6?% im Jahr 2013. Die Einnahmen aus Verkäufen physischer Tonträger haben einen Anteil von 39 Prozent am weltweiten Branchenumsatz. CDs und Vinyl-LPs sind in wichtigen Märkten wie Japan (75%) und Deutschland (60%) auch weiterhin das Format der Wahl für die Mehrzahl der Konsumenten.

Die Marktdarstellung im Global Music Report von IFPI und im Jahrbuch des BVMI

Abb. 28: Wachstum in den vier Regionen 2015

Die von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) vorgestellten Marktentwicklungen der einzelnen Länder weisen für Deutschland ein Ergebnis aus, das von den Zahlen des BVMI abweicht: So ist nach BVMI- Zahlen der deutsche Markt 2015 um 4,6 Prozent durch Einnahmen aus Musikverkäufen gewachsen und trägt damit zum globalen Wachstum bei, während IFPI insgesamt einen leichten Rückgang um 0,3 Prozent für Deutschland verbucht. Der Grund hierfür liegt in der unterschiedlichen Marktbetrachtung: Während der BVMI in die Marktentwicklung ausschließlich die physischen Tonträger, Downloads und Einnahmen aus dem Streaming einbezieht, rechnet IFPI die Einnahmen aus Synchronisation und GVL-Leistungsschutzrechten hinzu, wobei die Darstellung der Leistungsschutzrechte bei IFPI ebenfalls nach anderen Vorgaben erfolgt:  So bezieht IFPI auch ZPÜ-Nachzahlungen ein, die anders als in den Vorjahren in 2015 nicht zu verzeichnen waren. Im Gegensatz dazu zeigt der BVMI die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten in seiner Jahresstatistik so, wie sie dem Wirtschaftsbericht der GVL entsprechen, d.?h. Sonderzahlungen werden periodengerecht auf die Vorjahre verteilt. Diese beiden unterschiedlichen Betrachtungsweisen führen in diesem Jahr in den Darstellungen der IFPI und des BVMI zu gegenläufigen Tendenzen der Markt- entwicklung für Deutschland.

Den Value Gap schließen – Der Gesetzgeber ist gefordert

Der globale Musikmarkt steht trotz des erstmals wieder deutlichen Wachstums von 3,2 Prozent jedoch vor einer gewaltigen Herausforderung: Die weltweite Musiknutzung erreicht Rekordergebnisse vor allem durch den Boom im Bereich des Audio Streaming, und die Einnahmen aus dem digitalen haben dabei erstmals die aus dem physischen Geschäft überholt. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr deutlich, dass die Musikbranche im digitalen Zeitalter angekommen und dadurch sogar stärker geworden ist. Das sind gute Nachrichten für Kreative, Investoren und Nutzer.Der Umsatz durch physische Formate ging zurück, mit einem Minus von 4,5 Prozent allerdings langsamer als dies in den Vorjahren der Fall war: -8,5 Prozent im Jahr 2014 und -10,6?% im Jahr 2013. Die Einnahmen aus Verkäufen physischer Tonträger haben einen Anteil von 39 Prozent am weltweiten Branchenumsatz. CDs und Vinyl-LPs sind in wichtigen Märkten wie Japan (75%) und Deutschland (60%) auch weiterhin das Format der Wahl für die Mehrzahl der Konsumenten.

Abb 29: Umsätze aus dem europäischen Musikverkauf 2014-2015

Die Freude darüber ist jedoch gedämpft, denn die Umsätze, die letztendlich grundlegend für zukünftige Investitionen sind, werden den Kreativen und ihren Partnern noch nicht angemessen zuteil. Der Value Gap ist das größte Wachstumshemmnis für Künstler, Labels und Rechteinhaber. Daher ist eine Anpassung der Rahmenbedingungen erforderlich.

Der Value Gap besteht, weil einige der führenden digitalen Anbieter aufgrund der geltenden Gesetzeslage nicht eindeutig dazu verpflichtet sind, Lizenzen für Musik zu erwerben. So stehen zum Beispiel einige User Upload-Dienste auf dem Standpunkt, dass ihre Plattform samt der dort angebotenen Musik nicht lizenzpflichtig sei oder sie schließen Lizenzen zu deutlich niedrigeren Preisen ab. Dabei berufen sie sich auf die sogenannte „Safe Harbour“-Regelung, die in Frühzeiten des Internets in Europa und den USA etabliert wurde.

Der ursprüngliche Sinn der „Safe Harbour“-Regelungen war es, Online-Dienste, die eine wirklich passive Rolle haben, vor Ansprüchen zu schützen und auf diese Weise den – damals – neuartigen Geschäftsmodellen im Internet dabei zu helfen, sich zu etablieren. Diese Regelung wurde jedoch nicht konzipiert, um Firmen, die aktiv an der Verbreitung von Musik teilnehmen, von den Regelungen auszuschließen, die für jeden anderen Online-Musikdienst gelten. So hat sich über die Jahre hinweg eine Marktstörung im digitalen Lizenzhandel etabliert.

Gemeinsam setzen sich diverse Player der Musikbranche und der Kreativwirtschaft insgesamt dafür ein, diesen Missstand zu beheben.  Ihr Argument: Es gibt keinen Grund, digitale Plattformen, die ihr Geschäft auf dem Rücken der Musik- und anderer Kreativbranchen aufgebaut haben, weiterhin durch die Safe-Harbour-Regelung zu schützen, wenn sie ihre Gewinne mit der Verbreitung von Musik und anderen kreativen Inhalten erzielen.
 
Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wurde im Dezember 2015 erzielt, als die Europäische Kommission ihre Mitteilung „Towards a modern, more European copyright framework“ vorlegte. In dieser wurde festgestellt, dass Musik und kreative Inhalte in ihrer Gesamtheit sowie Online-Dienste wichtige Wachstumstreiber der europäischen Wirtschaft und des Arbeitsmarktes seien; der Value Gap wird dabei klar als Problem identifiziert. Die Kommission plant, 2016 erste Lösungsvorschläge dies- bezüglich zu veröffentlichen.