Internationales

Die Einnahmen aus Musikverkäufen sind 2018 weltweit um 9,7 Prozent gewachsen. Streaming-Erlöse legen um 34 Prozent auf fast die Hälfte der Gesamteinnahmen zu; Treiber ist das bezahlte Streaming. Weltweit gibt es derzeit 255 Millionen Nutzerinnen und Nutzer bezahlter Streaming-Dienste. Lateinamerika ist zum vierten Mal in folge die Region mit den höchsten Zuwächsen.


Nach dem vierten Wachstumsjahr in Folge mit einer Einnahmensteigerung aus Musikverkäufen um 9,7 Prozent lag der Umsatz der globalen Musikindustrie 2018 bei 19,1 Milliarden US-Dollar. Die Weltmarktdaten werden einmal im Jahr von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), dem Dachverband des Bundesverbandes Musikindustrie, im „Global Music Report“ (GMR) veröffentlicht.

 

Die Streaming-Erlöse legten 2018 um 34 Prozent zu und machen nun fast die Hälfte (47%) des weltweiten Branchenumsatzes aus. Treiber in diesem Bereich war das kostenpflichtige Streaming (+32,9%); insgesamt 255 Millionen Nutzerinnen und Nutzer bezahlter Abonnements haben dafür gesorgt, dass Premium-Audio-Streaming im vergangenen Jahr einen Anteil von 37 Prozent am Gesamtumsatz hatte. Durch das Streaming-Wachstum konnten die Rückgänge im physischen Bereich (–10,1%) und bei Downloads (–21,2%) mehr als ausgeglichen werden. Der Digitalanteil liegt weltweit nun insgesamt bei 58,9 Prozent (2017: 54%).

 

Unter den Top-10-Musikmärkten 2018 versammeln sich dieselben Länder wie 2017, nur die Reihenfolge hat sich an einigen Stellen geändert. Wie in den Vorjahren belegen die USA und Japan die Plätze 1 und 2. Auf Platz 3 wechseln sich seit Jahren Deutschland und das Vereinigte Königreich ab. In diesem Jahr rangiert die Bundesrepublik auf Platz 4, gefolgt von Frankreich und Südkorea, die wie 2017 die Plätze 5 und 6 belegen. Auf Platz 7 befindet sich erstmals China, das sich damit gegenüber 2017 um drei Plätze verbessern konnte, während Kanada von Platz 7 auf 9 etwas nach hinten gerutscht ist. Auch Brasilien hat einen Platz verloren und liegt nun an zehnter Stelle, Australien dagegen bleibt unverändert auf Platz 8. 

ABB. 25: Weltweiter Umsatz aus dem Musikverkauf 2008 –2018

Geclustert nach den vier Regionen Asien/Australasien, Lateinamerika, Europa und Nordamerika (Abb. 27) zeigen sich 2018 Veränderungen in den Wachstumsraten dieser Märkte im Vergleich zum Vorjahr: Asien/Australasien ist um 11,7 Prozent gewachsen und hat damit eine um 6,3 Prozentpunkte höhere Wachstumsrate als 2017. Lateinamerika, mit einem Plus von 16,8 Prozent zum vierten Mal in Folge die weltweit dynamischste Region, ist etwas schwächer gewachsen als im Vorjahr (2017: 17,7%). Nordamerika konnte sich von 12,8 Prozent 2017 auf ein Plus von 14 Prozent steigern.

 

Europa verzeichnete dagegen 2018 nur ein leichtes Wachstum (0,1%), nachdem das Plus 2017 noch bei 4,3 Prozent gelegen hatte. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass der digitale Transformationsprozess in einigen Ländern Europas, darunter Deutschland, etwas langsamer verlaufen ist und sich die Rückgänge im zum Teil noch relativ starken physischen Geschäft trotz der nun auch hier überall erheblichen Digitalzuwächse (Abb. 28) deutlich in der Wachstumsbilanz abbilden. Bezahltes Streaming wuchs europaweit um 29,2 Prozent, während die Einnahmen aus Verkäufen physischer Tonträger um 19,4 Prozent zurückgingen.

 

Ein zweiter Grund ist, dass die IFPI bei der Berechnung der Umsätze anders als der BVMI in seinen Marktstatistiken auch die Einnahmen aus Synchronisation und Leistungsschutzrechten einbezieht. Diese fielen für Europa 2018 deutlich geringer aus als im Vorjahr (–6,7%). Nach den IFPI-Zahlen war Deutschland an diesem Ergebnis maßgeblich beteiligt: Hier gingen die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten gegenüber dem Vorjahr um 27,9 Prozent zurück. Doch hatte es hier zuvor zwei Jahre in Folge jeweils erhebliche einmalige Nachzahlungen im Bereich der Privatkopie gegeben (vgl. Abb. 2, S. 8, Kapitel „Umsatz“). 

ABB. 26: Umsatzanteile der einzelnen Segmente am weltweiten Umsatz im Jahr 2018
ABB. 27: Wachstum in den vier Regionen 2018
ABB. 28: Umsätze aus dem europäischen Musikverkauf
 

Das Minus an dieser Stelle entsteht daher nur, weil 2016 und 2017 durch diese nachträglichen Einmalzahlungen Ausreißer nach oben sind, während der Wert für 2018 (vorbehaltlich einer weiteren Nachzahlung) lediglich die Rückkehr zu einem „normalen“ Jahr anzeigt. Zum Vergleich: Die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten etwa von 2009 bis 2015 lagen noch deutlich unter denen von 2018 (Abb. 2).

 

Die gegenüber dem BVMI andere Bemessungsgrundlage der IFPI führt auch dazu, dass das Gesamtergebnis für Deutschland im Jahr 2018 bei einem Minus von 9,9 Prozent liegt, was von der BVMI-Wachstumsrate für 2018, in die Synchronisation und Leistungsschutzrechte nicht einbezogen sind, deutlich abweicht (–0,4%, siehe Kapitel „Umsatz“).

 

Im IFPI-Vergleich wuchsen dagegen beispielsweise Schweden und Norwegen, wo der Digitalanteil bereits bei mehr als 70 Prozent liegt, um 2,8 Prozent bzw. 1,7 Prozent, in Dänemark (–2,6%) und Belgien (–6%) gingen die Umsätze zurück (Abb. 28).